Bester Riesling Badens kommt vom Staatsweingut Meersburg

Zeitschrift weinwelt verleiht Riesling-Preis 2010 Doppelsieg für die Pfalz

Meersburg/Neustadt/Weinstraße (wak) Bevor die Zeitschrift weinwelt den Riesling-Preis 2010 vergeben und die Top-Weine ausgezeichnet hat, verkostete eine 78-köpfige Experten-Jury die Weine. Die besten Rieslinge Deutschlands kommen zwar aus der Pfalz, der beste aus Baden aber vom Staatsweingut in Meersburg. Der 2009 Riesling Hohentwieler Olgaberg trocken vom Staatsweingut Meersburg wurde mit 89 Punkten zum besten Riesling aus Baden gekürt.

Prämierter Riesling fast ausverkauft

Das Urteil der Jury lautete: „Vom Bodensee kommt der Spitzenreiter aus Baden: kühle Art, zart grüne Aromen, zart, filigran und doch tiefgründig.“ Über die Auszeichnung mächtig gefreut hat sich selbstverständlich auch Jürgen Dietrich, Leiter des Staatsweinguts in Meersburg. Für Weinfreunde hat Dietrich hingegen eine nicht ganz so schöne Nachricht. Er sagte: „Der Riesling ist so gut wie ausverkauft.“ Als das Staatsweingut seine Rieslingflaschen zur Verkostung auf die Reise schickte, lagerten noch genug Flaschen im Keller. In diesem Jahr war der Riesling des Staatsweinguts auch deswegen besonders schnell ausverkauft, weil es in Meersburg nach den Hagelsturm vom 26. Mai 2009 keinen Riesling gab. Die Reben in der Lage Bengel waren zerstört.

Bodensee profitiert vom Klimawandel

Der Trend übrigens auch am Bodensee zum Riesling, um den es ja gerade international einen echten Hype gibt. Insgesamt profitiert der Rieslinganbau am Bodensee vom Klimawandel, sagte Dietrich. Die Vegetationsdauer hat sich verlängert und es ist wärmer geworden. Zeiten, in denen früh Nebel aufzog und die Reifezeit der Trauben vorzeitig beendete, sind auch am Bodensee seit Jahren vorbei. Auch das Weingut Aufricht und die markgräflichen Kellermeister füllen mittlerweile Riesling ab. Traditionell steht der Riesling nur an den aller besten Lagen“, sagte Dietrich.

1300 Riesling-Weine verkostet

Bei der größten jahrgangsbezogenen Riesling-Verkostung, die alljährlich die Zeitschrift weinwelt organisiert, feierte aber die Pfalz in diesem Jahr einen besonderen Triumph: Gleich zwei pfälzische Weingüter konnten die Gaumen der kritischen Experten-Jury mit ihren Weinen überzeugen und wurden mit dem weinwelt Riesling-Preis ausgezeichnet. In diesem Jahr wurden rund 1300 Riesling-Weine des Jahrgangs 2009 in einer dreitägigen Marathon-Verkostung degustiert. Die Bewertung erfolgte in einer verdeckten Verkostung durch eine 78-köpfige Experten-Jury, darunter Sommeliers, Oenologen, Winzer, Kellermeister, Fachhändler und Fachjournalisten. Um mögliche Verkostungsschwankungen auszugleichen, wurde jeder Flight in einer zweiten Runde nachverkostet. In einer Finalprobe wurden schließlich die besten 40 Rieslinge noch einmal von einer achtköpfigen Jury unter die Lupe genommen und die Siegerweine ermittelt.

Die Verkostungs-Sieger

Zum „Riesling des Jahres 2010“ wählten die Juroren den 2009er Riesling „Auf der Mauer“ trocken vom Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan in Deidesheim. Er überzeugte mit durchgängiger Mineralität, viel saftigem Pfirsich und Aprikose sowie einer zarten Honignote und erhielt 93 von 100 Punkten. Lorbeeren für die „Riesling-Kollektion des Jahres 2010“ erntete das Weingut Rings in Freinsheim. Stellvertretend für die herausragende Kollektion steht der mit 93 Punkten höchstbewertete trockene Wein der Kollektion: 2009 Riesling Kallstadter Saumagen trocken. Er besticht mit kalkig-mineralischer Nase, knackigem weißen Pfirsich, Grapefruit, Mirabelle und kühler Würze.

Beste Rieslinge aus Regionen Rheinhessen und Baden

Der beste Rheinhesse der Probe (91 Punkte) und „Riesling-Entdeckung des Jahres 2010“ ist der 2009er Riesling Saulheimer Schlossberg trocken vom Winzerhof Thörle. Ein üppiger Wein mit sehr eigenständiger Nase, kühler Mineralität und eleganter Frucht, dabei saftig, dicht und gut strukturiert – so das Urteil der Verkoster. Den Sonderpreis „Riesling des Jahres 2010 im Lebensmitteleinzelhandel“ vergaben die Fachleute an den 2009er Riesling Ürziger Würzgarten „Goldschild“ Spätlese trocken von der Moselland eG. Er konnte die Experten mit feiner Mineralität, frischer Zitrusnote sowie saftigem Körper für sich gewinnen und errang 85 Punkte. Der 2009 Riesling Hohentwieler Olgaberg trocken vom Staatsweingut Meersburg wurde mit 89 Punkten bester Riesling Badens.

Der Riesling-Jahrgang 2009

Angesichts der idealen Bedingungen im letzten Herbst, hatten bereits viele prophezeit, dass der 2009er Jahrgang das Beste sei, was man seit langem geerntet hat. Ein unbestrittener Jahrhundert-Jahrgang ist er nach Meinung der weinwelt-Experten jedoch nicht. Sie fanden teils sehr hohe Alkoholgrade und auch sehr säurebetonte Weine auf den Verkostungstischen. „Für einen generell großen Riesling-Jahrgang fehlt in der Breite schlicht und ergreifend etwas der Feinschliff. Viel Kraft, Saft und Rasse, aber eben nur selten die nötige Eleganz und Finesse“, so Ilka Lindemann, Chefredakteurin der weinwelt. Die 150 besten Weine der weinwelt-Rieslingverkostung präsentiert die Redaktion in der aktuellen Ausgabe von weinwelt.

Foto: weinwelt/ So sehen Gewinner aus.

Ein Kommentar to “Bester Riesling Badens kommt vom Staatsweingut Meersburg”

  1. Fenedig
    6. August 2010 at 10:13 #

    Die Frage ist, ob der Riesling schon allein wegen der Klimaveränderung auch zu einem „Bodenseewein“ werden kann und soll. Die besten klassischen Rieslinge wachsen nun mal in der Rheingegend, ggf. an der Mosel. Vielleicht lohnt es sich wieder – neben dem etablierten gebietstypischen Bodenseeduo Müller Thurgau und Blauer Spätburgunder (dieser in Deutschland urkundlich zuerst 884 in Bodman erwähnt!) – vermehrt ehemals heimische Sorten, wie Ruländer (Grauburgunder), Elbling oder Gutedel usw. mit jetzt modernen Methoden zu vinifizieren. Dabei kann nebenbei der Anbau neu gezüchteter Sorten, die heute von allen Instituten zuhauf angeboten werden, durchaus auch mal Sinn machen. Gerade junge Winzer experimentieren nun mal gerne über ihre Väter hinaus. Aber das regional typische Sortiment sollte als Markenzeichen Bestand haben und weiter entwickelt werden. Andererseits ist „Wein“ halt auch zu einem Modeartikel mit allen guten und weniger guten Entwicklungen geworden – wie vieles.

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