Annäherungen: Sexueller Missbrauch und Gewalt gegen Frauen in Konstanz

Schau „Frauen in Veränderung“ zum 20-jährigen Bestehen des Vereins „Frauen helfen Frauen in Not“ – Aktionstag „Pfoten weg“

Konstanz. Mit einer Ausstellung, Vorträgen und einer Lesung nähern sich Frauen in Konstanz in den kommenden Wochen den Themen sexueller Missbrauch und sexuelle Gewalterfahrung. Im Bildungsturm beim Kulturzentrum am Münster ist vom 18. September an die Ausstellung „Frauen in Veränderung – Wege aus der Gewalt“ anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Vereins Frauen helfen Frauen in Not e.V. zu sehen. Am 10.Oktober um 11 Uhr beginnt der Aktionstag „Pfoten weg“ im CineStar in Konstanz.

Sexueller Missbrauch beschädigt Opfer lebenslänglich

Sexueller Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und Internaten hat in den vergangenen Monaten die Republik aufgerüttelt. Sexuelle Gewalterfahrungen, die Verletzung der sexuellen Integrität, fügen Betroffenen schwere psychische Schäden zu, die zu langanhaltenden psychischen Störungen führen. Betroffen sind auch Frauen in Konstanz. Opfer leiden oft besonders unter dem Nicht-darüber-reden-können. Bei vielen, die sexuelle Übergriffe in der Kindheit erlebt haben, dauert es Jahre, bis sie mit der Aufarbeitung des Erlebten beginnen, bis sich die Ereignisse nicht mehr verdrängen lassen. Schätzungen zu Folge sollen bis zu 15 Prozent aller Frauen und bis zu zehn Prozent aller Männer in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden sein.

In Selbsthilfegruppe kommen Betroffene zusammen

In Konstanz hilft die Gruppe „Frauen nach sexuellem Missbrauch“ Frauen weiter.  Die Gruppe bietet einen sicheren Raum, Ansprechpartnerinnen und Hilfe, um trotz Handicaps den Alltag bewältigen zu können. Auf der Website heißt es: „Das Tabuthema sexueller Missbrauch ist heute glücklicherweise nicht mehr ganz so tabu. Es hat sich gewandelt von dem Thema, über das weder gesprochen, geschrieben noch gemalt werden durfte zu einem Thema, über das heute zumindest einige Informationen verfügbar sind.“ Auf der Website der Selbsthilfegruppe finden sich auch einige sehr bewegende Erfahrungsberichte von betroffenen Frauen aus Konstanz. Nicht jede Selbsthilfegruppe, darauf weisen die Frauen hin, ist für jede Betroffene die richtige. Der Hintergrund: Frauen haben je nach Zeitpunkt ihrer Aufarbeitung unterschiedliche Bedürfnisse, so sagen es Frauen aus der Gruppe. Ansprechpartnerinnen und Unterstützung bei der Suche nach Hilfsmöglichkeiten finden Betroffene zum Beispiel bei der Selbsthilfegruppe „Frauen nach sexuellem Missbrauch“ aber in jedem Fall.

Konstanzer Frauen helfen betroffenen Frauen weiter

Zur Zeit existiert in Konstanz offenbar keine weitere Gruppe für neue Frauen, so die Auskunft der Selbsthilfegruppe„Frauen nach sexuellem Missbrauch Konstanz“. Am Anfang sollten betroffene Frauen statt eine Selbsthilfegruppe besser eine therapeutisch begleitete Gruppe besuchen, raten die Konstanzer Frauen anderen Betroffenen. Über die Webseite der Selbsthilfegruppe kommen laut Gruppe regelmäßig Anfragen von Frauen, die sich fragen, ob sie sich mit dem Thema auseinandersetzen sollen, von Mädchen, die noch aktuell in der Situation sind und nicht wissen an wen sie sich wenden können, Anfragen für Diplomarbeiten oder Anfragen zur Teilnahme an Veranstaltungen. Die Konstanzer  Gruppe hilft Frauen weiterhin weiter, auch wenn sie sie nicht direkt in die Gruppe einlädt. Früher habe es Telefonnummern gegeben, doch heute seien  Betroffene froh, wenn sie erst einmal per Mail Kontakt aufnehmen könnten, sagte ein Gruppenmitglied.

Ausstellung widmet sich schwierigem Thema

Mit dem sensiblen Thema beschäftigt sich in diesem Herbst auch die Ausstellung „Frauen in Veränderung – Wege aus der Gewalt“ im Bildungsturm. Zu sehen gibt es Malerei, Bilder und Texte von Hanne Hick. Auf jedem Stockwerk des Turms geht es um einen anderen Schwerpunkt. Der Einstieg im Erdgeschoss ist den Gründen gewidmet, aus denen Frauen Hilfe suchen: Inzest, sexuelle Gewalterfahrung in der Kindheit und im Erwachsenenleben, psychische Schwierigkeiten, Depression, Ängste, Beziehungs- und Familienkrisen, Gewalterfahrung und Gewaltandrohung in der Beziehung, Trennung, Scheidung, Materielle und psychische Abhängigkeit, Existenzbedrohung, Stalking. In den Mittelgeschossen geht es um das, was als hilfreich erlebt wird: Gespräche und Beratung, Psychotherapie, andere Therapien oder auch Selbstverteidigung. Das Obergeschoss zeigt, wie es auf dem Lebensweg – nach den im Erdgeschoss und in den Mittelgeschossen gezeigten und durchlebten Etappen – weitergehen könnte.

Vernissage im Bildungsturm

Vernissage ist am Freitag, 17. September, um 17 Uhr. Durch die Ausstellung führt Hanne Hick. Sie liest exemplarisch Texte in den einzelnen Stockwerken. Zur Ausstellung gibt es außerdem ein Begleitprogramm. Am Samstag, 18. September, ist ein Vortrag der Psychologin Stefanie Rösch über „Traumatherapie – Momentaufnahme eines Heilungsprozesses“ geplant. Am Sonntag liest Hanne Hick, und am Samstag, 25. September, folgt ein Vortrag der Ergo- und Kunsttherapeutin Karla Klettner über „Im Handeln Veränderungsmöglichkeiten erfahren mit der Arbeit im Tonfeld“.

Damit sich Kinder schützen lernen

Nach dem Ende der Ausstellung folgt der Aktionstag „Pfoten weg“ – damit es erst gar nicht soweit kommt. „Pfoten weg“findet statt am 10. Oktober 2010. Der Tag beginnt um 11 Uhr im Cinestar in Konstanz. Auf dem Programm steht die Premiere einer mehrsprachigen DVD zum Thema Prävention. Es gibt Info- und Büchertische zum Thema sowie Katzenbasteltische und Katzenschminken. Mehr Infos über „Pfoten weg“ gibt’s bei der Konstanzer Puppenbühne.

Info: Ausstellung Frauen in Veränderung zum 20-jährigen Bestehen von Frauen helfen Frauen in Not e.V., Konstanz vom 18.09 – 03.10.2010. Weitere Infos auf der Website.

Info: Aktionstag Pfoten weg am 10.Oktober 2010 um 11 Uhr im Cinestar in Konstanz. Hier geht es zu einem Trailer.

Hier geht es zur Gruppe Frauen nach sexuellem Missbrauch Konstanz.

Hier geht es zur Ausstellung und Hanne Hick.

Foto: Ausstellung

Ein Kommentar to “Annäherungen: Sexueller Missbrauch und Gewalt gegen Frauen in Konstanz”

  1. Ute
    17. September 2010 at 08:28 #

    Die Ausstellung Frauen in Veränderung kenne ich bereits, ich habe sie 2006 in der VHS in Friedrichshafen erstmals gesehen.

    Der BildungsTURM ist besonders geeignet, da die Ausstellung die Veränderung und den Weg bewußt aufteilt, möglichst eben in Stockwerke, siehe auch: http://www.hanne-hick.de/malerei/frauen_in_veraenderung.php

    Gespannt bin ich darauf wie sie im BildungsTURM wirkt, das schaue ich mir bei der Vernissage heute um 17 Uhr an.

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