Züblin verlässt Baustelle am Konstanzer Seerhein

Bau des Kompetenzzentrums mit neuer Baufirma – Keine Verzögerungen wegen Restbelastungen

Konstanz. Die Ed. Züblin AG Stuttgart hat die Baustelle, auf der das Konstanzer Kompetenzzentrum entstehen soll, verlassen. Hinter dem Projekt steht die Cosmopolitan Kompetenzzentrum am Seerhein GmbH & Co. KG. Sie übernahm das Projekt von Euroland. Dass die Arbeiten auf der Baustelle ruhen, sei aber nicht richtig. Das sagte der Dipl.-Ing. Architekt und Projektleiter Walter Einsiedler von tecARCHITECTURE swiss AG in Ermatingen.

Schadstoffbelastetes Material entsorgt

Derzeit werde auf dem Baugrundstück mit Schadstoffen belastetes Material entsorgt, so Einsiedler. Auf dem Areal, einer ehemaligen Industriefläche, gefunden worden sind nach Auskunft des Landratsamtes PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), PCB und Schwermetalle. Eine Gefährdung gehe aber von dem Material nicht aus. Im Kompetenzzentrum sollen Hightec-Firmen einziehen. Um mit dem Bau beginnen zu können, musste die Hälfte der Fläche vergeben sein. Außerdem sollen einige hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. Die Käufer seien informiert. Seit März gibt es ein Gutachten, das Untersuchungen über Schadstoffbelastungen enthält. Ein Abschlussbericht mit Analysen liegt seit vergangenem Freitag vor.

Keine weitere Auftragsvergabe an Züblin

Laut Einsiedler sei der Vertrag mit der Firma Züblin nicht zustande gekommen weil es „unterschiedliche Auffassungen zum Nachtragsmanagement zur Kontaminations- und Entsorgungsproblematik“ gegeben habe. Übersetzt heißt das wohl, dass sich Cosmopolitan und Züblin nicht über den Umfang des Auftrags oder Kosten einig geworden sind.

Neue Baumfirma übernimmt

Einsiedler teilte weiter mit, dass es auch unterschiedliche Auffassungen in der „gegenseitigen Ausführungsbesicherung“ gegeben habe. Es ging also um Sicherheiten – ob um die Sicherung der Baustelle oder um finanzielle Sicherheit geht aus dieser Formulierung nicht hervor. Das Wichtigste aber: Die Vergabe des Auftrags sei bereits neu erfolgt, so Einsiedler.

Aushubarbeiten beginnen

Erdarbeiten zur Sortierung der vorhandenen Auffüllungen liefen bereits, erklärte Einsiedler. Ein Bagger wühlt nahe der Reichenaustraße im Grund. Derzeit türmen sich mit Planen bedeckte Halden mit Erdreich auf dem Gelände. Noch Ende Mai oder Anfang Juni sollen dann die Aushubarbeiten beginnen. Voraussetzung für den Bau des Kompetenzzentrums ist allerdings, dass 50 Prozent der Gewerbeflächen vergeben sind. Gerüchte darüber, ob möglicherweise wieder ein Interessent abgesprungen sein könnte, bringen das Projekt nicht weiter.

Kontaminationen waren bekannt

Melanie Olms, beim Konstanzer Landrats für Presseauskünfte zuständig, sagte nach Rücksprache mit dem Amt für Abfallrecht und Gewerbeaufsicht, es gebe keine unerwartet hohe Schadstoffbelastung auf dem Areal. Die Kontaminationen seien allen Beteiligten bekannt gewesen.

Geringfügige Restbelastungen

Die meisten Schadstoffe seien bereits entsorgt worden, so Olms. Bei den jetzt noch vorhanden Kontaminationen handele es sich nur noch um (geringfügige) Restbelastungen, über deren Verbleib, eine Umlagerung oder gegebenenfalls Entsorgung, erst im Zuge der jetzt laufenden Neubaumaßnahme entschieden werde.

Wasser in die Kanalisation

Weiter teilte das Landratsamt mit: „Die Entsorgung des Materials obliegt dem Bauherrn/Bauunternehmer.“ Dieser habe zunächst einen Entsorgungsweg vorzuschlagen, der dann durch das LRA geprüft und gegebenenfalls freigegeben werde. Geklärt ist mittlerweile, wohin das Stau- und Grundwasser gepumpt werden kann. Die wasserrechtliche Genehmigung ist erteilt worden. „Das Wasser wird bis auf Weiteres in die Kanalisation eingeleitet“, erklärte Olms. Dabei werde auch die Wasserqualität untersucht. Sollte sich zeigen, dass das Wasser unkritisch bzw. sauber ist, könne gegebenenfalls eine Einleitung in den Seerhein zugelassen werden. Wegen der Restbelastungen auf dem Baugrundstück kam es nach Auskunft des Landratsamtes zu keinen Verzögerungen in der Bauausführung.

Baden im Seerhein gefahrlos

Die noch vorhandenen Restbelastungen auf dem Baugrundstück „Kompetenzzentrum“ führen auch zu keinen Kontaminationen im Seerhein. Es sei jedoch bekannt, dass im Sediment im Flachwasserbereich Kontaminationen aus früheren Jahren vorhanden seien, so das Landratsamt. Diese seien Gegenstand entsprechender Untersuchungen.

Hofgärten 1-4 nicht betroffen

Auch die Hofgärten 1-4 sind nicht von der noch vorhandenen Kontamination des Nachbargrundstücks betroffen. „Nein“, so Melanie Olms. Im Zuge der Baumaßnahmen erfolgte damals ein vollständiger Bodenaushub, der vom Landratsamt überwacht und begleitet wurde. Die Käufer erhielten Unbedenklichkeiterklärungen.

Informationsbedarf bei Kommunalpolitikern

Aktuell scheint es in Konstanz weiteren Informationsbedarf zu geben. Das Blog dornröschen.nu titelte: „FWG fordert Aufklärung in Sachen Kompetenzzentrum – Nach dem ersten Spatenstich war auch schon Feierabend“. Ein Stadtrat aus einer anderen Fraktion sagte See-Online, die Kommunalpolitiker wüssten eigentlich nichts. Auch sie wüssten aktuell nicht Bescheid wie es mit dem Bau des Kompetenzzentrums voran gehe. Stadt und Wirtschaftsförderung verweisen an Markus Pfeifer von der IRP International Realestate Portfolio AG. In seinem Auftrag nahm Dipl.-Ing. Architekt und Projektleiter Walter Einsiedler von tecARCHITECTURE swiss AG Stellung.

Fotos: wak

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