Am Samstag Antiquariat unter freiem auf Konstanzer Münsterplatz

Nachgefragt bei Mitorganisator Daniel Widmaier von Homburger & Hepp – Flohmarkt ist eine Aktion von Niederburg Vital e.V.

Konstanz. Es könnte der größte Gebrauchtbüchermarkt unter freiem Himmel werden, den Konstanz je gesehen. Das Motto am kommenden Samstag, 16. Juli, auf dem Münsterplatz heißt „Bücherflohmarkt – alles aus Papier“. Der Platz verwandelt sich in eine Sehenswürdigkeit für Buchfans und wird zur Attraktion für alle, die Flohmärkte, Antiquariate, gedruckte Bücher und andere Schätze aus Papier lieben. Wir fragten bei Buchhändler Daniel Widmaier nach.

See-Online: Wie viele laufende Meter Bücher wird es am Samstag denn geben? Und verraten Sie uns bitte, wie viele Standbetreiber Sie erwarten.

Daniel Widmaier: Es werden ca. 30 Anbieter sein und ca. 100 laufende Meter Standfläche. Bücher werden dann wohl nur noch in laufenden Kilometern zu messen sein.

See-Online: Ist die gesamte Standfläche bereits vergeben oder könnten sich noch weitere Verkäufer melden?

Daniel Widmaier: Wir haben jetzt beschlossen, keine weiteren Verkäufer mehr zuzulassen, sonst wächst uns der Organisationsaufwand über den Kopf. Wir machen das ja alle nur nebenher und ehrenamtlich. Am Ende geht es uns darum, unsere Ecke der Altstadt, Münsterplatz und Niederburg, zu beleben und im Gespräch zu halten.

See-Online: Was die Bouquinisten am Seineufer für Paris, ist wenigstens an einem Tag im Juli der Bücherflohmarkt für Konstanz. Sind Sie mit der Resonanz und Nachfrage seitens der Standbetreiber zufrieden ?

Daniel Widmaier: Ja, wir sind bisher mehr als zufrieden.

See-Online: Was bieten die Händler voraussichtlich an? Wertvolle gebundene Bücher, Comics oder vielleicht sogar Postkarten?

Daniel Widmaier: Es wird viel preiswerten Lesestoff für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geben, aber ganz sicher auch die eine oder andere Buch-Rarität. Außerdem Postkarten, Stiche, Kalender, Zeitschriften, Musiknoten, Landkarten, Comics usw., also ganz nach dem Motto „alles aus Papier“. Als kleine Ausnahme haben wir auch Schallplatten und CDs zugelassen. Insgesamt eine sehr breites Angebot, in dem jeder fündig werden kann.

See-Online: Was glauben Sie, wonach werden die Buchfreunde auf dem Markt suchen? Werden aktuelle Bestseller, Brockhausbände, alte Atlanten, längst vergriffene Sachbücher, zerfledderte Taschenbücher, Liebesromane, Thriller oder gar echte Raritäten nachgefragt?

Daniel Widmaier: Ich denke, wir können zwei große Gruppen ansprechen, zum einen die Vielleser, für die das Buch eher ein Verbrauchsgut ist. Dann natürlich den Sammler mit Spezialinteressen.

See-Online: Was glauben Sie, für wie viel Geld könnten wir unser dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden von 1988 losschlagen? Wir haben immer gut aufgepasst – die Bände haben weder Eselsohren noch Kaffeeflecken.

Daniel Widmaier: Ich befürchte, dafür werden Sie nicht mehr viel bekommen. Der Lexikonmarkt ist wegen der unglaublichen Kurzlebigkeit von Informatinsinhalten praktisch völlig zusammengebrochen.

See-Online: Welche Bücher werden am Samstag teurer gehandelt, Klassiker oder Triviales? Nehmen wir einmal an, an einem Stand lägen Thomas Manns „Buddenbrooks“, schön illustrierte Insel-Taschenbücher wie Voltaires „Candide“, Bestseller aus früheren Zeiten wie Noah Gordons „Der Medicus“, Spannung pur wie Michael Connellys „Der Poet“ oder Patricia Cornwells Thriller aus. Wie viel werden solche Taschenbücher bringen?

Daniel Widmaier: Je nach Zustand würde ich für noch lieferbare Bücher 10 bis 30 Prozent vom Neupreis für angemessen halten. Bei älteren Büchern ist eher die Seltenheit das Hauptkriterium. Nach oben hin gibt es da preislich fast keine Grenze.

See-Online: Warum verkaufen Leute ihre Bücher?

Daniel Widmaier: Bei vielen ist es wohl ein Platzproblem zu Hause.

See-Online: Was glauben Sie, suchen die Käufer?

Daniel Widmaier: Den überraschenden Fund zum fairen Preis. Guten Lesestoff. Das fehlende Teil für die Sammlung. Ein schönes Geschenk. Flohmarkt-Atmosphäre.

See-Online: Apropos Käufer. Wie viele Besucher erwarten sie denn – die Teilnehmer der Parade anlässlich des Christopher Street Days, die am Samstags ebenfalls über den Münsterplatz zieht – einmal nicht mitgerechnet?

Daniel Widmaier: Einige Hundert + X.

See-Online: Wir haben noch keinen Kindle und lesen auch keine E-Books. Sind gedruckte Bücher womöglich Auslaufmodelle?

Daniel Widmaier: Auf keinen Fall. Das gedruckte Buch hat sich seit Gutenberg als das überlegene Medium für Unterhaltung, Bildung und Wissen erwiesen. E-Book, Kindle & Co. werden in Deutschland mit seiner großen und einmaligen Buchkultur und -geschichte Randerscheinungen bleiben.

See-Online: Ihre Buchhandlung befindet sich direkt am Münsterplatz. Glauben Sie, dass sie am Tag des Bücherflohmarkts eher mehr oder weniger Umsatz als an anderen Tagen machen?

Daniel Widmaier: Wahrscheinlich eher weniger. Aber das stört mich für diesmal nicht. Wie gesagt geht es am Samstag um die größere Sache Niederburg, von deren Gedeihen am Ende viele profitieren sollen.

See-Online: Ist der Bücherflohmarkt auf dem Münsterplatz eine Eintagsfliege oder gibt es für alle, die den Flohmarkt verpasst haben und ihre Bestände ebenfalls gern verkaufen möchten, vielleicht noch eine zweite Chance?

Daniel Widmaier: Der 17. September 2011 ist schon fest geplant. Und wenn der Markt gut angenommen wird, sowohl von Verkäufer- als auch Käuferseite, können wir uns gut vorstellen, dass der Bücherflohmarkt von Niederburg Vital eine ein- bis zweimal jährlich staffindende Dauereinrichtung wird.

See-Online: Sind wir richtig informiert? Verkauf ist von 10 bis 18 Uhr?

Daniel Widmaier: Korrekt, Samstag wird von 10-18 Uhr verkauft.

See-Online: Vielen Dank fürs Gespräch.

Zum Bücherflohmarkt auf dem Münsterplatz ist bei See-Online bereits ein Beitrag erscheinen.

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