Bleiben Sipplinger nach Hangrutsch auf Kosten sitzen?

Gefahr in Verzug in SipplingenSipplingen. Die Hangrutschgefahr ist in Sipplingen noch nicht gebannt. Auch die vergangene Nacht mussten Bewohner des evakuierten Wohnhauses wieder in einer fremden Wohnung verbringen. Seit Wochen leben sie damit, dass der Hang hinter ihrem Haus, zur Bedrohung geworden ist. Noch vollkommen unklar ist auch, wer für die Sicherung des rutschenden Hanges bezahlen wird.

Sicherungsarbeiten am Hang

Ein Minibagger trägt Schaufel um Schaufel Geröll und Erde am bröckelnden Hang ab  und entleert seine Schaufel in einen orangefarbenen Container. Der Container schwebt am Arm eines kolossalen Krans über die Häuser hinweg schließlich nach unten auf die B 31 alt. Die Gefahrenzone ist mindestens bis gestern für Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger gesperrt gewesen. Einzelne Personen wichen fahrlässigerweise auf die Gleise der Bodenseegürtelbahn aus.

Landtagsabgeordneter will Anwohnern beistehen

Martin Hahn (Grüne), Landtagsabgeordneter für den Bodenseekreis, hat sich bei einem Vor-Ort-Termin in Sipplingen am Mittwochabend ein Bild von der Lage in der Gemeinde verschafft. Der Sipplinger Bürgermeister Anselm Neher und persönlich betroffene Anwohner informierten den Landtagsabgeordneten über die vom Hangrutsch ausgehende Gefahr und über den Stand der Sicherungsarbeiten am gefährdeten Hang oberhalb der B 31 alt.

Abgeordneter kommt nicht mit Hilfsfonds

Martin Hahn sagte in Sipplingen: „Konkrete Versprechungen kann ich Ihnen nicht machen.“ Er sei nach Sipplingen gekommen, um sich zunächst persönlich über die Lage zu informieren und um in Stuttgart die Problematik ansprechen zu können. Ob die Anwohner – ähnlich wie Hochwasseropfer – möglicherweise mit Unterstützung – in diesem Fall durch das Land – rechnen könnten, wisse er nicht. Er werde sich aber kundig machen und sich für die Betroffenen einsetzen.

Haus nicht bewohnbar

Die Situation in Sipplingen ist auch am Mittwochabend immer noch angespannt gewesen. Die Bewohner des evakuierten Hauses mussten auch die Nacht zum heutigen Donnerstag wieder außerhalb ihres Hauses verbringen. Dass sie in ihre Wohnungen zurückkehren, bevor der Hang endgültig gesichert ist, konnten sie sich am Mittwochabend nicht vorstellen. Die Bundesstraße 31 alt war am Mittwoch ebenfalls noch gesperrt – der Bahnverkehr durch Sipplingen war eingestellt.

Gefahr in Verzug

Bürgermeister Anselm Neher sagte, dass die größte Gefahr, dass der Hang kollabiert und auf einmal auf die Straße rutscht, bestehe aktuell nicht mehr. Solang Gefahr in Verzug sei, bleibe die Ortsdurchfahrt aber gesperrt. Die Ortspolizeibehörde habe nach dem erneuten Rutschen die Evakuierung des Hauses unterhalb des gefährdeten Süßwassermolassehanges angeordnet. Dass auch der Zugverkehr eingestellt worden ist, habe die Bahn entschieden.

Versicherungen wollen nicht zahlen

Noch ist nach Aussage von Anselm Neher unklar, wer die Kosten für die Sicherungsarbeiten tragen muss. Der rutschende Hang ist in Privatbesitz. Insgesamt seien sieben Eigentümer betroffen. Nach aktuellem Stand müssten Gemeinde und Eigentümer für die Kosten aufkommen. Das Landratsamt schieße das Geld nur vor. Ein Anwohner sagte, dass die Elementarschadensversicherung nicht einspringen wolle. Die Versicherung bezahle nur für Schäden am Gebäude, nicht aber für die Hangsicherung. Das bedeutet: Sollte der Hang ins Rutschen geraten und die Erdmassen das Gebäude erdrücken und zum Einsturz bringen, würde die Versicherung für den Totalschaden am Haus aufkommen. Die Sicherung des Hanges aber deckt die Versicherung nicht ab. Martin Hahn schlug vor, der Versicherung ein konkretes Angebot zu machen und zu verhandeln. Er sagte: „Die Anwohner betreiben im Interesse der Versicherung Schadensbegrenzung.“

Anwohner in Sipplingen teilen ihre Sorgen mit

 

Minibagger im Hang in SipplingenAm heutigen Donnerstag soll die Lage erneut beraten und entschieden werden, ob die B 31 wieder geöffnet werden kann. 

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