Höhere Mieten für 120 Studentenwohnplätze in der Konstanzer Chérisy-Kaserne nicht ausgeschlossen

Zahl der Studentenwohnplätze außerhalb von Wohnheimen in Universitätsstadt Konstanz kleiner geworden

Konstanz. Wenn Mitte Oktober das Wintersemester beginnt, werden viele Studierende in Konstanz ohne Wohnplatz sein. Dieter Bellmann, Geschäftsführer der Neuen Arbeit Konstanz GmbH ESG e.V., beklagt, dass das Land Wohnprojekte wie die 120 Plätze in der ehemaligen Chérisy-Kaserne nicht fördert. In der Vergangenheit hat die Neue Arbeit bezahlbare studentische Wohnungen und Arbeitsplätze in Konstanz geschaffen. Die Wohnungen in der ehemaligen Kaserne müssten, wenn der studentische Wohnraum erhalten werden soll, dringend saniert werden, sagt Bellmann. Zuletzt gingen in Konstanz 240 Wohnpätze in den ehemaligen Studentenwohnungen in der Gottfried-Keller-Straße verloren. Dort stehen mehrere Wohnungen seit Ende vergangenen Jahres leer. Sie sind mittlerweile heruntergekommen. Die Häuser befinden sich in Bundesbesitz und sollen saniert werden. Entstehen werden in den Gebäuden Miet- aber keine Studentenwohnungen mehr.

Früher wohnten 200 Studenten in der Chérisy-Kaserne

Die Geschichte des Wohnprojekts Chérisy begann 1981, nachdem die französische Garnison 1979 abgezogen war. Die evangelische Studentengemeinde e.V. ergriff die Initiative. Studenten und Arbeitslose packten selbst an. Alte Bausubstanz wurde wiederverwertet und neuer kostengünstiger Wohnraum geschaffen. 1982 zogen die ersten Mieter ein. Zeitweise wohnten 200 Studenten in den Blöcken. Heute sind es noch 120 oder 80 weniger.

Studentischer Wohnraum schwindet

Dafür, dass studentischer Wohnraum auch in der ehemaligen Chérisy-Kaserne verschwunden ist, hat Dieter Bellmann mehrere Erklärungen. Er spricht vom „natürlichen Wechsel“. Eingezogen sind in die sanierten Wohnungen mehr Familien. „Es gibt weniger Wechsel und der Verwaltungsaufwand ist geringer“, sagt Bellmann. Ein anderer Grund: Aus Studenten-WGs sind Single-WGs geworden. „Wir haben keine Auflagen“, sagt Bellmann.

Kein Geld vom Land für Sanierung

Der studentische Wohnraum kostet 4,20 Euro kalt. Die Studentenzimmer sind Flur-, Küchen- und Badanteile eingerechnet 33 Quadratmeter groß. Netto macht das eine Wohnfläche von 22 Quadratmetern. 4800 Euro pro Platz wären nötig, um die Studenten-Wohnungen sanieren zu können, sagt Bellmann. Bäder müssten neu gemacht, Küchen- und Eingangsbereiche saniert und neue Fenster eingebaut werden. Das Land, das Geld an Studentenwerke gibt, zeigt der Chérisy-Kaserne die kalte Schulter.

Vom Geben und Nehmen der Öffentlichkeit

Alternativ könnten die Mieten steigen. Bellmann spricht von 80 Cent pro Quadratmeter. Das wäre der Plan „B“. Doch Bellmann hätte notfalls auch noch einen Plan „C“. Er sagt, wenn das Projekt Studentenwohnungen nicht mit öffentlichem Geld gefördert werden, fragten sich die etwa 35 Mitarbeiter und 400 Bewohner, weshalb sie ihrerseits Leistungen für die Öffentlichkeit erbringen sollten. Zur Disposition stellen könnte die Neue Arbeit Konstanz GmbH ESG e.V den Kindergarten in der Chérisy-Kaserne, dessen Träger die Neue Arbeit ist. Treffen würde der Rückzug nicht das Land, sondern die Stadt Konstanz. Von den 62 Kindern im Chérisy-Kindergarten wohne gerade noch eines in der Chérisy-Kaserne. 50.000 bis 70.000 Euro kostet der Kindergarten den Träger jährlich. Bellmann zählt Personal- und Heizkostenkosten auf und sagt, dass der Kindergarten keine Miete zahle. „Mit dem Geld könnten wir die Studentenbuden selbst finanzieren“, so Bellmann.

Ärgernis ehemalige Franzosenwohnungen

Auch nach fast 30 Jahren ist Bellmann vom Modell Chérisy überzeugt, das Arbeitslose zurück in Arbeit gebracht und günstigen Wohnraum geschaffen hat. Das Modell funktioniert, auch wenn sich die Gesellschaft heute nicht mehr für das Biotop zu interessieren scheint. Wohnungen geschaffen hat die Neue Arbeit in Konstanz zudem nicht nur in der ehemaligen Chérisy-Kaserne, sondern zum Beispiel auch an der Wollmatinger Straße in Sichtweite der ehemaligen Franzosenwohnungen, die seit mehr als acht Monaten leer stehen. 42 Wohnplätze gebe es im Gebäude der Neuen Arbeit. Knapp 300 hätten nach dem Modell Chérisy zusätzlich in den ehemaligen Franzosenwohnungen entstehen können, wenn sie der Bund der Neuen Arbeit überlassen hätte, nachdem das Studentenwerk abgewunken hatte. So ist es mit dem Bundseigentum aber nicht gekommen. Jetzt geht es deshalb vor allem erst einmal darum, die 120 Studentenwohnplätze in der Chérisy-Kaserne zu erhalten.

Hier geht es zu einem Beitrag über die leerstehenden ehemaligen Franzosenwohnungen in der Gottfried-Keller-Straße.

Fotos: wak

Ein Kommentar to “Höhere Mieten für 120 Studentenwohnplätze in der Konstanzer Chérisy-Kaserne nicht ausgeschlossen”

  1. Neue Arbeit
    10. September 2010 at 09:51 #

    Kleine Korrektur und Klarstellung

    Die Neue Arbeit hat sich nie um Pacht oder Kauf der bislang vom Studentenwerk gemieteten Gebäude am „Petershauser Briel“ beworben. Und selbst wenn die Bundesverwaltung ihr dies angetragen hätte, müsste die Neue Arbeit ablehnen, weil sie mit Sanierungen und Neubau in der Chérisy-Kaserne vorerst noch hinrei-chend ausgelastet ist.

    Dass zwischen Bund und Studentenwerk kein kooperativer Weg gefunden wurde, diese 240 Studentenzim-mer zu erhalten – immerhin eine öffentliche Aufgabe ersten Ranges -, ist ein Skandal, der sich außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung abspielte. Offenbar hat er sich auch an Stadt, Universität und Presse geräuschlos vorbei geschlichen. Er ist aber kaum der weisungsgebundenen Bundesverwaltung anzulasten, sondern wohl zuerst den Vorgaben der Bundesfinanzpolitik. Gestrafftes und verbetriebswirtschaftetes Verwaltungshandeln lässt eben keine Rücksicht auf öffentliche Belange, am Ende wohl auch auf öffentliche Kosten mehr zu.

    Daß das Land für wirtschaftliche Lösungen ohnehin keinen Blick hat, ist der Neuen Arbeit nun seit Jahren bekannt. Das Ministerium laboriert offenbar lieber am Regelungsdschungel herum, als unbürokratisch schnelle Lösungswege einzuschlagen.

    Die neu eintreffenden Studenten werden die Elite-Unistadt Konstanz jedenfalls noch einladender als bisher erleben, manche ihr gleich wieder den Rücken kehren müssen.

    D.Bellmann, Neue Arbeit Konstanz

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