150 Baschkiren kommen im Sommer an den Bodensee

Am 1. Juli jährt sich Flugzeugunglück zum zehnten Mal – Baschkiren möchten Austausch mit Deutschen

Überlingen. Eine Delegation mit voraussichtlich 150 Frauen und Männern möchte zum zehnten Jahrestag des Flugzeugunglücks von Überlingen an den Bodensee kommen. Das sagten Sulfat Chammatov, Regierungsmitarbeiter und Vorsitzender des Angehörigenkomitées, und Ulfat Yumaguzin, Mitglied der Unesco in Baschkrien, am Mittwochabend in Überlingen. Mit Oberbürgermeisterin Sabine Becker haben die beiden Baschkiren bei einem Arbeitstreffen den Ablauf des Besuchs besprochen. Zuvor hatte die Oberbürgermeisterin noch 16 Pädagogikstudenten mit ihren Begleitern aus der autonomen russischen Teilrepublik im Überlinger Ratssaal empfangen.

71 Tote beim Flugzeugunglück

Am 1. Juli jährt sich zum zehnten Mal der Tag des tragischen Flugzeugunglücks von Überlingen. Am Abend des 1. Juli 2002 waren über Owingen und Überlingen eine Frachtmaschine der DHL und ein Passagierflugzeug der Bashkirian-Airlines zusammengestoßen. Unter den 71 Opfern waren damals 49 Kinder, die sich auf einem Ferienflug befanden. Bei dem Unglück, bei dem wie durch ein Wunder am Boden niemand verletzt wurde, starb auch der Sohn von Sulfat Chammatov. In den Tagen nach dem Unglück besuchte eine große Gruppe Angehöriger, die von Ufa nach Deutschland geflogen waren, die Absturzstelle bei Aufkirch, wo die Familien Abschied von ihren Verstorbenen nahmen. Im Januar 2003 flog dann eine Delegation Deutscher, unter ihnen Einsatzkräfte der Feuerwehr und Hilfsorganisationen, auf Einladung der Baschkiren nach Ufa.

Sondermaschine von Ufa

Zum Jahrestag, am 1. und 2. Juli, erwarten die Überlinger noch einmal etwa 150 Angehörige in ihrer Stadt. Die Gäste fliegen in einer Sondermaschine direkt von Ufa nach Friedrichshafen. Die Stadt Überlingen, die Gemeinde Owingen und die Hilfsorganisationen richten gemeinsam einen Gedenkgottesdienst und einen Empfang aus. Das hatte Oberbürgermeisterin Sabine Becker bereits in ihrer Rede beim Bürgerempfang gesagt. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann und das Staatsministerium unterstützen die Begegnung. Das habe Ministerpräsident Winfried Kretschmann in einem Schreiben erklärt, das in dieser Woche im Überlinger Rathaus eintraf. Kretschmann hatte nach Aussage von Sabine Becker geschrieben, dass das Unglück nicht nur in Überlingen, sondern in ganz Baden-Württemberg betroffen gemacht habe.

Verbundenheit seit dem Unglück

Ulfat Yumaguzin sagte, er und Sulfat Chammatov hätten in dieser Woche auch noch einen Termin im Staatsministerium in Stuttgart. Den Baschkiren geht es nicht nur um persönliche Begegnungen, sondern auch um den Austausch in den Bereichen Kultur und Wissenschaft. Im Juli kämen zum Gedenktag zwei Delegationen – die Angehörigen und eine Regierungsdelegation, sagte Ulfat Yumaguzin. Jeweils zwei Familienmitglieder der Verunglückten werden voraussichtlich nach Deutschland kommen. Die Oberbürgermeisterin sagte, dass es im Juli auch persönliche Begegnungen geben werde. Einbringen wollten sich auch Waldorfschüler, die im Unterricht Russisch lernen, sowie die Gruppe „Brücke nach Ufa“.

Austausch unter Jugendlichen

Die „Brücke nach Ufa“ war zunächst und bis zu deren Auflösung eine Regionalgruppe der West-Ost-Gesellschaft. Etwa 15 bis 20 Mitglieder sind auch zehn Jahre nach dem Flugzeugunglück noch aktiv. Der Sprecher der Gruppe, Jürgen Rädler, sagte, dass es bisher an jedem Jahrestags des Unglücks eine kleine Andacht gegeben habe und die Namen der Verunglückten verlesen worden seien. Der Kontakt zwischen Überlingen und Ufa riss nicht mehr ab. Jedes Jahr kommt eine Studierendengruppe nach Überlingen. Die Pädagogikstudenten, die jetzt im Ratssaal empfangen wurden, waren in der Jugendherberge untergebracht. Im April sollen neun Gastschüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule nach Ufa fliegen. Die Schüler der Klasse elf sollen eine Woche lang in Gastfamilien wohnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: wak

 

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.