Bundestagsabgeordneter Till Seiler nicht bei Papstrede in Berlin

Grüner Angeordneter unterstützt papstkritische Bündnisse – Kritik am päpstlichen „reaktionären Gesellschaftsbild“

Berlin. Der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Till Seiler wird wie einige andere Abgeordnete auch nicht während der Rede von Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag am 22. September anwesend sein. Zugleich unterstützt der Grünen-Politiker die papstkritischen Bündnisse „Der Papst kommt“  sowie „Freiburg ohne Papst“ . Das teilte Seiler heute mit.

Kritik am „reaktionären Gesellschaftsbild“

„Mit der Erteilung eines Rederechts im Bundestag sowie der Eintragung des Papstes in das Goldene Buch der Stadt Freiburg ist die Frage der Gleichbehandlung der Religionen und Weltanschauungen berührt, da anderen Religionsgemeinschaften diese Privilegien nicht zuteilwerden“, erklärt Seiler. „Zudem steht der Papst mit seinem reaktionären Gesellschaftsbild einem respektvollen interreligiösen Dialog und der Durchsetzung der Rechte von Frauen sowie Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellen entgegen“, so Seiler.

Tausende unterstützen Initiativen

Die beiden papstkritischen Initiativen distanzieren sich von der politischen Reise des kirchlichen Oberhauptes in Deutschland und rufen zu Gegenveranstaltungen auf. Dabei erfahren sie Zuspruch von einem breiten gesellschaftlichen Spektrum, darunter auch viele Katholikinnen und Katholiken. Dazu Seiler: „Die Wahrnehmung religiöser Termine des Papstes muss selbstverständlich gewährleistet werden. Dennoch muss sich auch der Papst der friedlichen und demokratischen Kritik der Bevölkerung stellen.“

Foto: wak

8 Kommentare to “Bundestagsabgeordneter Till Seiler nicht bei Papstrede in Berlin”

  1. Tilmann Breetsch
    19. September 2011 at 16:23 #

    Wie mutig. Der Katholizismus bedroht ja derzeit unser friedliches Zusammenleben enorm. Da ist so ein Redeboykott ein wichtiger Akt. Ganz prima! Seiler und diese ganzen kritischen Leutchen können sich jetzt mit Stolz geschwellter Brust gegenseitig auf die Schulter klopfen, weil sie so toll und furchtlos gegen den Papst aktiv sind. Ist ja auch praktisch: Gefahrlos mutig sein, ist schon eine dolle Sache. Damit kann man sicherlich prima angeben. Denn sie müssen nicht befürchten, wie Theo van Gogh zu enden oder daß plötzlich wildgewordene und beleidigte Horden aus dem Vatikan allerhand Fahnen verbrennen und Bomben zünden.
    Falls sich das noch nicht zu Seiler und Konsorten herumgesprochen hat: Frauen haben in anderen Religionan überhaupt gar keine Rechte und werden verhüllt und zur Züchtigung gerne mal ausgepeitscht, Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle an Baukränen aufgeknüpft oder lebendig verbrannt.

    Übrigens zum Thema Frauenrechte: Man muss nicht gleich zum papst rennen, wenn man sich für Frauenrechte stark machen will. Ein Dönerimbiss in Essen hat seinen Speiseraum mittels Glasscheibe in eine männliche und weibliche Abteilung getrennt. Das sein in „orientalischen Restaurants“ so üblich, sagt der Betreiber. Ganz klar ein Fall für Seiler! Die Rechte der Frauen! In Deutschland! Aber halt, nicht doch: Das ist ja Folklore und hat nichts mit Religion zu tun. Also dann doch lieber auf den Papst schimpfen.

  2. Beichtschüler
    19. September 2011 at 17:23 #

    @Tillmann Breetsch:
    Die Glasscheibe wäre im Beichtstuhl so mancher katholischen Kirche vielleicht ganz hilfreich…

  3. alter ellenriederer
    19. September 2011 at 22:03 #

    @Till Seiler (falls er das hier liest): Das Argument mit dem Rederecht im Bundestag würde ich besser nochmal prüfen (s. Rede des Dalai Lama vor dem Bundestag vor ein paar Jahren, wenn ich mich richtig erinnere).

    @Tilman Breetsch: Lass uns mal besser vor der eigenen Tür kehren. Soll man mit Kritik an reaktionären Katholen warten, bis sie wieder Scheiterhaufen und Inquisition auspacken? Nur um nach deiner Definition Mut zu beweisen? Genügend „christliche“ Fundamentalisten sind an einer Rückkehr ins Mittelalter interessiert. – Und das mit der Glasscheibe in der Dönerbude lass mal Sache der dortigen Kundschaft sein. Die Frauen wollen vlt. auch mal unter sich sein – gibts bei „uns“ auch.

  4. Bübi
    20. September 2011 at 22:04 #

    Ohne Katholizismus gebe es auch keine Hölle!

    Vielleicht solltet Ihr versuchen aus der Erde ein Paradies zu machen.

    Beste Grüße aus dem Paradies Bodensee.

  5. Rainer
    22. September 2011 at 10:48 #

    Der Herr Seiler will, dass der Papst dem Protest zuhört aber er selbst will nicht zuhören.

  6. alter ellenriederer
    22. September 2011 at 11:48 #

    @Rainer:
    Was macht dich glauben, so genau zu wissen, was der Herr Seiler will? Wenn es so ist, dass der Herr Ratzinger dazu neigt, die nicht wenigen kritischen Stimmen zu ignorieren, dann ist er bei seiner Gastgeberin und ihrem politischen Ziehvater ja bestens aufgehoben. Können sie sich ja gegenseitig heiligsprechen. Aber bitte nicht auf meine Kosten.

  7. Bübi
    22. September 2011 at 18:27 #

    Das mit dem Christlichen braucht man nur im katholischen Konstanz überprüfen. Hier hat die CDU keinen menschlichen Anglitz wenn es um eine rigide Personalpolitik in den städtischen Einrichtungen geht. Da scheinen doch die Linken den Menschen etwas näher zu stehen.

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