Am Montag beginnt beim Staatsweingut Meersburg die Weinlese am Bodensee

Gutsleiter Jürgen Dietrich: „Jeder Sonnentag bringt zwei Grad Oechsle“ – Rotweinboom erreicht Peak

Meersburg. Voraussichtlich am kommenden Montag beginnt beim Staatsweingut Meersburg die Weinlese. Wegen des Hagels vom vergangenen Jahr sind in diesem Jahr weniger Trauben gereift. Die Erntemenge beträgt etwa zwei Drittel einer Normalernte. Das sagte Jürgen Dietrich, Leiter des Staatsweinguts in Meersburg.

Mitte 70 Grad Oechsle

Mit der Lese beginnt das Staatsweingut am Montag oder Dienstag, sobald es nach dem fürs Wochenende angekündigten Regen in den Weinbergen wieder trocken ist. Die erste Sorte, die geerntet wird, ist die Rotweintraube Regent. Der Müller-Thurgau folgt. „Wir haben keinen Vollherbst“, sagt Dietrich. Stress bedingt wegen des Hagels vom 26. Mai vergangenen Jahres sind ein Drittel weniger Trauben gereift als bei einer Normalernte. Die Qualität der frühen Sorten sei „normal“, so Dietrich. Gemessen würden Mitte 70 Grad Oechsle.

Jeder Sonnentag verbessert Qualität

Grad Oechsle ist die Maßeinheit für das Mostgewicht des Traubenmostes. Sie ist nach ihrem Erfinder Ferdinand Oechsle benannt. Das Mostgewicht sagt etwas aus über den Anteil der gelösten Stoffe, mehrheitlich des Zuckers, im Traubenmost aus. Der Oechselegrad ist ein Qualitätskriterium von Wein. Im Allgemeinen liegt das Mostgewicht eines mittleren Jahrgangs in Deutschland zwischen 70 und 80 Grad Oechsle. Jeder einzelne Sonnentag bringt zwei Grad Oechsle, so Dietrich. Bei Nebel reifen die Trauben wesentlich langsamer.

Bis zu 80 Erntehelfer bei der Weinlese

Nur ein kleiner Teil der Ernte, die einfacheren Weine, wird maschinell aus den Weinbergen geholt. Auf sieben Hektar Rebfläche kann der Vollernter zum Einsatz kommen. Die restlichen Weinberge, 56 von insgesamt 63 Hektar, sind zu steil. Hier wird von Hand gelesen. Etwa 60 bis 80 Helfer, unter ihnen die Mitarbeiter des Staatsweinguts, bis zu 20 Erntehelfer mit deutschem Pass aus Polen sowie Einheimische arbeiten während der Lese in den Weinbergen.

Rotweinboom erreicht Zenit

Der Spätburgunder, der auf 55 Prozent der Fläche angepflanzt wird, brauche noch zwei bis drei Wochen Sonnenschein, sagte Dietrich. Die Sorte Müller-Thurgau macht beim Staatsweingut 20 Prozent aus, und Grau- und Weißburgunder bringen es auf 15 Prozent. Auch, wenn der Müller-Thurgau ein typischer Bodenseewein ist, ist der See genauso traditionelles Anbaugebiet der Burgundertraube. Je nach Ausbau machen die Winzer aus den Trauben Weiß- oder Rotwein. Weißherbst und Rose sind beliebt. Als in den 90er Jahren der Rotweinboom einsetzte, begann auch das Staatsweingut vermehrt Rowein auszubauen. Dem Weinfreund fällt da spontan der wunderbare Spätburgunder Rotwein von der Lage Meersburger Bengel ein. Früher, sagte Dietrich, war das Verhältnis zwei Dritel Weiß- und ein Drittel Rotwein. Als der Rotweinboom seinen Höhepunkt erreichte, war es beinahe umgekehrt. „Heute ist das Verhältnis etwa 50 Prozent zu 50 Prozent.“ Dietrich glaubt, dass der Rotwein den Zenit erreicht hat.

Riesling-Trauben wachsen am Bodensee

Zu den Sorten, die in den Weinbergen des Staatsweinguts wachsen, gehört auch der Riesling. Der Anbau von Riesling habe Tradition, sagte Dietrich. Rielsing gab es in den Weinbergen schon 1913 oder sogar noch früher. In Meersburg wächst er am Hang im Rieschen direkt unterhalb des gelben Gebäudes des Staatsweinguts. Als die Zeitschrift weinwelt den Riesling-Preis 2010 vergeben hat, wählte die Jury auch eine Riesling des Staatsweinguts aus. Der beste Riesling aus Baden kommt zwar nicht aus Meersburg, aber immerhin vom Staatsweingut in Meersburg: Der 2009 Hohentwieler Olgaberg trocken vom Staatsweingut Meersburg wurde mit 89 Punkten zum besten Riesling aus Baden gekürt.

Drei unterschiedliche Terroirs

Die Meersburger Reben stehen in bester Südhanglage. Die Trauben profitieren vom angenehm milden Klima und dem eiszeitlichen Boden. Vom See aus gesehen mitten in den Reben steht oberhalb des Meersburger Hafens das gelb angestrichene Weingutsgebäude. Die historischen Gebäude des Staatsweinguts und die Weinbergslagen stammen ursprünglich aus dem ehemaligen Besitz der Fürstbischöfe von Konstanz. 1802/1803 wurde das Weingut durch die Säkularisation zunächst „Großherzogliche Domänenkellerei Meersburg“ und später Staatsweingut des Landes Baden-Württemberg. Zum Weingut gehören auch die Reben am Hohentwiel und Weinberge am Hochrhein bei Gailingen.

Weinseminare für Einsteiger

Wer schon immer einmal an einem Weinseminar teilnehmen und Weine des Staatsweinguts verkosten wollte, kann das in Meersburg in entspannter Atmosphäre tun. Das nächste Wein-Seminar für Einsteiger ist für 10. Oktober geplant. Mehr Infos gibt es auf der Website des Staatsweinguts, Anmeldung zum Weinseminar per E-Mail an info@staatsweingutmeersburg.de.

Foto: Staatsweingut Meersburg

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