Bücklein holt im Konstanzer OB-Wahlkampf Menschen auf Bühne

Zweieinviertel Stunden Plaudern gegen die Sanduhr – 350 Gäste amüsierten sich bei Bücklein Show

Konstanz. Tobias Bücklein hat am Freitagabend zweieinviertel Stunden lang zwölf OB-Kandidatinnen und OB-Kandidaten von ihrer menschlichen Seite gezeigt. Das hat vor ihm im Wahlkampf noch keiner geschafft. Prädikat: Besonders wertvoll.

Begegnungen statt Wahlprogramme

Bravo Tobias Bücklein. 250 Gäste im Saal und knapp 100 vor der Videoleinwand im Foyer des Quartierszentrums verfolgten am Freitagabend die Show des Entertainers und Musikers Tobias Bücklein. Um 18.15 Uhr setzte sich der Gastgeber an den Flügel und begrüßte seine Gäste mit seinem Evergreen „Begegnungen“. Vier Podien hatte Bücklein vor seiner Show besucht. Im Quartierszentrum war er dann selbst an der Reihe und leistete seinen Beitrag zum OB-Wahlkampf 2012. Er hat es sehr gut gemacht. Wahlprogramme spielten am Freitagabend keine Rolle.

Fairer Gastgeber Bücklein

Wieder einmal zeigte sich Tobias Bücklein als fairer Gastgeber, der in den Gesprächen viel Persönliches aus den OB-Bewerbern herauskitzelte und jede Kandidatin und jeden einzelnen Kandidaten als Menschen und nicht nur als Name auf dem Stimmzettel vorstellte. Schließlich wählen die Konstanzerinnen und Konstanzer am 1. Juli nicht nur einen Verwaltungsfachmann oder eine Verwaltungsfachfrau, sondern eine Persönlichkeit, einen Menschen aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen, Neigungen und mit einem Leben. Mindestens acht Jahre lang wird diese Person dann die Richtlinien in der Stadtpolitik bestimmen und die Stadt nach außen vertreten.

Zwölf Spieler liefen ein

Bücklein kündigte zu Beginn ein „Speed Dating“ an. In Wahrheit schaffte es der Entertainer aber, mit jedem einzelnen der zwölf Kandidaten, die gekommen waren, ein ausführliches Gespräch zu führen und alle zu Wort kommen zu lassen. Bis auf Martin Luithle waren alle 13 Bewerberinnen und Bewerber in der Show. Bücklein begrüßte jeden Einzelnen und ließ die Kandidaten wie die Spieler eine Fußballmannschaft auflaufen. Zu Sabine Seeliger fiel ihm die „Strafraum-Maut“ ein und zu Benno Buchczyk die Kurzbeschreibung „mit wenig Ballkontakten deutlich Akzente gesetzt“.

Einer für alle, alle für einen

Bücklein ließ die zwölf Spieler anschließend eine Mauer bilden und stellte Fragen. Als Antwort mussten dich die Kandidaten entweder dem Publikum zuwenden oder umdrehen. Bei der Vegetarier-Frage wirkte Sabine Reiser, die ein Steak nicht verschmäht, neben Vegetarierin Sabine Seeliger zunächst ein bisschen orientierungslos. Heraus stellte sich in dieser Runde auch gleich noch, dass keiner der OB-Kandidaten ein Theater- oder Philharmonie-Abo besitzt. Später beim Wegweiserspiel war kein Kandidat fürs Glasverbot und die Mehrzahl ging statt in Richtung Gemeinderat lieber in Richtung Bürgervotum.

Bücklein über Wahl-Umfragen

Bücklein kalauerte, er habe eine Online- und eine Straßenumfrage gemacht und auch der Südkurier habe gefragt. Dazu warf der Entertainer die durchschnittlichen Niederschlagswerte von Konstanz an die Wand. Dann durfte auch noch das Publikum im Quartierszentrum entscheiden, wer wie viel Sprechzeit bekommen sollte.

Sabine Reiser als Studentin schon Mutter

Beim Plaudern mit Sabine Reiser – Bücklein holte sie als erste auf die Bühne – und dem Betrachten eines Kinderbildes stellte sich heraus, dass sie als Kind aus dem Schwarzwald in die Lederhose bieselte. Beim Betrachten ihres Lebenslaufs zeigte sich, dass sie schon während ihres Studiums Mutter wurde und ihren kleinen Sohn bei sich in Freiburg hatte, während der Vater bereits in Überlingen als Anwalt arbeitete. Dass sie für den Kleinen vom ersten Tag an einen Platz in der Kinderkrippe der Freiburger Uni hätte bekommen können, sei ein gutes Gefühl gewesen, sagte Sabine Reiser. Ihre Eltern haben ihr damals geholfen. Sabine Reiser, die im Wahlkampf oft die erste ist, zeigte, dass sie nicht nur Regierungsdirektorin kann.

What a wonderful world

Mykola Neumann hatte es beim Saal-Voting ins Mittelfeld geschafft und hinterließ wieder einen sympathischen Eindruck. Nachts schaut er gern ins All. Außerdem ist er ein Virtuose an der Gitarre. Benno Buchczyk berichtete, wie er als Elfjähriger mit 1981 mit seinen Eltern von Polen nach Deutschland kam. Er hieß Bartosch, in Deutschland nannten ihn seine Eltern dann Benno. Piratig an ihm sei, dass er die Freiheit liebt. Zum Abschluss trug er auch noch ein Gedicht von Heinz Erhard vor. Benno Buchczyk bekam einen riesengroßen Applaus. Henning Tartsch erzählte, wie er Polizist wurde und sang Louis Armstrongs „What a wonderful world“. In der letzten Strophe ersetzte er „World“ durch „Town“.

Sabine Seeliger mag Chips

Sabine Seeliger sollte die Frage beantworten, wo sie von Herzen lachen kann. Bücklein hakte nach: „Sind Sie wie Sie sind schon immer gewesen?“ Luxus, sagte sie, fange bei ihr bei einer heißen Dusche an – oder, wenn sie sich mit einer Tüte Chips und einem guten Buch auf ihr Sofa haue. Sie mag Krimis. Im OB-Wahlkampf oben zu stehen und Reden zu halten, sei hochgradiger Stress, sagte Sabine Seeliger. Mit Begeisterung erzählte sie davon, wie die Stahringer Streuobstmosterei, an der sie beteiligt ist, neue Limonaden kreiert.

Uli Burchardt spielt Bruce Springsteen

Viel Applaus bekam Uli Burchardt. „Wir kennen uns eine Weile“, sagte Bücklein. Burchardt wirkte entspannt. Im Suso sei er ein „Lehrerschreck“ gewesen und aufmüpfig, so Bücklein über seinen Freund. Er könne beides, „aufmüpfig“ und „leise“. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Wirtschaftsrat der CDU und der Mitgliedschaft bei Attac, sagte Bücklein und gestattete Burchardt ein Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft. „Wenn man einen Freund fragt, sind die Fragen deswegen nicht immer angenehm“, so der Entertainer. Sympathiepunkte sammelte Uli Burchardt, als er zu seiner Gitarre griff und einen Song von Bruce Springsteen intonierte. Dafür bekam er maximalen Applaus.

Sven Zylla sagt „Konschdanz“

Als letzten bat Bücklein Sven Zylla auf die Bühne. Die Kandidaten sollten einen Gegenstand aus ihrem Haushalt mitbringen. Sven Zylla, der mit einer Usbekin verheiratet ist, hatte ein Männchen mit Wassermelonen unter den Armen dabei. Die usbekischen Wassermelonen sollen besonders gut sein. Bücklein zählte auf: In Hamburg geboren, in Gailingen am Hochrhein aufgewachsen, in Konstanz studiert und Hochzeit in Kiel. Sven Zylla kennt sich auch mit Wahlkämpfen aus. Manchmal sagt er versehentlich nicht „Konschdanz“, sondern „Konstanz“. Er stellte schmunzelnd klar: „Ich bekomme Hinweise, wenn ich nicht Konschdanz sage.“ Sven Zylla, der nicht wegen Willy Brandt SPD-Mitglied wurde, aber ein Autogramm von ihm hat, wollte singen: Aus „Griechischem Wein“ wurde „Badischer Wein“ mit einem Text für Konstanz („Badischer Wein ist so wie der See in Konstanz“). Zylla traf nicht nur den Ton, sondern auch das Lebensgefühl all jener, die in Konstanz studiert haben. Auch er bekam jede Menge Beifall.

Noch 148 Mails checken

Bücklein verabschiedete sich nach zweieinviertel Stunden mit Tim Bendzko „Nur noch kurz die Welt retten“ – am Freitagabend wandelte der Entertainer den Text ab und sang „Nur noch kurz die Stadt retten“. Noch 148 Mails checken…

Die Videos, in denen sich die 13 Kandidatinnen und Kandidaten, selbst vorstellen und die vor der Show im Foyer liefen, möchte Bücklein unter http://www.bkkts.de/ online stellen.

5 Kommentare to “Bücklein holt im Konstanzer OB-Wahlkampf Menschen auf Bühne”

  1. Lutz E. Krause
    23. Juni 2012 at 15:28 #

    …Piratig an Benno Buchczyk sei, dass er die Freiheit liebt. – Im Programm der Leichtmatrosen scheint eine ausgeprägte Eigenschaft zu sein, ständig Freiheit mit Beliebigkeit zu verwechseln.

    Also, lieber Herr Buchczyk, was bedeutet denn nun Ihr Freiheitsbegriff ganz konkret?

  2. Andreas Eckle
    9. Juli 2012 at 17:53 #

    http://www.uliburchardt.com/leben/partner/ Bücklein sagt dass er Burchardt eine Weile kenne bzw. mit ihm befreundet sei. Fakt ist: beide sind Geschäftspartner. siehe geschäftl. Website von Uli B. – da drängt sich die Frage auf, inwieweit das Ganze ein abgekartetes Wahlkampfspektakulum für seinen Geschäftspartner war. Und damit ein Stück weit eine Verarschung des Publikums. Womöglich wusste Burchardt alle Fragen vorab und konnte schon mal sein Springsteen-Liedchen einstudieren. Merke: so pusht man elegant Kandidaten ohne Ross und Reiter zu nennen. Aber bei bzw. im Unterstützerumfeld Burchardt ist Kosmetik in eigener Sache ja Usus…

  3. Tobias Bücklein
    11. Juli 2012 at 09:56 #

    Wie ich Herrn Eckle über Facebook in privater Nachricht mitteilte, sind und waren Uli Burchhardt und ich nie Geschäftspartner. Wie ich erst kürzlich festgestellt habe, führt mich Uli seit einiger Zeit auf seiner Seite als „Bühnencoach“. Das war damals wohl als netter „Credit“ gemeint. Bzw. wir hatten darüber gesprochen, dass ich mir seinen Vortrag über Nachhaltigkeit mal angucken könnte und etwas als erfahrener Bühnenmensch dazu sagen. Ich habe das allerdings nie getan und ihn auch sonst definitiv nie gecoached – auch nicht im OB-Wahlkampf!

    Vielleicht würde sein Auftreten manchen ja sonst besser gefallen ;)

    Die Kandidaten waren von Beginn der Vorbereitungen zu meiner Show an darüber informiert, dass Uli und ich Freunde sind – auch das Publikum wusste das. Es gab keine vorbereiteten Fragen, im Gegenteil, ich habe Uli – wie anderen Kandidaten auch – einige recht unangenehme Fragen gestellt, die ihn sicherlich überrascht haben.

    Das Springsteen-Lied habe ich vorher einmal zusammen mit ihm gespielt, für den Fall, dass das Saalpublikum ihn zum 15 Minuten-Gespräch votet. Schließlich kann ich Springsteen nicht leiden und musste ja auch mal üben. Dasselbe habe ich auch mit den anderen nach den Umfragen aussichtsreichsten KandidatInnen und Kandidaten gemacht.

    Ich habe einen hohen Aufwand betrieben (Umfragen, Saalumfrage, kostenlose Werbevideos für alle Kandidaten („Worte“)) und letztlich ein Ergebnis erzielt, das von Kandidaten, Publikum und Medien insgesamt als fair und unabhängig empfunden wurde. Alle haben eine möglichst positive Darstellung erfahren. Das war mein Anliegen. Ich finde, die Videos zeigen auch die allgemein gute Stimmung.

    Dass die nun, wo es ernst wird, allmählich nachlässt, kann ich verstehen. Das aber inzwischen um sich greifende Madig-Machen des „politischen Gegners“ kann ich nicht leiden. Egal für wen und von welcher Seite. Alle Unterstützer sollten sich darauf konzentrieren und darauf beschränken, die Stärken und guten Seiten ihrer Lieblinge zu betonen. Anders gesagt: „Der eigene Eimer wird nicht voller, wenn man den des anderen leerer macht“…

  4. dk
    12. Juli 2012 at 09:03 #

    Hr. Eckle

    Während meiner Studienzeit in S-Anhalt hat ein Controlling-Professor aus den USA überrascht; auch durch seinen ausführlichen Lebenslauf. Wahrscheinlich wäre dieser in der dt. Wirtschaft wenig nützlich: er ist Professor an der Hochschule Harz (Wernigerode) , Publizist und soll nebenbei auch schon als Dozent in Polen tätig geworden sein.
    Überrascht hat er auch durch die Behandlung eines Buches zur „Bionik als Management-Unterstützung“: man soll von der Natur lernen und Erkenntnisse in Entscheidungen einfliessen lassen. Herausgekommen ist kein „Management-System“ sondern Hilfsmittel und Ansätze, um alte eingeschliffene Denkweisen zu hinterfragen.

    Lebenslauf von Prof. Dr. Robert Rickards der HS Harz („Controlling“) – nur bis 2005
    http://rrickards.hs-harz.de/lebenslauf.html

    Schade, daß es bei ingenieurland.de eher Ingenieure und Techniker gibt.

  5. dk
    12. Juli 2012 at 09:08 #

    Das „nur bis 2005“ bezieht sich auf den Lebenslauf bis 2005.
    Prof. Dr. Rickards ist auch heute noch Professor laut http://www.hs-harz.de/494.html?&0=

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