Blumeninsel Mainau spart auf Website Nazi-Zeit und Kriegsende nicht mehr aus

Junge Generation der Bernadottes kann sich Gedenkstein vorstellen – 33 ehemalige französische KZ-Häftlinge starben auf Insel

Konstanz. Politisch korrekt spart die Mainau auf ihrer Website das Zeitalter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und die Nachkriegsjahre nun nicht mehr aus. Die Familie Bernadotte hat damit auf öffentlichen Druck reagiert. 33 ehemalige französische KZ-Häftlinge waren nach 1945 auf der Insel verstorben, wo sie genesen sollten. Zunächst waren die Verstorbenen auf der Insel begraben. Später ließ sie der damalige Inselherr, Graf Lennart Bernadotte, auf den Konstanzer Hauptfriedhof umbetten und zwischen 1947 und 1949 wurden die sterblichen Überreste dann nach Frankreich überführt. Zu finden ist der Text auf der Website der Mainau unter „Insel Impressionen“ und dort unter der Kategorie „Chronik“. 

Mainau hat Insel-Chronik neu geschrieben

In der vergangenen Woche teilte die Mainau mit, sie habe im Zuge der „Vervollständigung der Darstellung der jüngeren Inselgeschichte“ ihre Online-Chronik überarbeitet. Die neue Darstellung informiere über den Gesamtzusammenhang der langen Inselgeschichte und umfasse auch die Zeitspanne zwischen 1930 und 1945, sowie die frühen Nachkriegsjahre. In dem Text steht zum Beispiel auch, dass die Mainau in den Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg vom staatlich gelenkten Tourismus der „Kraft durch Freude“-Reisen, die tausende Besucher auf die Insel brachten. Außerdem ist der Beitrag um das Kapitel der KZ-Häftlinge ergänzt worden.

Historiker aufgrund öffentlichen Drucks beauftragt

Auf Anregung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Konstanz e.V. beschäftigt sich die Mainau-Verwaltung, wie sie mitteilte, seit einiger Zeit mit der Zeitgeschichte der Insel und erarbeitet mit drei Fachberatern, drei Historikern der Bodenseeregion, Prof. Dr. Lothar Burchardt, Dr. Tobias Engelsing und Dr. habil Jürgen Klöckler, auch ein Konzept für ein Erinnerungszeichen an 33 ehemalige französische KZ-Häftlinge, die nach Kriegsende zu Genesungszwecken auf die Insel gebracht wurden und an den Folgen ihres KZ-Aufenthalts hier verstarben.

Junge Generation verdrängt Vergangenheit nicht

„Wir können uns ein gut gestaltetes Erinnerungszeichen, zum Beispiel einen Stein mit den Namen der hier Verstorbenen, vorstellen“, sagte Mainau-Geschäftsführerin Bettina Gräfin Bernadotte über den Stand der Planungen, die vorsehen, einen Stein mit ergänzender Informationstafel im Herbst dieses Jahres der Öffentlichkeit zu übergeben. Bereits begonnen worden sei auch mit der „Sichtung bekannten Archivmaterials“ sowie der Suche nach neuen Quellen, unter anderem in Schweden und in Frankreich.

Organisation Todt streckte Finger nach Mainau aus

Während der Kriegsjahre, als Lennart Graf Bernadotte die Insel Mainau als Bevollmächtigter verwaltete und in seiner schwedischen Heimat arbeitete, wurde die Insel zunächst von einem ortsansässigen Verwalter touristisch bewirtschaftet und ab 1943 an die Organisation Todt, eine Institution des damaligen NS-Staats, verpachtet. Die bautechnische Organisation des Rüstungsministeriums wollte die Mainau für die Dauer des Krieges pachten und dort ein Erholungsheim für Offiziere und Industrielle einrichten. Kurz vor Kriegsende wurden auf Weisung des Auswärtigen Amts in Berlin französische Kollaborateure des NS-Regimes auf der Insel einquartiert.

Französische KZ-Häftlinge sollten sich nach 1945 erholen

Mit dem Kriegsende in der westlichen Bodenseeregion im April 1945 übernahm die französische Militärregierung auch die Insel Mainau. Kurz darauf wurden ehemalige französische KZ-Häftlinge zu Genesungszwecken auf die Insel gebracht, von denen einige an den Folgen auf der Mainau verstarben und vorübergehend auf der Insel begraben wurden. Dieser Bestattungsort wurde später auf Betreiben des Eigentümers der Insel aufgehoben, die Verstorbenen auf den Konstanzer Friedhof umgebettet und später in ihre Heimat überführt, soweit die Medienmitteilung der Mainau.

Hier geht’s zur Insel Mainau www.mainau.de

Foto: Mainau

Ein Kommentar to “Blumeninsel Mainau spart auf Website Nazi-Zeit und Kriegsende nicht mehr aus”

  1. dk
    30. April 2012 at 11:17 #

    Der zentrale Abschnitt der Mainau-Website zu diesem Thema, der ein Gesamtbild der Situation entstehen lässt:

    “ … Mit dem 26. April 1945 begann für Konstanz und Umgebung eine neue Ära: Die Region wurde Teil der französischen Besatzungszone. Mitte Mai 1945 wurden die Inseln Mainau und Reichenau geräumt. Die Inseln wurden ausgewählt für die Unterbringung und Erholung von aus dem KZ Dachau befreiten französischen Häftlingen. Insgesamt wurden mehrere tausend Häftlinge an den Bodensee gebracht, davon die meisten auf die Reichenau. Auf der Mainau standen das Schloss und die von der Organisation Todt errichteten Baracken inzwischen leer. Sie dienten nun als Unterkunft vor allem für schwerkranke und besonders geschwächte ehemalige KZ-Häftlinge, die von französischen Ärzten sowie französischen und deutschen Krankenschwestern nach neuesten Gesichtspunkten behandelt, gepflegt und betreut wurden. Doch für 33 von ihnen kam jede Hilfe zu spät. Trotz guter Pflege starben sie während ihres Aufenthaltes auf der Mainau … „

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