Bodensee-Trip zum Supersparpreis

Der See kostenlos oder genial günstig für Einheimische und Fremde

Konstanz (wak) „Bodensee genial günstig“ ist der Titel eines sehr nützlichen Bodensee-Guides, der in diesem Sommer frisch auf den Reiseführermarkt und an die Kioske gekommen ist. Heißen könnte der Führer genauso gut der See zu Schotten-Preisen. Denn Autor Patrick Brauns hat gleichein paar Hundert Tipps zusammengetragen, die helfen, am Bodensee nicht allzu verschwenderisch zu leben oder Urlaub zu machen. Ausschließlich bei Aldi einzukaufen, braucht deswegen aber niemand. So gesehen ist „Bodensee genial günstig“ das perfekte Sommerbuch für Einheimische und Fremde.

Ausgebuffter Bodensee Autor

Das Wichtigste zuerst: Den Bodensee-Trip für Supersparfüchse hat Patrick Brauns in zehn Kapitel zerstückelt. Sie heißen zum Beispiel Schlafen/Übernachten, Einkauf/Versorgung oder Ausflugsziele/Wanderungen. Auf den letzten beiden Seiten erfahren die Leser dann auch noch ein bisschen etwas über den Autor. Patrick Brauns ist studierter Sprach- und Politikwissenschaftler, promoviert, lebt in Konstanz und unternimmt seit vielen Jahren immer wieder Erkundungs-Ausflüge in die Bodensee-Landschaft. Zehn Bodensee-Bücher hat der Autor bereits geschrieben. Brauns berichtet von Orten und Gegebenheiten, die er kennt, was auf dem Reiseführermarkt längst nicht ganz selbstverständlich ist.

Mit Ostwind-Tageskarte bis Bad Ragaz

Wer Brauns nach dem Kapitel mit dem größten Nutzwert fragt, erfährt, dass das wohl die Seiten über Touristische Pauschalangebote sind. Brauns rechnet vor, dass wer nur zehn Mal in der Saison mit dem Schiff nach Überlingen, Romanshorn oder Stein am Rhein schippert, preislich mit der Saison Card der BSB besser bedient ist als mit Einzelfahrscheinen. Kinder zahlen sowieso nur einen symbolischen Preis. Angeschaut hat sich Brauns außer den Schiffstickets auch noch einmal die Tageskarten, die es rund um den See gibt. Herausgesucht hat er, was jeweils maximal machbar ist. Da wäre zum Beispiel die Ostwind-Tageskarte, die 42 Franken (mit Halbtax nur 21 Franken) kostet. Vom Bodensee könnte es mit dem Zug nach Bad Ragaz gehen, mit dem Bus nach Vättis mit Wanderung zum Kunkelpass, mit Bus und Zug zurück, in Sargans umsteigen und am Walensee entlang nach Rapperswil. Am See sitzen und über Wattwil und Wil zurück nach Frauenfeld.

Vom Nacktwandern und effizientem Kirchen Seeing

Der Spaßfaktor beim Schreiben war für Patrick Brauns, so erzählt er, eindeutig am höchsten, als er im Kapitel Freizeit/Gesundheit/Sport übers Nacktwandern berichtete. Anders als beim Barfußwandern können Sparfüchse so zu sagen komplett auf Trekking-Klamotten verzichten. Aber Achtung, im Kanton Appenzell Innerrhoden ist „Nacktwandern“ ein „Offizialdelikt“. Ein Bußgeld könnte den Spareffekt also im ungünstigsten Fall neutralisieren. In St. Gallen hingegen ist Nacktwandern erlaubt. Spaß machte dem Autor zum Beispiel auch, als er, wie er es sagt, „bildungsbürgerlich unkorrekt“ geworden ist und wegen der „Effizienz“ den Besuch des Konstanzer Münsters empfahl. Alle Baustile seien da auf einmal zu besichtigen, schmunzelt Brauns. Leise Ironie ist dem Autor offenbar so wenig fremd wie es die schönsten Ausflugsziele oder günstigsten Übernachtungsmöglichkeiten am Bodensee sind. Apropos übernachten: Wie wäre es im Hexenhäuschen in Allensbach ab 25 Euro für zwei Personen  oder im Eisenbahnwaggon ab 34 Euro für zwei Personen pro Nacht in Frickingen? Patrick Brauns verspricht günstige Unterkünfte in Überlingen, Uhldingen oder Kressbronn, hier fehlen aber leider präzise Angaben.

Gratis-Infos und Gratis-Tierparks

Macht nichts, dafür erzählt er über Gratiszeitungen wie das „Migros Magazin“ oder empfiehlt die Lesesäle der städtischen Bibliotheken. Wer sich online informieren will, kann das kostenlos bei den Onlinezeitungen tun. Ja, die bekanntesten Tierparks am Bodensee wie der Wildpark Bodanrück oder der Affenberg in Salem verlangen Eintritt. Es gibt aber auch Gratis-Tierparks wie den Alpenwildpark auf dem Pfänder oder den Tierpark im Seepark Kreuzlingen. Ein Geheimtipp ist vielleicht die Konstanzer Uni, wo bei den Biologen 35 Terrarien und 40 Aquarien stehen. Die Stadt-Oasen, die Brauns aufzählt, wären fast schon für sich genommen einen Trip wert. Der Konstanzer Pfalzgarten, der Überlinger Stadtgarten und die Bregenzer Oberstadt sind wunderbare Orte, um zu verweilen.

Eintritt frei in Strandbäder und Toiletten

Dasselbe gilt für den Seepark Kreuzlingen. Oder warum nicht ab 17 Uhr zum halben Preis auf die Mainau? Für Sparfüchse ideal ist das Hörnle in Konstanz, eines der schönsten Strandbäder mit seiner Liegefläche, den Beachvolleyballfeldern und dem See. Eintritt frei heißt es außerdem zum Beispiel im Naturstrandbad neben den Unteruhldinger Pfahlbauten, in der Schweiz in Bottighofen, Tägerwilen, Gottlieben und Triboltingen. Nützlich ist auch die Auflistung von Trinkwasserbrunnen – in Konstanz zum Beispiel auf der Markstätte oder beim Sealife Center – oder im Hegau bei Randegger. Oder so zu sagen umgekehrt an die „Entsorgung“ gedacht: „Nette Toiletten“ gibt es in Konstanz, Radolfzell oder Singen. Wer in einer Gaststätte mit „netter Toilette „das Örtchen aufsucht, braucht es nicht verschämt zu tun und muss nichts konsumieren. Brauns findet das unbedingt erwähnenswert.

Fabrikverkauf und kostenlose Fahrradluft

Darüber, ob die Wochenmärkte in Konstanz oder Überlingen unbedingt etwas für Sparfüchse sind, ließe sich trefflich streiten. Beim VAUDE Outlet in Tettnang-Obereisenbach, dem Fabrikverkauf bei Chocolat Bernrain in Kreuzlingen, bei Strellson in Kreuzlingen oder bei Schiesser im Factory Outlet Center in Radolfzell, dürfte Patrick Brauns aber richtig liegen. Ferner erfahren die Leser des Guides, welche Aussichtstürme kostenfrei bestiegen werden dürfen, dass Wanderer auch zu Fuß auf den Pfänder gelangen könnten, wo sich Bodensee Urlauber die Badehose oder den Badeanzug an FKK Badeplätzen komplett sparen können oder wo es kostenlose Luft fürs Fahrrad gibt.

Die Kunst des stilvollen Verarmens

Vermissen könnten Nutzer vielleicht in dem mit einer Auflage von 3000 Exemplaren erschienenen Bodensee-Führer für Sparfüchse ein Stichwortverzeichnis. Wer etwas sucht, muss sich an Fotos orientieren. Fortgeschrittenen wäre als Anschluss- und Strandlektüre Alexander von Schönburgs ultimativer Ratgeber „Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird“ zu empfehlen.

Patrick Brauns, Bodensee genial günstig, Bodensee-Tourismus Service GmbH, Konstanz, ISBN 978-3-939637-02-8. EUR 9,95, SFR 16.50.

Foto: wak/Patrick Brauns

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