Dekan will Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz von Rundem Tisch verbannen

Kundgebung MarktstätteKonstanz. In einem offenen Brief prangert das Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz an, dass sich Pfarrer Hermann-Eugen Heckel von der katholischen Gemeinde der Alt-Katholiken vom Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz distanziert hat. Das war so in der Lokalzeitung zu lesen. Der Dekan, der auch Sprecher des Runden Tischs Asyl ist, störte sich offenbar daran, dass das Aktionsbündnis von „Behördenrassismus“ gesprochen habe. Diesen Begriff hatte die Gruppe aber nicht verwendet, er stand hingegen in einer Pressemitteilung der antirassistischen Initiative. Darauf hat heute das Aktionsbündnis Abschiebestopp hingewiesen. Trotzden will der Runde Tisch Asyl anscheinend nichts mehr mit dem Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz zu tun haben.

Beteiligte einig in der Sache

Das dürfte für Irritationen bei Beteiligten sorgen. Denn in der Sache ziehen der Runde Tisch Asyl und das Aktionsbündnis an einem Strang. So hatten sich beide entschieden dafür eingesetzt, dass Flüchtlinge auch im Kreis Konstanz statt Lebensmittelpakete Bargeld bekommen. Landrat Frank Hämmerle, der sich zunächst geweigert hatte, gab nach. Ab April sollen die Asylbewerber zwar kein Bargeld, aber eine Zahlung auf eine Girokonto erhalten. Der Landkreis Konstanz wird dann den Flüchtlingen zustehende Leistungen wie Taschengeld und Lebensmittelkosten oder Kosten von Hygieneartikeln sozusagen bargeldlos auf Girokonten überweisen. Damit war eine wichtige Forderung der Unterstützer erfüllt. Asylbewerber könnten bei den Sparkassen im Kreis die nötigen Girokonten eröffnen, hatte das Landratsamt noch im Januar mitgeteilt.

Methoden angeprangert

Der Runde Tisch Asyl hat sich dann aber – trotz des Erfolgs oder zeitgleich mit dem Erfolg – vom Aktionsbündnis Abschiebestopp distanziert. Das kommt überraschend: Denn auch der Runde Tisch setzte sich dafür ein, dass der Landkreis Asylbewerbern die Unterhaltsansprüche in Form von Bargeld zukommen lässt und nicht länger Einkaufsgutscheine aushändigt, hieß es seitens des Dekans. „Aber nicht mit diesen Methoden“, wurde Hermann-Eugen Heckel, Dekan der Alt-Katholiken in Konstanz, weiter zitiert. Heckel kritisierte unter anderem, dass das Aktionsbündnis Abschiebestopp in der Diskussion zur Flüchtlingssituation von „Behördenrassismus“ sprach.

Nur Unverständnis

Autor Jürgen Weber „„esPRESSo“ schreibt: „Die Flüchtlingsgruppen im Landkreis Konstanz sind verwundert und verärgert über Dekan Hermann-Eugen Heckel von der Altkatholischen Kirche. Ohne Not distanzierte sich der Vorsitzende des Runden Tisches für Asyl in Konstanz gleich im Namen des ganzen Gremiums von den Methoden‘ des Aktionsbündnisses Abschiebestopp Konstanz beim erfolgreichen Protest gegen Essensgutscheine für Flüchtlinge im Landkreis. Er erklärt weiter: „Die Flüchtlinge und die Asylgruppen haben nämlich durchweg mit demokratischen Mitteln gemeinsam die Umstellung von Essensgutscheinen auf Bargeldleistungen zum 1. April 2014 erreicht. Vor allem sind die Flüchtlingsgruppen über den Dekan deshalb verwundert, weil der Runde Tisch für Asyl noch im September 2013 mit dem Freundeskreis für Asyl in Radolfzell und dem Konstanzer Aktionsbündnis Abschiebestopp einen gemeinsamen Brief zur Abschaffung des Gutscheinsystems an Landrat Frank Hämmerle formuliert haben.“

 Kritik am Nachtreten

Warum Heckel nun im Südkurier vom 23. Januar 2014 öffentlich nachtrete, bleibe im Verborgenen, denn welche „Methoden“ ihm nicht passen, behalte er für sich. „So diskreditiert er lediglich die Initiative ohne eine öffentliche Diskussion über Inhalte zu führen. Dies jedenfalls gehört gemeinhin nun wahrlich nicht zu den feinen Methoden. Die Flüchtlingsorganisationen im Landkreis fordern Heckel und die Mitglieder des Runden Tisches, in dem Ehrenamtliche sowie Vertreterinnen und Vertreter von Parteien, Verbänden und Behörden versammelt sind auf, ihre Kritik zu konkretisieren“, heißt es in der Mail von Jürgen Weber.

Der Runde Tisch

Der Runde Tisch Asyl wurde vor 16 Jahren gegründet. An ihm sitzen Vertreter von Kirchen, Politik, Behörden und Polizei sowie Integrationsbeauftragte. Im vergangenen Jahr kamen 370 Asylbewerber neu in den Kreis Konstanz. In diesem Jahr dürften es wieder 300 Menschen sein. „Eine Entspannung der Unterbringungssituation ist nicht zu erwarten, der Zustrom an Flüchtlingen wird steigen“, so Landrat Hämmerle noch im Januar.

Hier geht es zu dem offenen Brief des Aktionsbündnisses Abschiebestopp Konstanz Brief Runder Tisch Distanzierung im Südkurier 23.01.2014

Foto: Archiv See-Online

7 Kommentare to “Dekan will Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz von Rundem Tisch verbannen”

  1. Fafnir
    3. Februar 2014 at 13:24 #

    Das „Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz“ besteht aus linken Bürger- und Demokratiefeinden und benutzt in menschenverachtender Weise die Asylbewerber für seine politschen Machenschaften.

  2. Dirk Kirsten
    4. Februar 2014 at 00:47 #

    Die Aussage, das Wort „Behördenrassismus“ wäre in Pressemitteilungen des Aktionsbündnisses vorgekommen, ist falsch. Ich würde um Korrektur bitten oder die Nennung, wo das vorgekommen sein soll.
    Aber selbst wenn der Begriff vorkommt, so ist eine Distanzierung deshalb doch sehr fraglich, schließlich wird dieser Begriff oder beispielsweise der verwandte Begriff instituioneller Rassismus in der Wissenschaft häufig verwendet. Was daran also verwerflich sein soll erschließt sich mir nicht.

    @Fafnir: Ach, ist das so? Es war mir bislang noch gar nicht bewusst, dass ich Bürger- und gleichzeitig Demokratiefeind bin. Kommen Sie doch einfach mal zu unseren Treffen oder setzen sich mit uns in Kontakt und reden mit uns und Sie werden das Gegenteil feststellen. Einfach nur substanzlose Anschuldigungen vorzubringen finde ich ein wenig dürftig.

  3. Dirk Kirsten
    4. Februar 2014 at 11:31 #

    Liebe Frau Kässer,

    das Aktionsbündnis Abschiebestopp hat für die Demo bezüglich Oury Jalloh von Anfang Januar weder aufgerufen, noch diese unterstützt oder daran teilgenommen. In dem von Ihnen geschriebenen Text steht ja auch deutlich, dass die antirassistische Initiative dazu aufruft und so stand es auch in dem zuvor verbreiteten Aufruf bzw. der Pressemitteilung. Der Name des Aktionsbündnisses fällt dabei nie, weil wir schlicht nicht daran beteiligt waren.

    Insofern können wir auch schlecht für diesen Aufruf verantwortlich gemacht werden. Was andere Leute sagen oder tun – auch wenn diese Teile unserer Forderungen wie beispielsweise die Abschaffung des Sachleistungsprinzips teilen – können und wollen wir nicht beeinflussen, möchten aber freundlich darauf hinweisen, dass uns nur Sachen zugeschrieben werden sollten, die auch von uns getätigt wurden. Ich würde sie daher weiterhin höflich um eine Korrektur bitten.

    • wak
      4. Februar 2014 at 16:17 #

      Hallo Herr Kirsten, o.k., wenn das eine andere Initiative gewesen ist, dann steht das tatsächlich in keiner PM Ihres Bündnisses. Möglicherweise gibt es gelegentlich personelle Überschneidungen – und thematisch ging es auch um Asylbewerber. Ich korrigiere die Aussage.

  4. Doris Künzel
    4. Februar 2014 at 16:16 #

    Wenn von einer Pressemitteilung des Aktionsbündnisses gesprochen wird, dann sollte es möglich sein, die Quelle konkret zu benennen. Dies gilt auch für Herrn Heckel.Ich habe den Eindruck, dass hier einiges durcheinander geraten ist: Pressemitteilungen verschiedener Gruppen, Demoaufrufe, Fotos die inhaltlich nicht zum Text passen aber automatisch Zusammenhänge herstellen…Eine Nachfrage bei den Betroffenen hätte in dieser Angelegenheit Klarheit bringen können. Abgesehen davon, darf das Thema Rassismus in unserer Gesellschaft und dazu gehören auch öffentliche Einrichtungen und Behörden, kein Tabuthema sein, sondern muss offensiv angegangen werden.

    • wak
      4. Februar 2014 at 16:26 #

      Liebe Doris, danke für das Statement und Deinen Hinweis. Auch ich hatte zwei Gruppen verwechselt und da etwas durcheinander gebracht. Ist wirklich auch nicht immer ganz leicht, zumal das Blog keine Zeit hat, um immer alles noch einmal zu checken. Heute bin ich zum Beispiel jobmäßig den ganzen Tag unterwegs gewesen und komme gerade erst zurück.

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