Bodensee-Apfelsaison eröffnet – Miese Ernte

Klasse statt Masse bei der Obsternte – Märkte nicht mit Übersee-Äpfel vollgestopft

Ravensburg. In der Obstregion Bodensee wird von der diesjährigen Apfelernte ein Ertrag von 220.000 Tonnen erwartet. Das sind 17 Prozent weniger als im Vorjahr, aber in etwa so viel wie im mehrjährigen Durchschnitt. Das wurde bei der gestrigen offiziellen Eröffnung der Bodensee-Apfelsaison beim Bio-Obstgroßmarkt der BayWa AG in Ravensburg bekannt.

Minister lobt Äpfel vom Bodensee

„Die geringe Ernte wird den Markt eher beleben als es im Vorjahr der Fall war“, erhofft sich Dietmar Bahler, Leiter der Sparte Obst der BaWa, dadurch stabilere Preise. Zuvor hatte Minister Rudolf Köberle Bodenseeäpfel als Spitzenprodukte der heimischen Landwirtschaft gelobt und dies als Verdienst der Obstbauern bezeichnet. Statistisch beläuft sich der Apfelverbrauch in Deutschland auf über 30 Kilogramm pro Kopf, ein Konsum, der steigerbar sei, wie Köberle bemerkte.

Märkte nicht mit Übersee-Ware verstopft

Vollkommen verändert stellt sich zu Beginn dieser Saison die Situation für die Vermarkter im Vergleich zum vergangenen Jahr dar. Waren damals die Märkte durch Übersee-Ware verstopft, sind aktuell europäische Äpfel so gut wie ausverkauft, sehen sich die Anbieter einer extrem guten Nachfrage gegenüber.

Europaweit geringere Ernte

Europaweit ist die Ernte so gering wie seit 2007 nicht mehr. Der Mengenrückgang (obwohl bislang keine Hagelschäden zu beklagen waren) betrifft alle Sorten, vor allem aber die „Brotsorten“ am Bodensee, Jonagold und Elstar. Dennoch: „Es wird genügend Äpfel vom Bodensee in hervorragender Qualität geben“, kündigte Dietmar Bahler an, der erinnerte, dass das Wetter für Äpfel eigentlich sehr gut gewesen sei. Äpfel liebten ein eher ausgeglichenes Klima mit genügend Niederschlag und nicht zu heiße Temperaturen. Dann stimmten die Inhaltsstoffe und die Optik. Weiter an Bedeutung verlieren alte Sorten wie Cox, Boskoop oder Morgendurft, während neue Sorten wie Fuji oder Cripps Pink zunehmen.

Öko-Äpfel auf Vormarsch

Im Bio-Obstgroßmarkt der BayWa, wo gestern auch die neue Sortier- und Packstation für Kernobst aus ökologischem Anbau in Betrieb genommen wurde, lobte der Vorsitzende der Obstregion Bodensee, Helmut Jäger, BayWa mit der Marktgemeinschaft Bodenseeobst und der ÖkoBo lägen beim Gesamtaufkommen an Bio-Äpfeln mit geschätzten rund 12 000 Tonnen an der Spitze aller deutschen Anbauregionen. Der integrierte und der Bio-Anbau stünden sich nicht im Weg, sondern ergänze sich, bemerkte er. Der wachsende Bio-Markt verspricht sich von der älter werdenden Gesellschaft Vorteile: Die, so hofft man, werde sich bewusster ernähren, und den teureren Bio-Apfel kaufen.

Am Markt 44 Cent pro Kilo akzeptiert

Kritisch äußerte sich Jäger zu den Preisen, die sich auf dem Niveau der zweiten Hälfte der 90er Jahre oder Mitte der 70er Jahre bewegten. „Der durchschnittliche Abgangspreis unserer ertragsmäßig wichtigsten Sorte Jonagold in den vergangenen 20 Jahren liegt bei 44 Cent pro Kilo. Das ist der Verkaufspreis ohne Mehrwertsteuer, den der Kunde an uns zu zahlen bereit ist. Der Erzeugerpreis liegt nochmals deutlich darunter. In der abgelaufenen Saison sind wir auf ganze 32,5 Cent gekommen“, klagte er.

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