Zwischenruf! Das sind keine Peanuts!

Von Waltraud Kässer

Hier ist gewaltig etwas ins Rutschen geraten. Automobilkonzerne zahlen ihren Mitarbeiten dicke Erfolgsprämien, während jeder vierte Beschäftigte im Niedriglohnsektor arbeitet und mit weniger als 9,15 Euro brutto pro Stunde auskommen muss. Zahlenspiele aus Konstanz und Europa. 

Die Euro-Länder weiten den Rettungsschirm von ursprünglich 500 auf mehr als 800 Milliarden Euro aus. Für eine Transfergesellschaft für Schlecker-Beschäftigte war aber kein Geld da. Der Singener SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Peter Storz sagte dazu gestern in Richtung Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler: „Für FDP-Politiker ist eine risikoarme Bürgschaft von 71 Millionen Euro zugunsten der Transfergesellschaft zu viel.“ Für fragwürdige Außenhandelsgeschäfte oder für den Euro übernehme der deutsche Staat Risiken in kaum vorstellbarer Größenordnung.

Der Konstanzer Museumsleiter Tobias Engelsing ging an Fasnacht einer Nebentätigkeit nach und ließ sich dafür von der Südwestdeutschen Philharmonie mit 10.000 Euro entlohnen. Nach eigenen Angaben investierte Engelsing mehr als 130 Stunden Arbeit. Errechnen ließe sich so ein Stundenlohn von 76,9 Euro.

Dass diese Nebentätigkeit skandalisiert oder hinterfragt worden ist, dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Südwestdeutsche Philharmonie im vergangenen Jahr mit einem Defizit von 300.000 Euro abschloss. Oder führen wir eine Neid-Diskussion? Für 300.000 Euro könnte Engelsing wiederum zwei große und eine kleine Ausstellung in den Städtischen Museen finanzieren.

Die Kündigung des früheren Konstanzer Chefarztes Gert Müller-Esch kostete das Konstanzer Klinikum und die Spital-Stiftung insgesamt sogar 853.000 Euro. Die Stadtverwaltung nannte diese Zahl, wie der städtische Sprecher Walter Rügert am Freitagvormittag bestätigt hat, am Ende eines vielstündigen Gemeinderatsmarathons am Donnerstagabend. Die Stadt informierte unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes. Die Höhe der Abfindung bezifferte die Stadt mit nur 674.000 Euro und für Rechtsberatung habe sie 178.000 Euro ausgegeben. Hinzu kommen noch Peanuts wie Gerichtskosten. Die Rechnung zahlt das sowieso defizitäre Klinikum. Hier ist gewaltig etwas ins Rutschen geraten.

Ein Kommentar to “Zwischenruf! Das sind keine Peanuts!”

  1. Hinterwäldler
    30. März 2012 at 14:17 #

    Die FDP implodiert gerade und weil das nicht reicht, hat sie sich gestern einen Brandbeschleuniger erlaubt.

    Am 13. Mai sind Wahlen in NRW und nächstes Jahr Superwahljahr. Spätestens danach wird diese Partei in die absolute Bedeutungslosigkeit fallen. In den Geschichtsbüchern wird es lediglich eine Randbemerkung zu Genschers Rede vom Balkon der Prager Botschaft geben.

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