Archäologen finden gut erhaltenes Alamannenskelett im Kreis Konstanz

Neues Alamannengrab in Hilzingen entdeckt – Friedhof aus 6./7. Jahrhunderts nach Christus

Kreis Konstanz. Die Alamannen kommen. Erneut haben Archäologen ein gut erhaltenes Skelett gefunden. Vermutlich handelte es sich um eine jüngere Frau, die auf einem Friedhof bestattet war.

1921 Reihengräberfeld erstmals entdeckt

Am „Homboll“ am nördlichen Ortsrand von Hilzingen hat im Vorfeld von Bauarbeiten die Kreisarchäologie des Landratsamtes Konstanz wieder ein gut erhaltenes Alamannengrab entdeckt und ausgegraben werden. Bereits vor zwei Jahren wurden zahlreiche frühgeschichtliche Gräber an der Hombollstraße zerstört. Sie gehören zu einem 1921 entdeckten Reihengräberfeld, dessen exakte Lage nicht mehr bekannt war. Seither dem ersten Fund werden alle Bauarbeiten in diesem Umfeld von der Kreisarchäologie überwacht und bereits im Vorfeld gibt es archäologische Untersuchungen.

Archäologen begleiten Bauarbeiten

„Ich nehme früh Kontakt mit den Bauherren auf, damit der Oberboden einige Wochen vor Baubeginn im Bereich der späteren Baugrube entfernt wird“, erklärt Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald. „Dadurch können wir frühzeitig Gräber lokalisieren und ohne Zeitverzögerung für die Bauherren dokumentieren und bergen“. Auch in dem aktuell untersuchten Baugrundstück an der Oberstraße sei so verfahren worden.

Schädel lag im Westen

In der sich als dunkle Verfärbung abzeichnenden Grabgrube kam ein sehr gut erhaltenes Skelett zutage, das gemäß den alamannischen Bestattungsregeln in West-Ost-Richtung orientiert war. Der Schädel der Bestattung lag im Westen. Schwache holzkohleähnliche Verfärbungen auf der Grabsohle deuten auf einen Holzsarg oder Baumsarg hin. „Vermutlich handelt es sich um eine junge Frau von etwa 20-30 Jahren“, so Hald, der zusammen mit Jürgen Kordsmeyer von der Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Freiburg sowie mit dem ehrenamtlichen Mitarbeiter Armin Höfler die historisch wertvollen Funde dokumentierte und barg.

Gräber aus 6./7. Jahrhunderts n. Christus

Am Becken der Bestattung fanden sich eine bronzene Gürtelschnalle sowie eine weitere Schließe aus Eisen. Genaue Aussagen zum Alter der Funde werden erst nach der Restaurierung möglich sein. Das Grab lag am südöstlichen Rand des Gräberfelds. Seit 2009 konnten etwa 20 Gräber festgestellt werden. Sie gehören zu einem Friedhof des 6./7. Jahrhunderts n. Christus und damit in die frühe Besiedlungsphase des heutigen Ortes. Die zugehörige Siedlung könnte im Unterdorf nahe dem Mühlbach gelegen haben.

Alamannen waren schon früher da

Ein weiterer Siedlungskern von Hilzingen lag im Osten des Ortes im Oberdorf, wo ein zweiter Friedhof dieser Zeit bekannt ist. Das früheste Alamannengrab aus Hilzingen stammt aus dem Wohngebiet „Zwischen Wegen“. Es zeigt, dass bereits im vierten Jahrhundert n.Chr. erste Alamannen die Siedlungsgunst von Hilzingen für sich entdeckten.

Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald beim Freilegen eines etwa 1300-1400 Jahre alten Alamannengrabes in der Hilzinger Oberstraße

Bildnachweis: Regierungspräsidium Freiburg, Denkmalpflege, Foto: Jürgen Kordsmeyer

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