100 Jahre Internationaler Frauentag

Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen noch nicht erreicht

Bodenseekreis. Am diesjährigen 8. März haben Frauen zum 100-mal der Internationale Frauentag begangen. Die IG Metall nahm den Tag zum Anlass,  um auf die Benachteiligung von Frauen an ihren Arbeitsplätzen hinzuweisen. Fehlende Kinderbetreuungsplätze und prekäre Arbeitsverhältnisse erschweren es Frauen, im Beruf erfolgreich zu sein und durch ihre Arbeit einen angemessenes Einkommen zu erwirtschaften.

 

Am Anfang ging es um das Wahlrecht

 

Der 1. Internationale Frauentag am 19. März 1911 hatte als wesentlichstes Ziel das Wahlrecht für Frauen. 1918 wurde das Wahlrecht für Frauen in der Weimarer Verfassung verankert.

 

Frauen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt

 

Das Wahlrecht haben heute Frauen zwar, aber sieht man sich ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt und in der Berufswelt an, so sind Frauen noch immer benachteiligt. Obwohl die Frauengeneration im Jahre 2011 die best qualifizierteste ist, verdienen Frauen unverändert weniger als Männer und werden beim beruflichen Aufstieg benachteiligt. Dies erklärte Lilo Rademacher, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, anlässlich des Internationalen Frauentags.

 

Frauen verdienen weniger als Männer

 

Die Entlohnung von Frauen ist im Schnitt 23 Prozent geringer gegenüber der Bezahlung von Männern. Bereits Berufsanfängerinnen verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen. Frauen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung erhalten 18,7 Prozent weniger Entgelt als Männer in vergleichbaren Berufen. Warum sich Unternehmen immer noch so schwer tun mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist für Lilo Rademacher völlig unverständlich.

 

Traditionelle Rollenbilder

Nachteile, die das traditionelle Rollenbild von Frauen zementieren und ihnen Gleichstellung in der Berufswelt verhindern, ist der Mangel an guten und bezahlbaren Kinderbetreuungsangeboten. Auch das sogenannte Ehegattensplitting mit den steuerlichen Fehlanreizen verfestige alte Rollenbilder, meint die Gewerkschafterin. Es ist noch immer steuerlich attraktiv, wenn es Einkommensunterschiede gibt und im Regelfall sei es die Frau, die weniger verdient.

 

Mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf

 

Ab 2013 haben zwar alle Kinder ein Recht auf einen Kindertagesstättenplatz, aber von diesem Ziel sei die Gesellschaft noch weit entfernt. Familienministerin Schröder zementiert alte traditionelle Rollenbilder. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten und mangelhafte Arbeitszeitmodelle in den Betrieben stünden oft der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Wege.

 

Bedürfnisse junger Familien

 

Für viele Frauen ist dies ein schwieriger Spagat. Um junge Frauen und gute Fachkräfte zu gewinnen, müssten sich Unternehmen stärker auf die Bedürfnisse junger Familien, junger Frauen und Männer eingehen. Denn junge Frauen und junge Männer wollten oft beides, Karriere und Familie.

 

Zu wenig Frauen in Aufsichtsräten

 

„Auch in den Chefetagen“, so Rademacher, „muss mehr Gleichberechtigung her, deswegen geht es nur mit einer gesetzlichen Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte.“ 2010 waren gerade einmal drei Prozent der Vorstandsmitglieder in den 200 führenden deutschen Unternehmen weiblich. In den 30 DAX Unternehmen waren es 2,1 Prozent. Mehr als 70 Prozent aller Frauen in den Aufsichtsräten sind Vertreterinnen der Arbeitnehmerseite.

 

IG Metall beschliesst Quote

 

In Vorständen und bei den Vertretern der Anteilseigner sehe es düster aus. Deswegen habe die IG Metall jüngst eine Frauenquote von 30 Prozent für die Vertreter der IG Metall in den Aufsichtsräten beschlossen.

 

Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen

 

In prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten oft Frauen. Es boome der Aufschwung an Minijobs, Leiharbeit, Teilzeitjobs und befristeten Jobs. Deswegen, so Rademacher, fordere sie nochmals, dass Arbeit sicher und fair sein muss. „Es darf nicht gejammert werden über eine immer älter werdende Gesellschaft, wenn eine sichere Lebensplanung durch zunehmend prekäre Arbeitsverhältnisse nicht möglich sei. „Prekäre Arbeitsverhältnisse sind auch familienfeindlich, weil Menschen eine Zukunft genommen wird“, so Rademacher.

 

IG Metall startet Aktionen

 

Die IG Metall hat am Internationalen Frauentag und an den darauffolgenden Tagen mit Kantinenaktionen und Besuchen von Frauen am Arbeitsplatz auf die Situation berufstätiger Frauen aufmerksam gemacht oder tut es noch. Am 12. März 2011 findet ab 15 Uhr im Kaffee Kurgarten Café im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen eine Veranstaltung der IG Metall Frauen zum 100-jährigen Jubiläums des Frauentags statt.

 

Foto: Bildpixel PIXELIO www.pixelio.de

 

Ein Kommentar to “100 Jahre Internationaler Frauentag”

  1. Heinz
    9. März 2011 at 09:12 #

    Auch für mich als Mann sind die langsamen Fortschritte bei der Gleichberechtigung beschämend. Warum erklärt niemand der „Männerfront“, dass auch wir in einer Gesellschaft mit mehr Chancengleichheit besser leben würden? Ermutigend für mich in der Fülle von anklagenden Büchern: „Die Söhne Egalias“ von Peter Redvoort – solche Bücher sollten viel bekannter werden!

    Heinz

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