Ausflugsschiffe der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft angeblich zu schnell

Arbeitsgruppe Bodenseeufer kritisiert hohes Tempo von Schiffen und weist auf Schäden am Seeufer hin

Konstanz/Ermatingen/Schaffhausen (wak) Angeblich fahren Fahrgastschiffe zwischen Ermatingen und Konstanz viel zu schnell. Das bemängelt die Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU). Die Wissenschaftler sagen, sie hätten das Tempo von Schiffen der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein gemessen. Die Folge des schnellen Fahrens seien Schäden am Ufer. Die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein erklärte dazu: „Wir finden es unglücklich, dass die AGBU nicht das direkte Gespräch mit uns gesucht; sondern den Weg via Medien an die Öffentlichkeit gewählt hat. Selbstverständlich nehmen wir die von der AGBU erhobenen Vorwürfe ernst.“

Wissenschaftler beklagen Erosionsschäden am Ufer

Die Arbeitsgruppe Bodenseeufer behauptet, da der Fahrplan nicht an die Bestimmungen der Bodenseeschifffahrtsordnung angepasst sei, müssten die Schiffe viel schneller fahren als es erlaubt sei. Die AGBU vermutet Schäden am Ufer. „An den Ufern des Seerheins sind immer wieder und an vielen Stellen Erosionen zu beobachten“, heißt es in einer Mitteilung der AGBU. Erst im letzten Winter habe der Kanton Thurgau durch aufwändige Sanierungsmaßnahmen Erosionsschäden am Ufer westlich Gottlieben auf einer Länge von etwa 300 Metern beseitigt. Die Kosten hätten laut Amt für Umwelt etwa 157.000 Schweizer Franken (etwa 110.000 Euro) betragen.

Bootsschifffahrt als Verursacher

Auch am Ufer des Wollmatinger Rieds gebe es zwischen Konstanz und den vorgelagerten Inseln Erosionskanten von bis über einem Meter Höhe. „Auf der Tägermoos-Seite sieht es auch nicht viel besser aus“, so die AGBU. Neben den natürlichen Ursachen Wind und Wellen sieht die AGBU auch die Bootsschifffahrt als Verursacher. Deshalb Wolfgang Ostendorp und Michael Dienst die Geschwindigkeit der Fahrgastschiffe der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein gemessen.

Tempomessung mit GPS-Gerät

„Tatsächlich fuhren zum Beispiel die ,Schaffhausen‘ und die ,Munot‘ zwischen Ermatingen und Konstanz-Paradies meist deutlich über 15 km/h“, heißt es seitens der AGBU. Erlaubt sind gemäß der für alle Anrainerstaaten geltenden Bodenseeschifffahrts­ordnung (BSO) aber lediglich 10 km/h stromaufwärts. „Die tatsächlichen Höchstwerte lagen bei 18 km/h“, so die AGBU. Die Messungen haben Ostendorp und Dienst auf einem GPS-Gerät festgehalten. Sie seien also beweiskräftig. Anfragen beim Schifffahrtsamt Konstanz und dem Schweizer Bundesamt für Verkehr hätten ergeben, dass es derzeit keine Ausnahmegenehmigungen gebe, also auch keine für Fahrgastschiffe. Die AGBU vermutet nun, dass die Schiffe zwischen Ermatingen und Konstanz schon seit vielen Jahren regelmäßig zu schnell fahren. „Um den Fahrplan auf der Strecke Schaffhausen-Konstanz einhalten zu können, müssen sie deutlich mehr als den erlaubten 10 km/h fahren“, so die AGBU.

Schweizer irritiert über AGBU

Thomas Rist, Leiter Geschäftsstelle der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (Urh) erklärte dazu gegenüber See-Online: „Da unser Direktor und unser Verwaltungsratspräsident momentan in den Ferien sind, können wir zur Zeit keine Stellungsnahme abgeben. Wir können im Moment nur so viel sagen: Wir sind sehr erstaunt über die Medienmitteilung der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU). Wir finden es unglücklich, dass die AGBU nicht das direkte Gespräch mit uns gesucht; sondern den Weg via Medien an die Öffentlichkeit gewählt hat.“ Weiter heißt es: „Selbstverständlich nehmen wir die von der AGBU erhobenen Vorwürfe ernst. Wir werden die Situation überprüfen und danach notwendige Massnahmen umsetzen“

Die Arbeitsgruppe Bodenseeufer hat zu diesem Thema einen Artikel auf ihre Homepage gestellt.

Fotos: AGBU/ Geschwindigkeit (17,1 km/h, im oberen linken Anzeigefenster des GPS) der MS Schaffhausen am 08.06.2010 (17:13 h) zwischen Ermatingen und Gottlieben (im Bild rechts hinten: Triboltingen) [GPS-Uhr geht unserer Sommerzeit 2 Std. nach]/ Erosionsschäden an der Insel Langenrain (Wollmatinger Ried).

Ein Kommentar to “Ausflugsschiffe der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft angeblich zu schnell”

  1. Fenedig
    7. August 2010 at 10:10 #

    Es ist zeitgemäss, gleich mit den Medien zu spielen, ohne den erklärten „Gegner“ zuerst zu konsultieren. So bringt man sich wiedermal offensiv ins Gespräch. Das weiss natürlich auch die AGBU. Naturschutz gelingt aber nur in Zusammenarbeit. Entstehen Probleme, sind die „vermeintlichen Verursacher“ erste Adresse zur Klärung. Ob sie dann auch die alleinigen „Angeklagten“ bleiben, wird sich zumindest bei fliessenden Gewässern wohl nur bedingt beweisen lassen: Unterschiedlich hohe Wasserstände und Fliessgeschwindigkeiten mischen ebenso bei Erosion mit. Erodieren sollte jedoch nie die Kooperation zwischen Wissenschaft und Verkehr auf dem Wasser. Das lässt sich sogar ohne GPS vermeiden!

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