Bodensee Katamarane pendeln seit fünf Jahren

Konstanzer Stadtwerke und Technische Werke Friedrichshafen stehen zum Städteschiff

Konstanz/Friedrichshafen (wak) Die Oberbürgermeister der Städte Konstanz und Friedrichshafen, Horst Frank und Andreas Brand, wollen ihn. Auch die beiden Gesellschafter der Katamaran Reederei, die Konstanzer Stadtwerke und die Technischen Werke Friedrichshafen, stehen hinter dem Katamaran. Trotzdem ist das Direktschiff, das am 1. Juli fünf geworden ist, umstritten.

ÖPNV auf Zuschuss angewiesen

Vor allem in Konstanz wächst offenbar der Widerstand. Kommunalpolitiker der Linken Liste Konstanz und der Freien Grünen Liste möchten einen interfraktionellen Antrag im Gemeinderat einbringen. Die Linken sprechen vom „Eurograb Katamaran“, weil die Linie in den roten Zahlen steckt. Jedes Jahr müssen die Stadtwerke Konstanz und die TWF jeweils 400.000 Euro bezahlen, um das Defizit des Städteschiffs auszugleichen. Für die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke und der TWF, Konrad Frommer und Alfred Müllner, aber ist klar: Mit einem Kostendeckungsgrad von 75 Prozent ist der Katamaran auf Kurs.

Katmaran gehört zum Bodensee

Der Geschäftsführer der Katamaran-Reederei, Manfred Foss, hat die meisten Zahlen und Fakten im Kopf. „Genau vor fünf Jahren war Taufe auf dem See“, sagte Foss am fünften Geburtstag des Katamarans auf dem Katmaran „Fridolin“. „Die Städte haben den Katamaran bei uns bestellt“, sagte Konrad Frommer. Müllner sieht es so, die beiden großen Städte am See leisten sich einen modernen ÖPNV, Busse und Parkhäuser. Der Katamaran sei auf dem Bodensee schon nach fünf Jahren nicht mehr wegzudenken. Normalerweise dauere es sieben Jahre, bis sich eine neue Linie etabliert habe, so Frommer.

Holpriger Start des Städteschiffes

Die Geschichte des Städteschiffs begann holprig. 1998 gründeten die Konstanzer Stadtwerke und die TWF eine Gesellschaft. Im Jahr 2000 erteilte das Landratsamt Konstanz die wasserrechtliche Genehmigung. Der Katamaran war von Anfang an umstritten. Segler, Fischer und Naturschützer liefen Sturm gegen die Linie. In Konstanz gab es 2001 einen Bürgerentscheid, bei dem das Quorum verfehlt wurde. Ihre Diskussionen führten Befürworter und Gegner sehr emotional. Auch das Bundesverwaltungsgericht war mit dem Städteschiff befasst, bevor es 2005 zum ersten Mal ablegen konnte.Strittig war von Anfang an auch wie viele Fahrgäste den Katamaran nutzen würden. Optimistische Prognosen sprachen von 1500 täglich, pessimistische von 130 täglich.

Katamaran-Hysterie am Anfang

Die beiden Katamarane „Constanze“ und „Fridolin“ und die Infrastruktur in den Häfen kosteten 7,8 Millionen Euro. 3,3 Millionen Euro bezahlte das Land. Am 6. Juli 2005 nahmen die ersten beiden Schiffe den Linienverkehr auf. Die Fahrpläne sind auf Zuganbindungen nach Zürich und mit der Bodensee Oberschwaben Bahn (BOB) abgestimmt. Die erste Zeit war wild. „Katamaran fahren war ein Ereignis“, erzählt Foss und lächelt. 182 Fahrgäste nur können jeweils an Bord gehen – viele blieben im ersten halben Jahr am Pier stehen. Foss erinnert sich an eine regelrechte „Hysterie“.

99,6 Prozent der Kurse finden statt

Doch dann gab es die ersten logistischen Probleme. Wegen eines Motorenwechsels musste ein Bodenseeschiff sechs Wochen lang den Kurs fahren. Statt Tempo 40 fuhr es aber nur Tempo 22,5. Statt eines Ein- gab es nur einen Zwei-Stunden-Takt. Klar war, dass die Reederei einen dritten Katamaran brauchte. Im Februar 2007 kam „Ferdinand“ hinzu. Foss redet heute von einem „guten Miteinander“ der drei Katamarane und der Freizeitkapitäne auf dem See. Im vergangenen Jahr machte der Katamaran insgesamt 10.000 Fahrten über den Bodensee. Nur 38 Fahrten fielen aus. Das seien gerade einmal 0,4 Prozent. Mit einer Verfügbarkeit von 99,6 Prozent sei der Katamaran ein sehr zuverlässiges Verkehrsmittel. Richtig ist freilich, dass ab Windstärke 8 oder 9 für den Katamaran Schluss ist. Foss ärgert es gewaltig, dass die Medien in Zusammenhang mit Stürmen und Unwettern auf dem Bodensee gern berichten, dass die Katamaran-Linie eingestellt sei. So entstehe ein ganz falsches Bild. „Wenn es im Schwarzwald einen Sturm gibt und Bäume umknicken, sind dort die Straßen nicht mehr passierbar“, sagt Foss. Dass Linienbusse nicht mehr verkehren, ist aber nicht ganz so spektakulär und Nachrichtenjournalisten eher keine Meldung wert.

1,68 Millionen Fahrgäste in fünf Jahren

45.300 Fahrten haben die Katamarane in den ersten fünf Jahren gemacht. 1,68 Millionen Fahrgäste beförderten sie. Im Schnitt waren das 335.000 pro Jahr oder 920 pro Tag. Durchschnittlich 37 Passagiere waren je Fahrt an Bord. 70 Pendler fahren mit einer Zeitkarte und 170 nutzen eine Vielfahrerkarte. „Touristen sind eine wichtige Zielgruppe“, sagte Foss und schob gleich nach, dass das bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln so sei. Im ersten Halbjahr 2010 gingen sogar vier Prozent mehr Fahrgäste an Bord als noch 2009.

Vier Millionen Minus bis 2009

Bis zum vergangenen Jahr fuhren die Katamarane vier Millionen Euro Defizit ein, so Foss. Die Gesellschafter, also Konstanzer Stadtwerke und TWF, müssen jedes Jahr 800.000 Euro Minus ausgleichen. Das betriebswirtschaftliche Ergebnis vermasselt hat der Katamaran-Reederei zuletzt der Treibstoffpreis. Er lag im vergangenen Jahr 500.000 Euro über dem, was einmal geplant war. Dadurch schmälert sich der Gewinn, den die jeweiligen hundertprozentigen Töchter, die Verkehrsbetriebe und Energieversorger sind, an die Städte Konstanz und Friedrichshafen auszahlen können. Der Kostendeckungsgrad von 75 Prozent entspreche in etwa dem, den auch die Stadtbuslinien in Konstanz und Friedrichshafen haben. Das sagten Frommer und Müllner. „Mit ÖPNV ist kein Gewinn zu erzielen“, weiß Foss, der in Friedrichshafen auch für die Silberpfeile und die BOB zuständig ist.

Katamaran ein Vorzeigeprojekt

Für Müllner steht fest: Der Katamaran ist eines der Vorzeigeprodukte der TWF. Er schwärmte vom ICE Feeling und dem Verkehrsraum Bodensee. „Jedes Jahr sind 300.000 Menschen nicht auf der Straße.“ 300.000 säßen nicht in Bussen oder Autos und müssten nicht an der Autofähre warten. Frommer sagte, er sei über das Defizit nicht erschrocken. Der Geschäftsführer der Konstanzer Stadtwerke rechnete auch gleich noch die Umwegrentabilität der Schiffe vor. Ziel sei es allerdings, Kosten einzusparen. So zweifelt die Reederei zum Beispiel daran, ob tatsächlich zwei ausgebildete Kapitäne bei jeder Fahrt an Bord sein müssen.

Linke Liste Konstanz fordert „Ausstiegs-Szenario“

Die Linke Liste Konstanz ist derzeit Wortführerin der Katamaran-Gegner. Sie spricht von „Eurogräbern“ und fordert ein „Ausstiegsszenario“. Die Linke Liste Konstanz behauptet, dass die Katamarane bis 2012 zwölf Millionen Euro gekostet haben werden. Müllner dagegen redet lieber vom emotionalen Erlebnis Katamaran fahren. Um möglichst viele Konstanzer und Friedrichshafener neu zu begeistern, gibt es auf der Katamaran-Linie am Wochenende, 3. und 4. Juli,  einen Rabatt. „Fünf Jahre Katamaran- einfache Fahrt fünf Euro“, heißt er Slogan. Kinder zahlen die Hälfte. Normalerweise kostet eine Fahrt für Erwachsene 9,50 Euro.

Foto: Katamaran-Reederei

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