Nachgefragt: Wer ist eigentlich Stephan Hestermann?

Im Gespräch mit Landtagskandidaten im Wahlkreis Bodensee

Wählen oder nicht wählen und wenn ja, wen wählen? Diese Frage stellt sich den Wahlberechtigten in Baden-Württemberg am 27. März bei der Landtagswahl. Parteibindungen werden bei Wahlentscheidungen immer weniger wichtig. Während ein Teil der Wahlberechtigten eher strategisch wählt und sich für eine Partei entscheidet, spielt bei anderen auch die Persönlichkeit des Kandidaten eine Rolle.

See-Online: Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor: Verraten Sie uns Ihr Alter, wo Sie geboren sind, Ihren Beruf, und wo und wie Sie leben.

Stephan Hestermann: Ich bin 51 Jahre alt, in Hanau/Main geboren, südwestlich von Stuttgart aufgewachsen, lebe seit 1977 am See, bin verheiratet mit einer Softwareingenieurin, habe einen 14jähringen Sohn und eine 12jährige Tochter und wohne in Hepbach in meinem 2001 gebauten Haus.

See-Online: Weshalb haben Sie sich entschieden, ausgerechnet in Ihre und in keine andere Partei einzutreten?

Stephan Hestermann: Ich war schon immer liberal eingestellt, und genau das verkörpern die Piraten. Der Entschluß, wieder aktiv in der Politik zu sein, fußt auf dem mittlerweile haarsträubenden Verhalten der „etablierten“ Parteien.

See-Online: Partei- und Regierungsprogramme könnten wir im Internet lesen. Wir möchten Sie deshalb lieber persönlich ein bißchen näher kennenlernen. Sind Sie mit ein paar persönlichen Fragen einverstanden?

Stephan Hestermann: Ich bin eigentlich gegen zuviel Preisgabe von persönlichem im Internet, aber als hoffentlich angehender Politiker sehe ich das Recht meiner (hoffentlich zahlreicher) Wähler zu erfahren, wen sie da wählen sollen. Jetzt kommt es also nur noch darauf an, wie persönlich es wird.

See-Online: Politik ist Kommunikation. Macht es Ihnen Spaß, unter Menschen zu sein?

Stephan Hestermann: Spaß ist in diesem Fall wohl zuviel gesagt, aber ich mache es gerne.

See-Online: Sind Sie gern draußen an der frischen Luft?

Stephan Hestermann: Ich bin Segelflieger und Regattasegler, und beides sind definitiv keine Indoor-Sportarten.

See-Online: Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag. Sie können nicht einkaufen. Was darf in ihrem Kühlschrank an einem Sonntag auf gar keinen Fall fehlen?

Stephan Hestermann: Eine Flasche Spätburgunder Weißherbst von meinem Bermatinger Leib- und Magenwinzer – mit das beste, was man außer Manna auf Wolke 7 trinken kann. Schließlich könnten Freunde bei mir einschlagen, was Sonntag abends nie wirklich auszuschließen ist.

See-Online: Wo haben Sie Ihre besten Ideen? Vielleicht unter der Dusche…?

Stephan Hestermann: Na, es ist ja wohl klar, worauf diese Frage nach „…“ abzielt; und ja, auch ich gehöre zum Heer derjenigen, die ihre besten Ideen auf dem Klo haben. Woran das liegen mag?

See-Online: Wie wichtig sind Ihnen Freunde? Wir meinen nicht politische Freunde, sondern Menschen, die Ihnen wirklich nahe stehen.

Stephan Hestermann: Ich fasse den Begriff „Freund“ sehr eng, weshalb ich trotz großem Bekanntenkreis nur sehr wenig Menschen kenne, die ich als meine Freunde bezeichne – zwei Hände zum Abzählen reichen. Das impliziert und unterstreicht ihre Wichtigkeit. „Politische Freunde“ halte ich für einen Widerspruch in sich, wenngleich ich nicht ausschließen möchte, daß ich auch in der Politik den einen oder anderen Freund finde.

See-Online: Wie wichtig ist emotionale Intelligenz und die Fähigkeit zu Empathie? Oder sind Sie ein reiner Verstandsmensch, dem Emotionen nicht so wichtig sind?

Stephan Hestermann: Die Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen zu können (für einen Politiker unabdingbar), steht meiner Meinung nach nicht im Widerspruch zum primären Einsatz des Verstandes. Dieses wiederum bedeutet in meinen Augen keinen Ausschluß von Emotionen. Von dem her komme ich mit dieser Fragestellung nicht klar.

See-Online: Viele Menschen haben ein Lieblingszitat oder einen Lieblingsspruch wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ „Das Wesentliche ist für die Augen…“. Haben Sie auch so einen Satz?

Stephan Hestermann: „Wie man in den Wald reinschreit, …“ – der Rest ist wahrscheinlich hinlänglich bekannt. Vielleicht nicht sehr originell, aber in seinem Wahrheitsgehalt nicht zu unterschätzen.

See-Online: Besitzen Sie ein Smartphone?

Stephan Hestermann: Nein, mir reicht ein ganz gewöhnliches Handy, ohne jeglichen Schnickschnack. Und selbst das habe ich erst seit meiner Aufstellung zum Kandidaten. Bis dahin habe ich meinen Kindern aktiv vorgelebt, daß der Mensch nicht nur kein Handy braucht, sondern sich auch nicht darüber definieren muß.

See-Online: Lesen Sie Nachrichten lieber online oder in gedruckten Zeitungen?

Stephan Hestermann: Ich informiere mich fast ausschließlich online.

See-Online: Nutzen Sie in Ihrer Freizeit Twitter oder Facebook oder finden Sie für sich persönlich soziale Netzwerke und Mikroblogging nicht ganz so wichtig?

Stephan Hestermann: Ich persönlich nutze beides nicht, und soziale Netzwerke sind mir in der Realität auch immer noch lieber. Als Mittel im Wahlkampf sind diese jedoch nicht zu unterschätzen, weshalb ich meine PiratenWiki-Seite https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:ScumPH auch als Blog verwende, um den Interessierten zu zeigen, was mich bewegt.

See-Online: Wissen Sie, welche Rolle Facebook in Tunesien spielte, Stichwort „Revolution im Internet“?

Stephan Hestermann: Ich glaube, das weiß mittlerweile jeder, und es unterstreicht die Wichtigkeit, das Internet den Begehrlichkeiten der Mächtigen zu entziehen und alles dafür zu tun, es frei und unabhängig zu halten, auch wenn jeder, der sich darum bemüht, Diffamierung ausgesetzt ist. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir Piraten sind; schließlich hat uns unser Kampf um ein freies Internet den Ruf der Piraterie eingebracht. Dem stellen wir uns, und das konterkarieren wir mit unserem Namen.

See-Online: Auch im Fall von „Stuttgart 21“ spielte sich viel im Internet ab. Nachrichten verbreiten sich über Twitter fast in Echtzeit. Haben Sie im Internet schon einmal fluegel.tv geschaut?

Stephan Hestermann: Nein, das habe ich mir noch nicht angeschaut. Filme und Videos schaue ich mir selten übers Netz an.

See-Online: Apropos schauen: Gehen Sie lieber ins Kino oder schieben Sie eine DVD ein? Welchen Film sollten wir uns unbedingt einmal anschauen?

Stephan Hestermann: „Water Makes Money“ läuft am 22.02.2011 in Lindau – ein Film über die fortschreitende Privatisierung unserer Lebensgrundlage Wasser – kann ich jedem nur dringend ans Herz legen. Oder „The Green Wave“ , eine erschütternde Chronik der brutalen Niederschlagung der friedlichen grünen Revolution 2009 im Iran, ab 24.02.2011 in allen großen Kinos. Er ist frei ab zwölf, und ich werde ihn mir wahrscheinlich mit meinen Kindern anschauen.

See-Online: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchen Headliner, welche Band oder welchen internationalen Künstler würden Sie gern einmal in Salem live spielen hören?

Stephan Hestermann: Die „Dire Straits“ – aber wünschen kann man sich bekanntlich viel…

See-Online: Jetzt doch noch eine politische Frage. Was halten Sie von Volksentscheiden? Was haben Sie aus den Ereignissen in Zusammenhang mit Stuttgart 21 gelernt?

Stephan Hestermann: „Stuttgart21“ ist in meinen Augen ein Lehrstück, wie man mit politischer Kungelei, gepaart mit unerreichbar hohen Voraussetzungen für Bürgerbeteiligung, -begehren und/oder –entscheiden in der Bevölkerung den Anschein von Demokratie erweckt, und jeden Widerstand kriminalisiert, den man (zur Not) dann wegprügeln, wegspritzen, wegpfeffern darf. Allein schon dafür gehören Mappus und Konsorten in die Wüste geschickt.

See-Online: Letzte Frage: Warum sollten wir ausgerechnet Sie wählen?

Stephan Hestermann: Weil jede Stimme für mich eine Stimme für klare, transparente Politik ist, für einen Politikstil, wie er gerade in unserem Land mit seinen seit Jahrzehnten eingefahrenen Seilschaften dringend notwendig geworden ist. Man kann viele hehre Ziele verfolgen, wenn aber die Freiheit, diese Ziele umsetzen zu können, endgültig den Bach runter ist, kann man sich diese auch in den Kamin schreiben. Und wenn ich noch mal auf Ihre schon fast Hamlet’sche Frage in der Einleitung kommen darf: Die Frage, ob man überhaupt zum Wählen geht, sollte sich jedem verbieten. Dieses Recht sollte niemand gering achten. Was Menschen auf sich nehmen für dieses Recht kann jeder in dem oben erwähnten Film „The Green Wave“ sehen.

Mehr über die Politik der Piratenpartei gibt es unter https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:ScumPH

Bereits erschienene Gespräche:

Ulrich Müller http://www.aktuelles-bodensee.de/25659/nachgefragt-wer-ist-eigentlich-ulrich-mueller/

Martin Hahn http://www.aktuelles-bodensee.de/25706/nachgefragt-wer-ist-eigentlich-martin-hahn/

Norbert Zeller http://www.aktuelles-bodensee.de/25373/25373/

Roberto Salerno http://www.aktuelles-bodensee.de/25727/nachgefragt-wer-ist-eigentlich-roberto-salerno/

Hans-Peter Wetzel http://www.aktuelles-bodensee.de/25692/nachgefragt-wer-ist-eigentlich-hans-peter-wetzel/

Ein Kommentar to “Nachgefragt: Wer ist eigentlich Stephan Hestermann?”

  1. Bruno Neidhart
    26. Februar 2011 at 09:57 #

    Unterhalb der geforderten Prozenthürde Wahlkampf zu machen ist nie ganz einfach. Da kommen einem dann schon mal Gedanken auf (wohl auf dem Klo), wie: „….fusst auf dem mittlerweile haarsträubenden Verhalten….“, „Kungelei“, „Mappus und Konsorten“, „wegprügeln, wegspritzen, wegpfeffern“ usw. in den Sinn. Politik scheint sich hier aber im Grundsatz mehr im virtuellen Raum abzuspielen, und beim „Segeln“ – im Wasser oder im Himmel – ist man ja auch stets über gps auf Linie. Also schöne neue Welt. Mit den eingängigen „Volksliedersängern Dire Straits“ landen wir dann aber wieder vollends auf der Erde. Und das verbindet dann eben zum Schluss doch noch und wirkt für einmal ganz unpiratisch.

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