Auf einen Milchkaffee im Konstanzer Mathe Café

Franz Josef Zeller bittet zum Nachhilfeunterricht ins Café – Im Sommer machten Schüler lieber frei

Konstanz. Wer Lust auf einen Kaffee oder Problem mit mathematischen Gleichungen hat, kann sich in Konstanz mit Franz Josef Zeller treffen. Sein Traum ist es offenbar noch immer Mathematik ins Alltagsleben zu integrieren und schwachen Schülern Freude am Lernen zu vermitteln. Jetzt plant er einen Herbstkurs im Porta Negra in Petershausen. Lernen an einem ungewöhnlichen Ort ist Teil seines etwas anderen Konzepts, mit dem er Nachhilfeschülern helfen will. Zeller rechnet so: Mathe+Kaffee=bessere Noten.

Mathe Café erreicht vor allem Mütter

Der Informatiker, der sich als etwas anderer Nachhilfelehrer in Konstanz etablieren möchte, schweift im Gespräch gern ein bisschen ab und kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Schwächen des Bildungssystems zu sprechen. Die ersten Klassenarbeiten sind geschrieben, sagt er. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Eltern auf schlechte Noten reagieren. Eigentlich möchte Zeller mit seinem ungewöhnlichen Konzept, Mathe in einem Café zu vermitteln oder alternativ in seinen eigenen Räumen wenigstens Café Atmosphäre zu schaffen, die Schüler erreichen. Doch die kommen freiwillig eher nicht. „Meist sind es die Mütter, die anrufen“, sagt Zeller.

Lernen in Unterrichtsraum oder im Café

In 80 Prozent aller Fälle melden sich die Eltern im Mathe Café. Die Eltern wüssten, dass er ein etwas anderes Konzept habe, sagt Zeller. Und die Schüler? Eine seiner Schülerinnen erzählt, sie sei in die Mathe Schule gekommen, weil Zeller einer Freundin geholfen habe. Erst einmal kocht er ihr in seinen Räumen einen Kaffee. Am Tag zuvor traf sich Zeller mit einer anderen Schülerin noch im Garten des Cafés „Zeitlos“. Es habe funktioniert – die Schülerin konnte sich konzentrieren.

Hauptschüler meldeten sich bisher nicht

Überschwänglich Begeisterung hört sich trotzdem anders an. Die Freude am Mathe lernen schwappt trotz der wunderschönen Keramiktassen, die Zeller in seinen Unterrichtsräumen in der Wessenbergstraße auf den langen Tisch stellt, nicht unbedingt wie eine große Welle durch Konstanz. „Die Idee kommt an“, sagt Zeller. Doch es gehe langsam. Seine Zielgruppe sind keine Eliteschüler, die Lust am Lernen haben, sondern die Schwächeren, die er erst noch begeistern muss. „Schüler zwischen 15 und 18 Jahren“, sagt Zeller. Viele besuchen die Realschule, andere das Gymnasium. Hauptschüler habe er bisher nicht erreicht, so der Nachhilfelehrer. Er vermutet, dass in den Familien das Geld fehlt.

Mathe Sommer ein Flop

Zellers erster Mathe Sommer, in dem er mit seinen Schülern in Eiscafé büffeln wollte, war ein Flop. Offenbar mangelte es an der Bereitschaft der Schüler, ein paar Ferientage zu opfern. Zeller versteht das nicht so ganz. Er findet, es wäre doch sinnvoll, Zeit zu investieren, bevor der Schulstress die Schüler wieder einfängt. Auf die Idee, dass ein Café nicht der richtige Ort sein könnte, um das Mathebuch aufzuschlagen kommt Zeller, der seine eigenen Räume immer mehr einem Café angleichen will, übrigens nicht.

Schon wieder Mathe in den Ferien

Im Herbst unternimmt er nun einen zweiten Anlauf und bietet erneut Mathe in den Ferien an. Dieses Mal möchte er ins „Porta Negra“ in Petershausen bitten. Der Kurs im Café heißt „Realschule Intensiv 1“. Der Herbstkurs soll vom 2. bis 4. November dauern und eine Brücke schlagen. Schaffen will Zeller gezielt die „soliden Grundlagen“ für die nächste Klassenarbeit und den Stoff vertiefen. „Mögliche Wissenslücken werden geschlossen“, so Zeller. Themen sind Termumformungen, Prozent- und Zinsrechnung, Ebene Figuren, Potenzen und Wurzeln, lineare und quadratische Funktionen, Gleichungen, Trigonometrie, Dreieck oder, was Schüler sonst gern wissen möchten.

Mehr Infos gibt’s auf der Website des Mathe Cafés.

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