Zwischenruf! Spinnen die jetzt?

Von Waltraud Kässer

Der Nikolaus kommt erst am 6. Dezember. So wie es aussieht, scheinen die Kollegen der Printzeitung die Nase dieses Mal vorn haben zu wollen. Beim OB-Wahlkampf, der 2012 in Konstanz stattfindet, lassen sie anscheinend nichts anbrennen. Sie sind schon einmal los gelaufen. Es ist so ein bisschen wie Warten aufs Christkind. Oder, um es mit Oberlix zu sagen: „Die spinnen, die Römer!“

Die Kollegen haben Andreas Hoffmann (CDU), Frank Nägele (SPD) und Werner Wölfle (Grüne) gefragt, ob einer von ihnen möglicherweise bei der OB-Wahl in Konstanz antreten möchte. Tolle Idee. Alle drei haben selbstverständlich dementiert. Egal, ob sie sich in Konstanz bewerben möchten oder auch nicht, hätten sie zu so einem frühen Zeitpunkt selbstverständlich nein sagen müssen. Alles andere wäre politischer Selbstmord.

Hoffmann hat im März bei der Landtagswahl den Wahlkreis Konstanz an den Grünen Siegfried Lehmann verloren. Frank Nägele hatte es vor acht Jahren schon einmal in Konstanz probiert, wurde damals aber von Horst Frank und dem Tauberbischofsheimer Bürgermeister Wolfgang Vockel auf Platz drei verwiesen. Zweimal in derselben Stadt bewerben sich Kandidaten eher nicht. Werner Wölfle, der aus Konstanz stammt, hat am 14. August das Amt eines Bürgermeisters in Stuttgart angetreten – und war nicht unbedingt glücklich gestartet.

Wen wird die Lokalzeitung in den kommenden Tagen noch befragen? Vielleicht Günther Schäfer (Grüne), den Ex-Landtagsabgeordneten, Streuobstmoster und Sprecher der Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“? Oder Tobias Engelsing (parteilos), den Leiter der Konstanzer Museen, der wie Horst Frank ein „Eingeborener“ wäre? Er sagte im Sommer schon einmal nein, was aber nichts zu sagen hat. Oder noch einmal den Singener Ex-OB und Ex-Minister Andreas Renner (CDU)? Oder womöglich Dorothee Jacobs-Krahnen (Freie Grüne Liste)? Ihr Stadtratskollege Rechtsanwalt Klaus Frank würde gern, könnte aber vermutlich nur, wenn er generöse Unterstützer fände. Oder der in Konstanz wohnende Meersburger Bürgermeister Martin Brütsch, der im Meersburger Rathaus so richtig aufgeräumt hat und einige Asse im Ärmel hätte?

Viel wahrscheinlicher ist es, dass sich die Parteien in den kommenden Wochen und Monaten in Ruhe nach geeigneten Bewerbern umschauen. Bevor sich ein Bewerber oder eine Bewerberin outet, wird der Wahlkampf stehen. Ohne ein paar Zehntausend Euro Wahlkampffinanzierung, politische Grundaussagen, einer PR-Strategie und einen professionellen Team wird niemand an den Start gehen. OB-Wahlkämpfe funktionieren alle ganz ähnlich. Länger als sechs oder acht Wochen hält das sowieso kein Kandidat durch – weder physisch noch finanziell. Sicher ist nur: Zuerst kommt der Nikolaus am 6. Dezember.

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