ZF nach Absturz wieder auf Wachstumskurs

In der Krise keine betriebsbedingten Kündigungen in Deutschland

Friedrichshafen (red) Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft bei der ZF in Deutschland sind vorerst gesichert. Trotzdem war 2009 eines der schwersten Jahre der Unternehmensgeschichte. Es gab einen Umsatzrückgang um ein Viertel. Umsatzprognose für Gesamtjahr 2010 zeigt aber wieder nach oben und liegt bei plus 10 Prozent. Gewinnschwelle soll in diesem Jahr überschritten werden. Das teilte das Unternehmen heute mit.

Wende in diesem Jahr schaffen



Die ZF Friedrichshafen AG will Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr wieder deutlich steigern. Nach einem Umsatzrückgang um 25 Prozent auf knapp 9,4 Milliarden Euro und einem operativen Verlust in Höhe von 361 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr peilt der Automobilzulieferer für 2010 ein Umsatzwachstum in der Größenordnung von 10 Prozent an. Wesentliche Ziele des ZF Konzerns sind, die Gewinnschwelle im operativen Geschäft zu übersteigen und trotz des noch unsicheren Marktumfelds die Stammbelegschaft in Deutschland zu halten.

ZF-Vorstandsvorsitzender Hans-Georg Härter äußerte sich

„Obwohl sich die Märkte derzeit nur zögerlich erholen und Restrisiken bleiben – wir werden die Trendwende in diesem Jahr schaffen“, sagte ZF-Vorstandsvorsitzender Hans-Georg Härter auf der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns in Stuttgart. Er rechnet für sein Unternehmen im laufenden Jahr mit einem Umsatzplus von rund 10 Prozent.

Beschäftigungssicherung dank Kurzarbeit

Das Geschäftsjahr 2009 hingegen war für ZF eines der schwersten Jahre der Unternehmensgeschichte. Infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise kam es zu massiven Produktionsrückgängen in den Werken. Die Mitarbeiterzahl ging um etwa 3.500 Personen zurück und lag Ende 2009 bei rund 59.800 Beschäftigten. „Am Standort Deutschland konnten wir dabei komplett auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten“, unterstrich Härter. Stattdessen nutzte der Konzern flexible Möglichkeiten wie Altersteilzeit oder Abfindungsregelungen. Frei werdende Stellen wurden grundsätzlich nicht wieder besetzt. In großem Umfang setzte ZF auf Kurzarbeit. Weil es dieses flexible Instrument der Beschäftigungssicherung nicht an allen Auslandsstandorten gibt, wurden hier eine Reihe von Umstrukturierungen und Produktionsverlagerungen in die Wege geleitet, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Teilweise wurden Standorte geschlossen und den Mitarbeitern sozialverträgliche Lösungen angeboten. In der Folge sank die Zahl der internationalen ZF-Produktionsgesellschaften von 125 auf 123 in 27 Ländern.

Konzernumsatz brach dramatisch ein

Auch die Umsatz- und Ertragslage der ZF Friedrichshafen AG spiegelte die globalen konjunkturellen Rückgänge wider. So lag das operative Ergebnis mit 361 Millionen Euro im Minus. Der Konzernumsatz ging um rund ein Viertel zurück. Besonders betroffen von dieser negativen Entwicklung waren die ZFUnternehmensbereiche und Geschäftsfelder, die für die Lkw- und Baumaschinenbranche produzieren. Sie mussten teilweise Umsatzeinbrüche in der Größenordnung von über 50 Prozent verkraften. Im Pkw-Geschäft sowie bei Landmaschinen lagen die Rückgänge zwischen 10 und 30 Prozent. Andere Marktsegmente – wie zum Beispiel Stadtbusse – verzeichneten geringere Rückgänge.

Blick auf Länder und Regionen

Auch die regionale Geschäftsentwicklung war im Jahr 2009 unterschiedlich. Einem geringeren Rückgang von 7 Prozent in der Region Asien-Pazifik oder 8 Prozent in Afrika standen deutliche Umsatzrückgänge von 30 Prozent in Westeuropa, 27 Prozent in Osteuropa, 24 Prozent in Nordamerika und 21 Prozent in Südamerika gegenüber.

Liquidität und Unabhängigkeit gesichert

Hohe Priorität hat bei Deutschlands drittgrößtem Autozulieferer das Thema Liquidität. „Mit einer soliden Eigenkapitalquote von 38 Prozent und einer Nettofinanzposition in Höhe von nahezu einer Milliarde Euro fühlen wir uns gut gerüstet für die Zukunft“, betonte ZF-Chef Härter. Gesichert wird diese hohe Liquiditätsrate zum einen durch eine solide Finanzierungsvorsorge über Kredite,  zum anderen durch ein umfangreiches Sparprogramm. Konzernweit liegen die Einsparungen bei jährlich 600 Millionen Euro. Kostenreduzierungen gab es unter anderem innerhalb der Materialwirtschaft, bei Verwaltung und Vertrieb, bei Investitionen und beim Personal.

Marktanteile gewonnen

Weiterhin ganz oben auf der ZF-Agenda steht die Forschung und Entwicklung (F&E). „Wer hier spart, spart am falschen Ende“, brachte es Härter auf den Punkt. Weltweit arbeiten im ZF-Konzern rund 5300 Mitarbeiter in diesem Bereich. Wegen des konjunkturbedingten Umsatzrückgangs lag die F&E-Quote im Jahr 2009 mit über 7 Prozent auf einem besonders hohen Niveau. Mittelfristig wird wieder eine nachhaltig hohe Quote von gut 5 Prozent angestrebt. Dank solcher substanziellen Aufwendungen konnten auch im vergangenen Geschäftsjahr bei ZF vielfältige Produktinnovationen angestoßen werden, teilte das Unternehmen mit. In mehreren Segmenten gewann das Unternehmen Marktanteile. „Auch das ist für uns ein Indiz dafür, dass wir stärker aus der Krise kommen“, sagt Härter. Vor allem auf den internationalen Märkten – und hier besonders in Asien, Nord- und Südamerika – geht ZF in Zukunft auf Wachstumskurs.

Fotos: ZF

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