Zukunft des Konstanzer Verkehrslandeplatzes unsicher

Gemeinderat fällt Entscheidung über Verlängerung des Pachtvertrags am 14. April

Konstanz. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft sieht den Konstanzer Verkehrslandeplatz als idealen Standort für einen Innovations- und Technologiepark. Der Fortbestand des Flugplatzes scheint dennoch vorerst noch nicht gefährdet. Nach weiteren zehn Jahren dürfte dann aber endgültig Schluss sein und der Verkehrslandeplatz vor dem Aus stehen.

Befristete Verlängerung für den Flughafen

Der im kommenden Jahr auslaufende Pachtvertrag zwischen der Stadt und der Flughafen GmbH Konstanz soll noch einmal um fünf Jahre plus weitere fünf Jahre verlängert werden. Die Stadt möchte sich aber ein außerordentliches Kündigungsrecht einräumen. Im Klartext heißt das: Wenn es die Belange der Stadt erfordern, sich also auf der Fläche zum Beispiel in den kommenden Jahren ein attraktives Unternehmen ansiedeln möchte oder Sportstätten entstehen sollten, könnte die Stadt der Flughafen GmbH den langfristigen Pachtvertrag mit einer Frist von zwölf Monaten zum Jahresende kündigen. Entschieden ist noch nichts.

Noch kein Beschluss gefasst

Der Haupt- und Finanzauschuss hat am Dienstag keinen Beschluss gefasst. Wegen der Wichtigkeit des Themas soll am 14. April der gesamte Gemeinderat der Stadt über die Zukunft des Geländes an der B 33 entscheiden. Das hatte Stadtrat Herbert Weber gefordert. Das Thema sei „so was von wichtig“, so Weber. Fest steht deshalb weiterhin nur: Der aktuell geltende Pachtvertrag zwischen Stadt und Flughafen GmbH endet am 31. Dezember 2012.

Entschädigung bei vorzeitiger Kündigung

Die Flughafen GmbH Konstanz wollte eine Verlängerung des Pachtvertrags um weitere zehn Jahre und ein außerordentliches Kündigungsrecht der Stadt mit einer Frist von 24 Monaten – statt wie bisher von neuen Monaten – zum Jahresende. Um flexibel auf den Bedarf an Gewerbegrundstücken reagieren zu können, möchte die Verwaltung eine kürzere Kündigungsfrist von zwölf Monaten zum Jahresende. Trotzdem gebe es für die Flieger dann mehr Planungssicherheit als bisher: Wenn auf dem Flughafen ansässige Vereine oder Firmen in neue Gebäude investieren sollten, müsste die Stadt im Falle einer vorzeitigen Kündigung eine Entschädigung bezahlen.

Innovations- und Technologiepark angedacht

Oberbürgermeister Horst Frank sagte, das Recht auf Entschädigung sei fair. Da Ansiedlungen genehmigt werden müssten, könne die Stadt mit einer zwölfmonatigen Kündigungsfrist leben. Zuvor hatten sich die Stadträte aber heftig darüber gestritten, ob das Flughafengelände in einen Standort für einen Innovations- und Technologiepark umgewandelt werden soll. Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal präsentierte einen Überblick über Flächen zur Ansiedlung von Unternehmen. Der Flugplatz, der nur als Sportflugplatz genutzt werde und bei Firmenflügen keine Rolle spiele, sei eine „sehr gute Option“, so der Wirtschaftsförderer.

Visionen des Wirtschaftsförderers

Schaal sagte, dass Gelände sei sehr gut erreichbar, an den ÖPNV angeschlossen und befinde sich zu 95 Prozent im Besitz der Stadt. Er sieht den Flughafen als idealen und einzigen Standort für einen postindustriellen Innovations- und Technologiepark. Er präsentierte ähnliche Projekte wie den Engineering Park in Stuttgart und den Technologiepark Karlsruhe mit 3000 und 3500 Arbeitsplätzen. Der Wirtschaftsförderer denkt auch schon einmal 20 bis 25 Jahre in die Zukunft.

Kommunalpolitiker gespalten

Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) sagte, Gewerbe sei kein Selbstzweck. Im Zweifelsfall würde er den Verkehrslandeplatz aber opfern. Till Seiler (FGL) sagte, die Mehrheit seiner Fraktion stehe dem Flugplatz skeptisch gegenüber. „Wir sind durchaus der Meinung, die Fläche in Zukunft anders zu nutzen.“ Die Hälfte möchte er aber dem Naturschutzgebiet zuschlagen. Herbert Weber (SPD) würde den Flughafen lieber heute als morgen aufgeben. Er würde auf dem Gelände sogar einen Sportplatz bauen. Die SPD war sich aber nicht einig: Hanna Binder möchte den Pachtvertrag verlängern. Jürgen Faden, Stadtrat der Freien Wähler, sagte, der Flughafen brauche eine Sicherheit von zehn oder 20 Jahren. Seine Fraktion sei strikt dagegen, den Flugplatz aufzugeben. Tatjana Wolf (FDP) sagte, das bisherige Ziel, den Flughafen als Reservefläche zu erhalten, sei richtig. Sie möchte den Verkehrslandeplatz erhalten. Jürgen Wiedemann von der Neuen Linie sprach gar von einem „schwarzen Tag“ für Konstanz, sollte der Flughafen aufgegeben werden. Er sagte, es gebe keinen Bedarf, sondern noch freie Immobilien wie in Stromeyersdorf oder das Telekom-Hochhaus. Der OB sei noch ein Jahr im Amt. Er solle die Entscheidung zurückstellen. OB Horst Frank sagte dagegen, es gebe Anfragen von Photovoltaikfirmen. „Sie müssen Perspektiven bieten.“ Konstanz brauche die Einnahmen aus der Einkommens- und Gewerbesteuer. Die Stadt benötige ein „langfristiges Szenario“.

3 Kommentare to “Zukunft des Konstanzer Verkehrslandeplatzes unsicher”

  1. Thomas
    6. April 2011 at 01:06 #

    50 Jahre zu spät das ganze, damals hätte man problemlos den Flugplatz erneut umsiedeln können, irgendwo zwischen Wollmatingen und Dettingen in den Wald reinschlagen.
    Heutzutage ist so ein Szenario natürlich undenkbar.
    Ein Gewerbe und Innovationspark macht soweit nur sinn, sofern er auch erreichbar ist, wenn der Flugplatz verschwindet und der B33 Ausbau sich weiterhin hinzieht (sofern der unter grüner Führung nicht komplett gekippt wird) braucht auch niemand diesen Park.
    Überall in der Stadt stehen Gewerbeimmobilien frei, am Seerhein entsteht gerade ein „Competence Center“, dass halb leer steht. Wieso also das ganze?
    Ein unternehmerfreundliches Umfeld findet sich in Konstanz sicherlich nicht, Mieten für Mitarbeiter sind unverschämt hoch, Subventionen wie in Ostdeutschland gibt es auch nicht, Gewerbesteuer wurde erhöht und die B33 ist jeden Tag am Rande des Kollaps! Wer möchte denn in Konstanz ansiedeln mit dem Wissen, bei jedem auswärts Termin an der Waldsiedlung in einer Stopp and Go Lawine Zeit zu verschwenden.
    Und wurde vor geraumer Zeit nicht Nycomed vergrault, dadurch das keine Asphaltpiste vorhanden ist, die auf Grund der besonders schützenwerten Lage des Platzes auch nie realisiert werden konnte? Und nun wird eine Bebauung angestrebt?
    Natürlich wird der Flughafen nicht von Unternehmen genutzt, ist er ja auch dank fehlender Piste nicht jederzeit nutzbar. Das jedoch würde den Standort Konstanz interessanter machen.
    Wenn nun die gleichen Gemeinderäte die damals gegen den Ausbau des Flugplatzes waren, für eine Bebauung sind, dann schliesst sich der Kreis ja wieder. Puhh Glück gehabt!

  2. Rene
    6. April 2011 at 10:20 #

    Ich denke, die Stadt könnte einmal auch etwas für die Konstanzer tun, und nicht immer nur für das Geld, Studenten und Touristen, die Geld bringen sollen. Alles dreht sich hier nur noch um Einnahmen. Aber ein Konzert- und Kongresshaus hätte man gebaut, obwohl man wusste, dass die EInnahmen wegbrechen. Ist alles irgendwie unglaubwürdig. Warum also nicht mal etwas für das Image der Stadt tun? Dabei braucht man gar nicht viel zu tun, die Stadt gibt sowieso nichts für den Flugplatz aus. Nur wenige Städte haben einen funktionsfähigen Flugplatz in solch einer Lage. Dieses aufzugeben wäre ein Frevel, nicht nur weil diese Aufgabe irreversibel ist. Die mehrheitliche Meinung der Konstanzer ist wohl für den Erhalt des Platzes. Vielleicht macht man ja in Konstanz nicht denselben Fehler wie bei Stuttgart21 und übersieht mit hoch getragenen Nasen das dumme Fußvolk, das alles brav hinnimmt und unter denen sich ja ohnehin nur ein paar „Kaffeeflieger“ befinden. Welch Arroganz aus dieser Wortschöpfung strömt: Alles was mich nicht interessiert brauchen auch andere nicht. PS: die Wortschöpfung stammt nicht von mir!

  3. jane
    6. April 2011 at 15:44 #

    Da haben die Damen und Herren Stadträte wohl aus Mangel an Aufmerksamkeit vor bzw. Ablenkung von echten Problemen ja einen tollen Plan aus der reichlich angestaubten Schublade geholt.
    Bebauung von Flächen, die nach Aussage von Fachleuten aus geotechnischen Gründen nicht einmal den Bau einer befestigten Start- und Landebahn zulassen. Respekt!
    Hier gilt wieder mal das alte Konstanzer Sprichwort: Planung ist nur der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum. Wohl nicht zum letzten Mal erlebt beim goldigen KKH-Desaster.
    Aber wenn man sonst keinen Plan hat, wird halt auch der älteste Dunghaufen noch mal warm gemacht. Und dieser stinkt gewaltig.
    Einen Flugplatz wird es in Konstanz nie wieder geben. Freie Gewerbeflächen schon.

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