Demonstration „Wohnraum für alle“ der Initiative „Recht auf Stadt Konstanz“

Protestzug von Markstätte nach Petershausen – Demonstration gegen Wohnraummangel und fehlende Freiräume

Konstanz. Die „Initiative Recht auf Stadt Konstanz“ ruft am Samstag zu einer Demonstration für bezahlbare Wohnungen und Platz für die Jugendkultur auf. Hinter den Initiatoren stehen U-AStA Uni Konstanz, Hochschulgruppen und Nachwuchsorganisationen von Parteien. Der Protestzug startet auf der Marktstätte und führt zu den ehemaligen Franzosenstudentenwohnungen in Peterhausen, die derzeit saniert und anschließend neu vergeben werden.

Wohnraum für alle

Die Initiative Recht auf Stadt Konstanz ruft am 9. Juli zu einer Demonstration unter dem Motto „Wohnraum für alle!“ auf. Der Demozug wird um 17 Uhr auf der Marktstätte starten und zu den noch immer leerstehenden, ehemaligen Studentenwohnungen in der Gottfried-Keller-Straße führen. Enden soll die Veranstaltung auf dem Cherisygelände. Noch bis Ende 2009 wohnten fast 300 Studenten in den ehemaligen Franzosenwohnungen.

Mehr Studierende – fehlende Wohnungen

In Konstanz, wo bis 2012 insgesamt 724 neue Studienplätze entstehen, werden demnächst voraussichtlich Hunderte Studenten auf der Straße stehen. Etwa 14.000 bis 16.000 Studierende benötigen bezahlbaren Wohnraum in der Unistadt. Eine Hiobsbotschaft ist es da gewesen, dass im Herbst 2012 auch noch längst geplante Wohnplätze am Sonnenbühl nicht bezugsfertig sein werden. Das alte Wohnheim ist aber ist längst abgerissen worden.

Leerstand von Gewerbeflächen

Grund der Demonstration seien: „Steigende Mieten bei gleichzeitigem Leerstand, neue Gewerbeflächen bei gleichzeitiger Wohnraumknappheit, Tourismus und Prestigeobjekte statt alternativer (Jugend)Kultur“, teilten die Veranstalter mit. So sei das Selbstverständnis der Initiative.

Wohnen für viele unbezahlbar

Paul, ein Vertreter der Initiative, erläutert zudem: „Der geplante Ausbau der Universität wird viele Studenten nach Konstanz locken, aber die Stadt hat keine Idee, wo diese Studenten wohnen sollen. Es ist für Geringverdiener und Studenten jetzt schon schwer, ein Zimmer oder eine Wohnung zu finden. Die Preise sind oft unbezahlbar. Wir wollen mit der Demonstration unserer Forderung auf bezahlbaren Wohnraum für jeden Nachdruck verleihen.“

Vom Elternhaus auf die Straße

Betroffen sind auch nicht etwa nur Studierende. So sind längst auch nicht mehr die typischen Obdachlosen Klientel der AGJ, die sich in Konstanz um Menschen ohne Wohnung kümmert. Viele junge Wohnungslose kämen direkt aus ihrem Elternhaus oder aus der Jugendhilfe. Vielleicht schafften sie es, noch kurzzeitig bei Bekannten unterzukommen, dann aber stehen sie aber auf der Straße. Unter den Betroffenen seien auch immer mehr Frauen, die ihre Wohnungen verlassen, weil der Partner gewalttätig ist.

Orte um sich auszuprobieren

Maria, ebenfalls Aktivistin der Initiative meint: „ Das Fehlen von Freiräumen in Konstanz macht mir Sorgen. Junge Menschen, wie wir, brauchen einen Ort, um uns auszuprobieren und uns frei von gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen zu entfalten. Das fehlt mir in Konstanz völlig.“

Kritik an „neoliberaler Stadtplanung“

Dem Aufruf der Demo ist zu entnehmen, dass die Vertreter der Initiative der „Kampf gegen eine neoliberalen Stadtplanung“ eine, welche nur „Gewinnmaximierung und Standortvorteil“ kenne, aber nicht mehr die Bedürfnisse der Stadtbewohner. Mehr Infos finden sich auch auf dem Weblog der Initiative.

Bevölkerungszahl wächst

Knapp 85.000 Menschen leben in der in der größten Stadt am Bodensee. Wie das Statistische Landesamt in der Bevölkerungsfortschreibung mitteilt, wohnten Ende des vergangenen Jahres 84.693 Menschen in der größten Stadt am Bodensee. Sie waren entweder mit Erst-oder Zweitwohnsitz gemeldet. Das sind 1.049 Menschen mehr als zwölf Monate zuvor.

Initiative der Empörten

Hinter der Aktion stehen Bündnis Recht auf Stadt Konstanz, U-AStA Uni Konstanz, Linksjugend [’solid], Emanzipatorische Gruppe Konstanz, Grüne Hochschulgruppe Konstanz und SJD-Die Falken Konstanz.

3 Kommentare to “Demonstration „Wohnraum für alle“ der Initiative „Recht auf Stadt Konstanz“”

  1. Bolle Knallquist
    28. Juni 2011 at 14:15 #

    „Neoliberale“ Stadtplanung??? Was ist denn das für ein Unfug. Der Begriff „neoliberal“ ist zwar mittlerweile ein Schimpfwort geworden. Ist er aber nicht. Aber er geister halt in den Köpfen dieser Berufsempörten halt so rum und wird dann gerne hinausgeplärrt. Und zum Thema Stadtplanung: Es war die SPD, die unter Anführung fadenscheiniger Argumente verhindert hat, daß im Stromeyersdorf Wohnungen entstehen. Ja, richtig gehört: Dort sollten mal Wohnungen entstehen. Die SPD empfand das aber anrüchig und deswegen leistet sich Konstanz den weltweit einmaligen Luxus, einen Gewerbepark in allerbester Lage direkt am Rhein zu haben. Gleicher Unfug geschieht auch am Seerhein weiter oben. Dann hatten einmal Investoren angefragt, ob man aus dem Telekomhochhaus ein Wohnhaus machen könne. Gute Idee! Wurde von einer grünen und roten Mehrheit ebenso abgelehnt. Man wolle keine Luxuswohnungen hieß es und man hat die Investoren nicht einmal eingeladen. Das ist arrogante grünrote Politik. So sieht Wohnungspolitik in Konstanz aus: Getrieben von ideologischen Zwängen wird Wohnungsbau hier verhindert. Mit „Neoliberalismus“ hat das wenig zu tun. Aber hört sich erst mal gut an. Diese „Empörten“ sollten sich lieber einmal besser informieren. Und außerdem gibt’s für Studenten udn Obdachlose im Osten genug Unis, wo es billigen Wohnraum gibt. Dort können sie auch demonstrieren soviel sie wollen. Da gibt’s nämlich keine Einwohner mehr, die sich solche Albernheiten angucken müssen.

  2. dk
    28. Juni 2011 at 20:38 #

    @ im Osten genug Unis, wo es billigen Wohnraum gibt.

    Man kann sich dort auch ein Haus für 10-20 Tsd. Euro kaufen … inkl. Grundstück.
    Handwerkliches Geschick, eine gute Zeitplanung und Geld für Baustoffe wären sinnvoll.

    Ich bin skeptisch, ob man sich als Vermieter „Jedermann“ zur Miete nach Hause einlädt.

  3. Biochemiestudent
    12. Juli 2011 at 23:33 #

    Da war wieder mal die ganz linke Fraktion der Studentenschaft am Werke :-).
    Ich will mal wissen, was „sich ausprobieren“ genau heißt. Es gibt hier in Konstanz eine wunderschöne Umgebung und Landschaft, die genug Freizeitgestaltung ermöglicht, (sofern man sowas wie Freizeit in meinem Fach hat -.-).
    Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass der Wohnungsmarkt hier verdammt angespannt ist und das betrifft nicht nur Studenten. Bedenken muss man allerdings, dass das Budget bei Studenten idR nicht soviel Spielraum zulässt. Und wer keinen PKW zur Verfügung hat (das unterscheidet manche Studenten ebenfalls von Arbeitnehmer), aber jeden Morgen um 8 in der Uni sein muss (auch das ist fachabhängig) kann auch nicht so ohne weiteres überall außerhalb der Stadt wohnen. Wäre die öffentliche Verkehrsanbindung in die umliegenden Gebiete besser, dann wären auch „Unijunkies“ in der Lage, sich eine weiter entfernte Wohnung zu suchen.
    „Und außerdem gibt’s für Studenten udn Obdachlose im Osten genug Unis, wo es billigen Wohnraum gibt.“
    Ist richtig, für Naturwissenschaftler sind dort auch die Studienbedingungen recht gut.
    Man sollte aber nicht vergessen, dass es auch Akademiker (und damit ehemalige Studenten) sind, die für die wirtschaftliche Dynamik der Region hier sorgen. Der Fachkräftebedarf BioTech-Industrie wird man hier nicht mit Ferienwohnungsvermietern und Fischern decken können!

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