Anwohner fordern massiv Glasverbot am Konstanzer Seerhein

Bewohner der Stadt am Seerhein, der Seestraße und des Musikerviertels schreiben Brief an OB

Konstanz. Lärm, Müll, Alkohol und Gewalt empfinden Anwohner an der Seestraße und des Herosé-Areals in diesem Sommer anscheinend so nicht mehr erträglich. In einem gemeinsamen Brief an Oberbürgermeister Horst Frank und die Stadtverwaltung fordern sie, dass sich die Stadt vor die Betroffenen stellt. Die Minimalforderung ist ein Glasverbot.

Grill- und Chillstimmung an Seerhein

Das schöne Wetter ist zurück, die Schnaken in der Dämmerung und die Partystimmung im Herosépark und an der Seestraße auch. Gitarrenmusik wabert durch den Park. Viele haben Picknickdecken ausgebreitet. Parkbesucher heizen hier gern ihre kleinen, mitgebrachten Grills an. Die Stimmung ist friedlich. Der Park vor den Häusern war von den Stadtplanern von Anfang an gewollt. Er sollte Petershausen an den Seerhein bringen.

Anwohner sind dünnhäutig geworden

Doch die Bewohner der Stadt am Seerhein sind skeptisch und dünnhäutig geworden. Einer hat mit seiner Handykamera gerade ein Schild fotografiert, auf dem steht, dass grillen hier eigentlich verboten wäre. Eine Frau deutet auf die Hofgärten. Seit einiger Zeit gibt es Gartentürchen. Sie sagt, statt ins Designer-Luxus-WC kämen die Feiernden, sobald es Nacht sei, hierher, um ihre Notdurft zu verrichten. Gelegentlich gebe es Beobachtungen zu Folge auch Paarungsverhalten. Schön sei das nicht, sagt eine Bewohnerin der Stadt am Seerhein.

Schlimm ist der Morgen danach

Mit dem steigenden Alkoholpegel steigt auch der Lärmpegel. Am schlimmsten aber ist der Morgen danach. Scherben liegen dann am Ufer. Badende könnten sich leicht verletzen, sagen die Anwohner. Wenn die von den Bewohnern engagierte Security patroulliert, eskaliert die Situation wenigstens nicht. Auf die Nachtwanderer hingegen sind viele hier nicht sehr gut zu sprechen. Eine Anwohnerin sagt, neulich seien die Nachtwanderer direkt hinter der Security her gegangen. Sie habe ihr Handy an dem Abend nicht dabei gehabt, sonst hätte sie die Szene fotografiert. Jetzt muss sie den Fotobeweis schuldig bleiben.

Seestraße ist hip

Dabei haben die Bewohner der Stadt am Seerhein in diesem Sommer Glück. Denn vor allem bei Jugendlichen ist die Seestraße hip. Mehrere Hundert Kinder und Jugendliche, unter ihnen viele Schüler, treffen sich hier an schönen Sommerabenden. Es ist ein riesiges Come-Together. Hier wird geredet, gejauchzt und ein bisschen geschmust. Die Anwohner der Seestraße, der Säntisstraße und des Grüngangs mögen den Trubel, der ihnen wie ein immer wiederkehrender Flashmob erscheinen muss, nicht.

Jugendliche, Jogger, Nachtwanderer

Auch in der Seestraße ist die Stimmung am frühen Abend friedlich. Einzelne Jogger laufen im Slalom an den Jugendlichen vorbei. Nachtwanderer haben Aufkleber an Platanen gepappt und Papiertragetaschen verteilt. „Null Bock auf Scherben“, steht da. Die Verfasser haben sich offenbar beim Formulieren der Jugendsprache angenähert. „Wenn Du Deine Flaschen hier entsorgst, trägst Du dazu bei, dass Menschen, die es brauchen, problemlos Pfandflaschen einsammeln können.“ Am vergangenen Freitag war Oberbürgermeister Horst Frank auf der Partymeile. Er suchte das Gespräch mit Jugendlichen – viele haben ihn mit ihrer Handykamera fotografiert.

Die Anwohner

Ihren Brief an die Stadt haben die Anwohner der Seestraße und des Seerheins mit „Lärm, Müll, Alkohol und Gewalt“ überschrieben. Sie beklagen, dass es der Stadt bisher nicht gelungen sei, die Probleme zu lösen. Die Anwohner schreiben von Nachtruhestörungen, Vermüllung des öffentlichen Raums und angrenzender Grundstücke, von Provokationen und bedrohlichen Situationen. Die Glasscherben stellten ein Gefahrenpotenzial dar. Sie verwenden auch den Begriff „Zusammenrottungen“. Sie kritisieren, dass bei gemeinsamer Nutzung des öffentlichen Raums die „allgemeinen Regeln des Zusammenlebens“ nicht eingehalten würden. Nicht akzeptieren möchten sie, dass die Überwachung des ruhenden Verkehrs in Konstanz angeblich höhere Priorität habe als die Nachtruhe.

Müdes Lächeln über einen Grillplatz

Im wesentlichen stellen die Anwohner vier konkrete Forderungen: Sie verlangen die konsequente Einhaltung und Durchsetzung der „Umweltschutz- und Polizeiverordnung“ der Stadt Konstanz mit den Regelungen zur Nachtruhe. Sie möchten ein Alkohol- und Glasverbot, mindestens aber ein Glasverbot, und wollen, dass die Stadt öffentliche Räume ausweist, in denen die Jugendlichen ihre Jugendkultur leben können. Einen Grillplatz auf Klein-Venedig halten die Anwohner keinesfalls für geeignet und ausreichend. Außerdem schlagen die Bewohner der Quartiere einen runden Tisch vor.

Respektvoller Umgang und Rücksichtnahme

Ein Glasverbot kann sich mittlerweile auch die Stadt vorstellen. Die Jugendlichen aus dem öffentlichen Raum vertreiben kann sie aber nicht. Und es wäre auch nicht gut so. Die Stadt ist es Anwohnern und Jugendlichen schuldig, eine Lösung zu finden. Dazu müssen aber beide Seiten bereit sein, Kompromisse einzugehen. Und die Stadt darf Freiheitsrechte Unbeteiligter nicht zu sehr einschränken, was sie mit einem Alkoholverbot im Herosépark aber täte. Wie sagte Rosa Luxemburg noch: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“

Fotos: wak

2 Kommentare to “Anwohner fordern massiv Glasverbot am Konstanzer Seerhein”

  1. Civis
    18. Mai 2011 at 07:24 #

    Dieses Schreiben ging an den Oberbürgermeister und den Gemeinderat der Stadt Konstanz. Jetzt ist die Stadtverwaltung gefordert.

    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Frank,
    am Freitag, 06.05.2011 hat sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Anwohner Seestrasse und Seerhein/Herosé-Areal getroffen, um die in den letzten Wochen wieder verstärkt aufge-tretenen Probleme an Seestrasse und Seerhein/Herosé-Areal zu besprechen und gemeinsame Aktionen und Lösungen zu diskutieren.

    Der Erfahrungsaustausch ergab folgendes Bild:

    Die Bemühungen der Stadtverwaltung die Probleme zu lösen werden anerkannt, waren je-doch im Hinblick auf die in der „Umwelt- und Polizeiverordnung“ vorgegebenen Regelungen bisher nicht erfolgreich. Nach wie vor kommt es – vermehrt seit Beginn der warmen Jahreszeit – zu Nachtruhestörungen durch Kinder und Jugendliche, zu Vermüllung von öffentlichem Raum und angrenzenden Grundstücken, zu Provokationen und zu bedrohlichen Situationen.

    Der Müll verursacht dabei nicht nur die Kosten der Beseitigung, sondern stellt zudem ein hohes Gefahrenpotenzial dar durch Glasscherben, Kronenkorken u.ä. sowohl im Uferbereich als auch der Wasserzone. Viele Kinder und auch Hunde haben sich bereits in diesem Jahr verletzt. Im Ufer-Park haben Anwohnern beobachtet, wie Flaschenscherben gezielt als „Verletzungsfallen“ vergraben werden.

    In jüngster Zeit führen Zusammenrottungen außerdem dazu, dass Anwohner und Passanten Angst haben am Abend auf die Seestrasse und in den Park zu gehen. Oft wird der Radweg belagert um zu provozieren, wer aufbegehrt, riskiert nicht nur angepöbelt zu werden sondern auch Handgreiflichkeiten.

    Besonders hinzuweisen ist auf die Probleme die durch diese Ereignisse für die Hotels ent-stehen und damit auch für das Ansehen der Stadt als Tourismusort wie die bspw. seit langem und wiederholt vom Hotel Barleben am See moniert wird .

    Diese und unsere Erfahrungen und Wahrnehmungen decken sich dabei nicht mit den Schil-derungen der Nachtwanderer. So sehr wir auch ihre Ziele teilen, so müssen wir doch fest-stellen, dass die sicher wohlgemeinten und engagierten Initiativen und Aktivitäten im Hinblick auf die grundsätzliche Lösung der Probleme nur begrenzt wirksam und zielführend sind.

    Die Polizei ist aufgrund ihrer personellen Besetzung meist nicht in der Lage, zeitnah vor Ort zu sein und hat grosse Schwierigkeiten, die Verursacher von Vermüllung oder Schäden zu ermitteln.

    Festzustellen ist ausserdem, dass der privat finanzierte temporäre Einsatz von Sekuritaskräften im Herosé-Areal („Stadt am Seerhein“) dort zu einer relativen Beruhigung geführt hat, allerdings auch zu einer Verlagerung und Verstärkung der Probleme auf der Seestrasse und den anliegenden Bereichen.

    Eine wesentliche Ursache für das Verhalten der Kinder und Jugendlichen, für Gewaltbereitschaft und Verwahrlosungstendenzen stellt der Alkoholkonsum dar. An den letzten kritischen Abenden am Seeufer waren kaum Jugendliche ohne Alkohol zu beobachten. Hinzu kommt der erhebliche Gruppendruck, durch den die jungen Leute – teils eindeutig noch Kinder – unter Alkoholeinfluß in bedrohliche Situationen gebracht werden, in die sie unter „normalen Bedingungen“ niemals geraten wären.

    Dass es sich dabei um Probleme handelt, die auch in anderen Städten auftreten und zu teil-weise unterschiedlichen Beurteilungen, Sichtweisen und Lösungsansätzen führen, ist in der Berichterstattung zu verfolgen. Sicher besteht ein Zusammenhang zwischen dem vorhande-nen und benötigten öffentlichen Raumangebot, das Kindern und Jugendlichen für ihre Be-dürfnisse, für Kommunikation, Spiel und Bewährung zur Verfügung steht.
    Konflikte gibt es dann, wenn sich Raumangebot und Raumbedarf nicht entsprechen, öffentli-che Räume von verschiedenen Gruppen gemeinsam genutzt und die allgemeinen Regeln des Zusammenlebens nicht eingehalten werden. Insofern ist nicht einzusehen, dass bspw. die Überwachung des regelgemäßen Verhaltens beim ruhenden Verkehr eine höhere Priorität haben soll wie die Nachtruhe, die Sicherheit oder das Eigentum der Bürgerinnen und Bürger.

    Angesichts der Erfahrungen und Entwicklung der letzten Wochen stellen wir deshalb die fol-genden Forderungen:
    • die konsequente Einhaltung und Durchsetzung der „Umweltschutz- und Polizeiverordnung“ der Stadt Konstanz mit den Regelungen zur Nachtruhe, Vermüllung von Anlagen, Ufer und See, dem Schutz des Eigentums etc.
    • den Erlass eines (auch) temporären Alkohol- und Glasverbotes für die Seestrasse, für den Uferbereich und das Herosé-Areal . (Da der Alkohol eindeutig eine Hauptursache der Probleme darstellt, löst ein Glasverbot die Probleme sicher nicht, denn Glasscherben und Verhalten sind Folgen. Deshalb bedarf es neben dern „akutwirksamen“ auch weitergehender, präventiv-aufklärender Maßnahmen).
    • die Ausweisung und Gestaltung öffentlicher Räume die als Angebot geeignet sind für die Entwicklung einer zeitgemäßen Jugendkultur (hierfür halten wir die geplante Einrichtung eines Grillplatzes auf Klein Venedig keinesfalls für geeignet und ausreichend).
    • die Einrichtung eines Gesprächskreises (runder Tisch o.ä.) aller Betroffenen (Anwohner, Jugendsozialarbeit, Schulen, Polizei etc.) zur Kommunikation der aktuellen Probleme und Erarbeitung von kurz-, mittel- und langfristigen Lösungen.

    Wir sind der Auffassung, dass es nicht im Interesse der Stadt sein kann, dass Jugendliche durch ihr Verhalten das Bild der Stadt schädigen, hohe Reinigungs- und Entsorgungskosten verursachen, Angst unter Anwohnern und Gästen verbreiten sowie öffentliches und privates Eigentum missachten und beschädigen.
    Die drängende Situation erfordert zeitnahes Handeln und muss ggf. auch mit juristischen Mitteln erzwungen werden. Durch Untätigkeit oder Verschleppung verursachte Schäden könnten zu Schadenersatzklagen, Untätigkeitsbeschwerden o.ä. führen. Dem sollten wir zuvorkommen.
    Wir sind der Meinung, dass die bisherige „laissez faire-Haltung“ der Stadtverwaltung letztlich das Vertrauen in unser Recht untergräbt. Es geht also auch darum, dass wir die Gesetze und Regelungen in ihrer friedenstiftenden Funktion erkennen und ernst nehmen und hierin eine Aufgabe der Verwaltungsorgane sehen .

    Die Berichte im Südkurier vom 12. Mai 2011 über die letzten Vorkommnisse sind für uns A-lass festzustellen, dass die Briefe und E-Mails von betroffenen und besorgten Anwohnern offensichtlich von Oberbürgermeister und Verwaltung nicht ausreichend ernst genommen wurden, sonst wären diese Ereignisse zumindest teilweise zu vermeiden gewesen.

    Die vom Südkurier zitierten Äußerungen des Sozial- und Jugendamtleiters Jürgen Treude sind darüber hinaus geeignet, die Vorkommnisse herunterzuspielen, die Sorgen und Ängste von Anwohnern und Bürgern zu verniedlichen und die Einforderung der in der Umweltschutz und Polizeiverordnung festgelegten Bestimmungen in hohem Maße zu relativieren. Die Bilder von, die sich morgendliche an den Wochenenden bieten, widerlegen ihn!

    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Frank,
    die beschriebenen Fakten und beigefügten Dokumente belegen den eklatanten Handlungsbedarf. Mit Ihrer Begehung am Freitag haben Sie zudem gezeigt, dass Ihnen die Lösung der Probleme ein Anliegen ist. Wir sehen dies auch als Zeichen, dass Sie unsere Anliegen ernst nehmen und bieten Ihnen unsere Zusammenarbeit bei der Problemlösung an.
    Bitte teilen Sie uns baldmöglichst mit, wie Sie die aktuelle Entwicklung beurteilen und welche Maßnahmen sie jetzt ergreifen wollen.
    Ihrer geschätzten Antwort sehen wir mit Interesse entgegen.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. Bolle Knallquist
    18. Mai 2011 at 12:21 #

    Natürlich werden die Briefe der Anwohner nicht ernst genommen. Es entspricht eben dem linksgrünen Zeitgeist, solchen Zuständen mit sozialbeseelten Nachtwanderern und einer gewissen Häme zu begegnen. „Den Bonzen“ mal eins auswischen, weil sie unverschämterweise an der Seestraße wohnen oder dort zu Gast sind! Diese Genugtuung ist aus den Raktionen eindeutig zu erkennen. Eine ganz andere Frage ist die offensichtlich nicht vorhandene Erziehung und die übervollen Taschengelbörsen. Aber wenn die Eltern schon ein laisser-faire an den Tag legen, woher sollen dann diese gepuderten Wohlstandskinder wissen, was sich gehört?

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.