Zehn Minuten von Konstanz: Ein Arkadien am Bodensee

Der Arenenberger Landschaftspark im Thurgau – Sonderausstellung „Zu Tisch – À Table!“

Salenstein (red) Der Arenenberger Landschaftspark im Thurgau ist ein Arkadien am Bodensee. So zumindest schwärmt das Napoleonmuseum vom irdischen Paradies in der Schweiz.

Schloss Arenenberg zehn Minuten von Konstanz

Hoch über dem westlichen Bodensee erhebt sich der ehemals napoleonische Landsitz Schloss Arenenberg. Inmitten einer Parklandschaft gelegen eröffnet sich  ein spektakulärer Ausblick auf die Klosterinsel Reichenau und die mediterran anmutende Uferlinie des Untersees. Nur zehn Minuten westlich von Konstanz entfernt gilt das Schloss mit seinem weitläufigen Landschaftspark als ein echter Geheimtipp am Schweizer Bodensee. Hier im Thurgau verbrachte Kaiser Napoleon III., der letzte Kaiser Frankreichs, zwischen 1815 und 1838 seine Jugendjahre. Mit seiner Mutter Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Schwägerin Kaiser Napoleons I., schuf er an diesem außergewöhnlichen Ort eine Parkanlage, die am Seeufer zahlreiche Nachahmer fand. Als „Côte Napoléon“ ist deshalb noch heute das Südufer des Untersees bekannt.

Gartenexperten für den Arenenberg

Gestaltet nach den Ideen des französischen Gartenbauers Louis-Martin Berthault sowie des berühmten „Grünen Fürsten“, Fürst Hermann von Pückler-Muskau, ließ Hortense den Park mit allen „fabriques“ (Einbauten) oder „folies“ (Belustigungen) ausstatten, die man sich nur vorstellen kann: Verwunschene Wege mit waghalsigen Passagen und uralten Bäumen vermitteln den Eindruck von unberührter, wilder Natur. Der wasserumspielte Grottenberg und die Kaskaden erinnern mit ihrem Aussehen und ihrer Technik genauso an die mystische Renaissance, wie die Eremitage mit der „grossen Fontäne“ oder das als Eiskeller genutzte Nymphäum (Quellheiligtum). Schlucht und Wasserfall als Theaterkulisse und Schauspieler, Pavillons, Aussichtspunkte, Brücken, unterirdische Stollen, die Himmelsleiter zur Kapelle – und schliesslich als Krönung der Blick über den See mit seinem Hinterland: Konstanz, Reichenau, Bodanrück, Hegau, Höri, Seerücken und bei guter Sicht sogar die Alpen. All dies ist Teil der Inszenierung des Arenenberger Parks.

Lustwandeln im Park

„Hortense befasste sich gern mit der Natur und fand ein wahres Vergnügen darin, den sie besuchenden Fremden die Standorte zu zeigen, von welchen aus man die schönste Aussicht genoss“, schrieb ein unbekannter Zeitgenosse. Zwei Jahre lang wurde der Landschaftsgarten nach napoleonischem Vorbild nun aufwendig restauriert und präsentiert sich jetzt wieder in voller Schönheit. Und auch heute begleitet der gute Geist der botanikverliebten Hausherrin die Gäste: auf verschlungenen Wegen, die auf verschiedenen Ebenen und Terrassen über siebzig Höhenmeter verlaufen und das rund zwölf Hektar grosse Gelände erschließen. Wer in die Geheimnisse des Park eingeweiht werden möchte, kann sich sonntags zwischen Mai und September immer um 14 Uhr einer öffentlichen Parkführung anschliessen.

Zu Gast bei Königin Hortense

Beim Spaziergang durch den Park sollte man nicht versäumen, das Napoleonmuseum im Schloss zu besuchen. Dort fand Hortense mit ihrem damals siebenjährigen Sohn Louis Napoleon nach dem Tod Kaiser Napoleons I. und der Verbannung aus Paris eine zweite Heimat. Das Leben des französischen Hofes holte sie dabei kurzerhand in den Thurgau.

Die Stieftochter und Schwägerin Napoleons führte ein offenen Haus, eine Tradition die heute im Napoleonmuseum fortgeführt wird. So wandelt man in Filzpantoffeln durch original tapezierte Salons, ausgestattet mit berühmten Gemälden und kostbaren Möbeln aus der Zeit des Empire. Auf Schritt und Tritt begegnet einem die kaiserliche Familie. In manchen Salons meint man auch zu hören, wie sie ihren Gästen etwas zuflüstern: „Haben Sie schon einmal den Sonnenuntergang über unserem Golf von Neapel gesehen? Nein? Dann lassen Sie ihn sich nicht entgehen! Heute Abend, bei einem Glas Champagner.“

Sonderausstellung bis 10. Oktober 2010

„Zu Tisch – À Table! Köstlichkeiten aus fürstlichen Küchen und Kellern“

Die Jahresausstellung des Napoleonmuseums Thurgau widmet sich den kulinarischen Genüssen während des französischen Kaiserreichs.

Informationen

Napoleonmuseum Thurgau Schloss & Park Arenenberg,

CH-8268 Salenstein, Tel. +41 (0)71 663 32 60,

napoleonmuseum@tg.ch, www.napoleonmuseum.tg.ch

Öffnungszeiten

bis 10. Oktober 2010:

Montag: 13 – 17 Uhr

Dienstag – Sonntag: 10 – 17 Uhr

letzter Eintritt: 16.30 Uhr

2 Kommentare to “Zehn Minuten von Konstanz: Ein Arkadien am Bodensee”

  1. Alexander Kopp
    29. Juli 2010 at 15:56 #

    Hallo Waltraud,

    zu Schloss Arenenberg solltest Du noch hinzufügen, dass dort gerade in ebendieser herrlichen Umgebung das Theater-Stück „Fisch zu viert“, http://www.theater-auf-der-insel.de/, aufgeführt wird. Absolut sehenswert! Das alt eingesessene Open-Air-Theater (Ute Fuchs) hat den ersten Teil seiner Aufführungen vor ausverkauftem Haus bereits auf der Insel Reichenau absolviert.

  2. wak
    29. Juli 2010 at 15:57 #

    Danke für den Hinweis.

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