Biogas für 1000 Haushalte aus Kißlegg im Allgäu

Erste Modellanlage in Deutschland im Testbetrieb

Kißlegg (red) Bei der Produktion von Biogas nimmt die Region Allgäu-Oberschwaben eine Vorreiterrolle ein. Rund 2,8 Millionen Euro investieren zum Beispiel aktuell die Vertriebs- und Netzgesellschaft der Thüga in den Bau einer hochmodernen Aufbereitungsanlage für Biogas mit Membrantechnik. Im Mai nimmt die bundesweit einzigartige Anlage ihren Testbetrieb auf.

Biogas für 1000 Haushalte aus Kißlegg

Derzeit laufen im Kißlegger Ortsteil Rahmhaus die letzten Arbeiten zur Errichtung der Biogas-Aufbereitungsanlage. Insgesamt 2,1 Millionen Euro investiert die Thüga Energie GmbH für den Bau der Anlage. Weitere 700.000 Euro sind für den Netzanschluss notwendig. Denn das in Kißlegg produzierte hochwertige Biogas soll nach dem Probebetrieb ins Netz der Thüga Energienetze GmbH eingespeist werden. „Mit dem Biogas aus Kißlegg können wir zukünftig rund 1.000 Haushalte versorgen“, sagt Dr. Jürgen Becker, Geschäftsführer Thüga Energie GmbH.

Membrantechnik ist effizienteres Verfahren

Technologisch betritt die Thüga mit der Biogasaufbereitungsanlage in Kißlegg Neuland. Die dort eingesetzte innovative Membrantechnik des Anlagenbauers Envio ermöglicht die Aufbereitung des Gases ohne die Verwendung chemischer Reinigungsmittel. „Das neue Reinigungsverfahren für Biogas ist zum einen ökologisch nachhaltiger, zum anderen aber auch wirtschaftlich deutlich effizienter als herkömmliche Verfahren zur Biogasaufbereitung“, erklärt York-Alexander Batsch, Leiter Erneuerbare Energien- und Anlagentechnik bei der Thüga AG in München.

Biogas muss wie Strom ins Netz

Auch bei der energetischen Nutzung von Biogas eröffnet das qualitativ hochwertige Biogas neue Möglichkeiten. Bisher wird es vor allem in dezentralen Blockheizkraftwerken eingesetzt, um im ländlichen Raum mittels Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme zu erzeugen. Während der Strom in das Stromnetz eingespeist wird, fehlen für die Wärme häufig geeignete Einsatzmöglichkeiten. Die Biogasaufbereitung und die anschließende Einspeisung in das Gasnetz sind der Schlüssel zur optimalen Nutzung des Energieträgers. „Einmal ins Netz eingespeist, kann das Biogas unabhängig vom Ort seiner Produktion in Wärme, Strom oder Kraftstoff umgewandelt werden“, so Projektleiter York-Alexander Batsch.

Thüga kümmert sich um die Einspeisung

Die Thüga ist für den Betrieb der Aufbereitungsanlage und die Einspeisung ins Netz zuständig. Die Produktion des Biogases liegt in den Händen der in Kißlegg ansässigen Firma Biologische Reststoff Verwertung GmbH. „Wir sind auf die Verwertung von nicht mehr für den Verzehr geeigneter Lebensmittel spezialisiert“, sagt Franz Rupp, Geschäftsführer der Biologische Reststoff Verwertung GmbH. Eine eigene LKW-Flotte sammelt die Rohstoffe bei den verschiedenen Kunden in der Umgebung ein und liefert sie anschließend zur Energiegewinnung an. In der Biogasanlage in Kißlegg werden die Lebensmittelabfälle dann vergoren, es entsteht ein herkömmliches Biogasgemisch (Rohbiogas).

Aufbereitung von Rohbiogas bei Biologische Reststoff Verwertung GmbH

Das besteht zu rund 60 Prozent aus dem hochwertigen Methangas, weist aber auch unerwünschte Inhaltsstoffe wie beispielsweise Kohlendioxid, Wasserstoff und Schwefel auf. „Die Aufbereitung erfolgt in mehreren Schritten. In unserer Anlage trocknen und entschwefeln wir das Rohbiogas zunächst und trennen anschließend das Kohlendioxid ab; am Ende des Prozesses weist das so aufbereitete Biogas in Bezug auf Trockenheit, Druck und Brennwert vergleichbare Eigenschaften wie Erdgas auf“, sagt York-Alexander Batsch von der Thüga AG.

Dezentrale Biogaserzeugung

Biogas spielt schon heute eine wichtige Rolle bei der nachhaltigen Versorgung mit erneuerbaren Energien. Vorteile der dezentralen Biogaserzeugung sind die geringen Transportentfernungen für die Biomasse, geschlossene Nährstoffkreisläufe, regionale Wertschöpfung sowie Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen insbesondere in strukturschwachen, ländlichen Regionen.

Kunden fragen nach erneuerbaren Energien

Das dort erzeugte und ins Netz eingespeiste Biogas steht allen Kunden der Thüga zur Verfügung. „Erneuerbare Energien werden von den Kunden verstärkt nachgefragt und sind wichtiger Bestandteil unseres Angebots“, sagt Friedrich König, Mitglied der Geschäftsleitung Thüga Energienetze GmbH. Das Gasnetz des regionalen Energieversorgers erstreckt sich von Kirchberg an der Iller ganz im Norden über die Gemeinden Bad Waldsee, Bad Wurzach, Isny, Kißlegg, Wangen, Neukirch und Tettnang bis zu den Bodenseegemeinden Eriskirch, Langenargen und Kressbronn.

Die Thüga Energie GmbH und die Thüga Energienetze GmbH sind Unternehmen der Thüga-Gruppe, dem deutschlandweit größten Netzwerk kommunaler Energieversorger. Die Thüga-Gruppe ist in zwölf Bundesländern mit rund 110 Partnerunternehmen vertreten. Insgesamt arbeiten 19.200 Mitarbeiter in der Thüga-Gruppe, die über 2,9 Millionen Erdgas- und rund 3,5 Millionen Stromkunden versorgt.

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