Armut macht krank – auch im Landkreis Konstanz

Caritas startet Kampagne und berichtet über Projekte – Hilfe für Wohnsitzlose und Kinder in Armut

Konstanz. Das Krankheitsrisiko steigt, wenn Menschen lange arbeitslos sind, wenn sie über wenig oder kein Einkommen verfügen oder der Bildungsstand niedrig ist. Darauf weist die Caritas. Der Caritasverband weist auf die Kampagne „Armut macht krank“ und konkrete Aktionen im Landkreis hin.

Arme vermeiden Arztbesuche

Dass Armut krank macht ist in einem der reichsten Länder der Welt ein provozierender Zustand, heißt es in einer Mitteilung der Caritas. Zwar habe Deutschland ein solidarisches Gesundheitssystem, doch gebe es gravierende Unterschiede: So liegt die Lebenserwartung einer Frau aus der Armutsrisikogruppe rund acht Jahre unter der von Frauen aus hohen Einkommensgruppen. Bei Männern sind es elf Jahre. Die Caritas informiert: Menschen mit geringem Einkommen überlegen sich jede Ausgabe genau. Dies führe häufig dazu, Arztbesuche aufzuschieben, um die Praxisgebühr zu sparen. Eine konkrete Forderung der Caritas laute darum, die Praxisgebühr abzuschaffen.

Probleme am Rande der Gesellschaft

Besonders schwierig ist die Situation, wie die Caritas mitteilt, für Menschen am Rand der Gesellschaft. Für Obdachlose, Asylsuchende, Flüchtlinge oder Menschen, die illegal in Deutschland leben, gibt es oft nur ungenügende Zugänge zum Gesundheitssystem. Caritas-Präsident Peter Neher fordert darum: „Niemand soll seine Daten preisgeben müssen, wenn er einen Arzt braucht“.

AGJ leistet Wohnsitzlosen medizinische Hilfe

Die AGJ Wohnungslosenhilfe im Landkreis Konstanz unterhält, wie die Caritas berichtet, seit vielen Jahren einen ambulanten medizinischen Dienst. Eine Krankenschwester versorgt wohnungslose Menschen medizinisch, steht ihnen beratend zur Seite und vermittelt sie an passende Einrichtungen weiter. Unterstützt wird sie dabei von der AGJ Suchtberatung und einem Psychiater. „Anfangs mussten wir dieses Angebot voll durch Spenden finanzieren“, so Susanne Graf von der AGJ. Heute seien zumindest zwei Drittel durch Zuschüsse des Landkreises und der Stadt gedeckt, die Wohnungslosenhilfe bleibe aber weiterhin auf Spenden angewiesen.

Gesundes Frühstück für Kinder

Auch der Caritasverband Singen-Hegau setzt sich mit vielfältigen Angeboten für Menschen in Armut ein. Besonders wichtig sind Geschäftsführer Wolfgang Heintschel Maßnahmen für Kinder und Jugendliche: „In Singen lebt jedes fünfte Kind in Armut. Deshalb engagieren wir uns im `Kinderchancen Singen e.V.´ und bauen hier mit anderen Trägern ein Präventionsnetzwerk auf“. Konkrete Ziele des Vereins seien die bessere Umsetzung des Bildungspakets und die Einführung eines gesunden Schulfrühstücks in Singen.

Informationen zur Kampagne unter www.jeder-verdient-gesundheit.de

httpv://www.youtube.com/watch?v=MxEWm7Ml4Fk

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