Ausbau Bodensee-Bundesstraßen 30/31: „Lobbying für die „Provinz“

Neun Studenten, ein Projekt – Beachtenswerte Student Study der Friedrichshafener Zeppelin University

Studenten für professionelle LobbyarbeitBerlin/Bodenseekreis. Die Region hat ein Image-Problem in Berlin und auch Stuttgart. Das sagen Studenten der Friedrichshafener Zeppelin University. Die Studenten suchten Antworten auf die Frage, weshalb die Bundesstraßen 30/31 nicht ausgebaut worden sind. Die Region und ihre Politikerköpfe kommen mit zu verstaubten, unkreativen, kaum koordinierten Aktionen gar nicht gut weg. Die Studenten schlagen vor, den Auftritt zu verbessern.

Schwäbische Soirée in Berlin

Eine neunköpfige studentische Gruppierung, unter Leitung von Dr. Lars Schatilow, erforschte wissenschaftlich, warum der lang geplante Ausbau der Bundesstraßen 30/31 bisher nicht passiert ist. Dafür recherchierten die Studenten, führten Gespräche mit Experten, reisten nach Berlin und veranstalteten dort eine schwäbische Soirée, mit dem Zweck die Bundespolitik auf das Straßenbauprojekt aufmerksam zu machen. In Friedrichshafen haben sie ihre Ergebnisse jetzt präsentiert, Versäumnisse der beteiligten Personen aufgezeigt und Lösungsvorschläge und ein Logo für eine Kampagne vorgestellt

Kampagnen-Fragen

Als zielführend sahen die Studenten die Zusammenarbeit mit Experten aus der Lobbyingpraxis, Kampagnenprofis und Verkehrspolitikern an. Sie schafften es, das Problem – jenseits von Plänen, Verfahren und Verwaltungsdeutsch – anschaulich zu machen. Ihre Fragen, die die Dringlichkeit des Bundesstraßenbaus unterstreichen, lauteten: „Wie lang wäre der Stau des täglichen LKW-Verkehrsaufkommens wenn man ihn aneinander reihen würde ?“ Die Antwort heißt nicht etwa 35 Kilometer, sondern „Von Berlin-Friedrichstadt bis Postdam“ oder „von Tettnang bis nach Bregenz.“

Straßen(nicht)bau klimaschädlich

Nächste Frage: „Was haben 730.000 Bäume und der Ausbau der B 31 gemeinsam?“ Die Antwort: „Beide reduzieren die CO2-Emissionen um 9.230 t pro Jahr.“ Oder: „Wie viele Tankfüllungen würde der Ausbau der Bundesstraßen sparen?“ Die Antwort: „73.000 Tankfüllungen gemessen am Verbrauch eines Golf V.“ Solche Sätze hat die Region bisher noch nicht gehört. Sie sind neu. Politiker und Bürgermeister sprechen anders.

Problem für Außenstehende nicht wahrnehmbar

Die Studenten sind bei ihrer Forschungsarbeit zu folgendem Schluss gekommen: „Das Problem ist nicht zentralisiert beobacht- und somit für Außenstehende nicht als großes Problem wahrnehmbar.“ Als Lösungen schlagen sie vor: PR-Arbeit, das heißt Erstellung und Verbreitung von Informationen, Mobilisierungskampagne zum Bundesstraßenausbau, Fundraising-Aktivitäten zum Bundestraßenausbau,einen Planungsstab für Aktivitäten in Berlin sowie Monitoring und Intervention der Bundespolitik. Die Botschaft heißt: Tut etwas und macht es anders als bisher.

Stärkere überregionale Kommunikation

Die Studenten haben so einiges herausgefunden und behaupten zum Beispiel: „Geschlossenes und einheitliches Auftreten beim Bund ist bisher nicht möglich gewesen und nicht erfolgt.“ Diese Feststellung ist wenig schmeichelhaft. Sie schlagen vor: „Stärkere überregionale Kommunikation und Schärfung des Profils der Bodenseeregion, Hervorhebung der Bedeutung für das Bundesland und Süddeutschland.“ Die Studenten fordern ein Spitzentreffen in der Landesvertretung Baden-Württemberg. Akteure wären, so der Vorschlag, Journalisten, Wirtschaft, Mandatsträger und Bürgermeister. Die Zielvorgabe heißt: „Realisierung medienwirksamer Methoden und Handlungsverpflichtung der Zielpersonen.“

Kein professionelles Lobbying

Mit dem, was bisher passiert ist, sind die Nachwuchswissenschaftler, was sich aus der Analyse ergibt, nicht einverstanden. Sie sagen: „Die bisherigen Maßnahmen der Region widersprechen den Erkenntnissen zum professionellen Lobbying und Public Affairs.“ Belege seien das Desinteresse der überregionalen Medien und Touristen würden für einen geordneten Protest und Unterstützung nicht erreicht. Die regionale Berichterstattung behandle den Ausbau vornehmlich als ein städtisches Thema: Folgen für die gesamte Region sowie das Bundesland würden nicht thematisiert.

Spannend wäre der gesamte Vortrag nicht nur für die Köpfe der Region, sondern für alle, die mitreden möchten.

Foto: Zeppelin University, Screenshot aus Präsentation

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