Deutsch-Schweizer Ballungsgebiet beschließt grenzüberschreitende Verkehrs- und Siedlungsentwicklung

Grenzüberschreitende Agglomerationsplanung Kreuzlingen-Konstanz liegt – Bodanrück und Seerücken von Bebauung frei halten

Konstanz/Kreuzlingen. Nach einem mehrjährigen Erarbeitungsprozess wurde das grenzüberschreitende Agglomerationsprogramm Kreuzlingen-Konstanz von allen beteiligten Städten und Gemeinden beschlossen sowie vom Regierungsrat des Kantons Thurgau genehmigt. Das teilte die Stadt Konstanz mit. Zweck ist die Mobilitäts- und Siedlungsentwicklung im Raum Konstanz und Kreuzlingen sowie in den deutschen und Schweizer Gemeinden in der direkten Umgebung der beiden Städte auf- und miteinander abzustimmen. Als nächster Schritt werde das Agglomerationsprogramm dem Schweizer Bundesamt für Raumentwicklung zur Prüfung übergeben.

Grenzüberschreitende Zukunftsprojekte

Das Ziel eines Agglomerationsprogramms sei die gegenseitige Abstimmung der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, heißt es in der Mitteilung der Stadt. „Auch in der Agglomeration Kreuzlingen-Konstanz stößt die Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenze und die Tendenz der weiteren Zersiedlung besteht“, teilte die Stadt mit. Mit dem grenzüberschreitenden „Zukunftsbild“ zeige die Agglomeration auf, wie sie sich in den Bereichen Siedlung, Mobilität und Landschaft bis ins Jahr 2030 entwickeln will und wie sie die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung aufeinander abzustimmen gedenkt.

Landschaftsschutz im Blick

Gestützt auf das Zukunftsbild würden die Schwachstellen und die Handlungsfelder ermittelt und ein Bündel von rund „hundert Maßnahmen“ erarbeitet. Die künftige Siedlungsentwicklung soll im heute bereits weitgehend überbauten Gebiet und an Standorten, die gut mit dem öffentlichen Verkehr und dem Langsamverkehr erschlossen sind, gefördert und gestärkt werden. Dadurch könnten die heutigen Landschafts- und Naturerholungsräume des Bodanrücks und Seerückens mit den Grünkorridoren zu den Ufern des Bodensees geschützt werden.

 Besseres Verkehrsnetz, mehr ÖPNV

Im Bereich der Mobilität liege das Schwergewicht in der Förderung des Langsamverkehrs durch attraktive, sichere und zusammenhängende Fuß- und Radwegnetze für den Alltags- und Freizeitverkehr. Im Weiteren solle die Attraktivität und die Fahrplanstabilität des öffentlichen Verkehrs verbessert und die neuralgischen Schwachstellen im Straßenverkehrsnetz behoben werden. „Die Maßnahmen der ersten Priorität, diese werden im Zeitraum zwischen 2015 und 2018 realisiert, lösen nach heutigem Kostenstand ein Investitionsvolumen von rund 154 Millionen Franken aus“, heißt es weiter.

 Zwei Städte und acht Gemeinden

Nachdem das Agglomerationsprogramm von den beteiligten Städten Kreuzlingen und Konstanz sowie den acht angrenzenden Gemeinden Bottighofen, Gottlieben, Kemmental, Lengwil, Münsterlingen, Tägerwilen, Allensbach und Reichenau beschlossen und vom Regierungsrat des Kantons Thurgau genehmigt wurde, werde es dem Schweizer Bundesamt für Raumentwicklung zur Prüfung eingereicht. Je nach Wirkung der Maßnahmen beteiligt sich der Bund an der Mitfinanzierung von Infrastrukturanlagen. Eine besondere Herausforderung sei die Tatsache, dass Konstanz als Siedlungsschwerpunkt der Agglomeration außerhalb der Schweiz liegt. Grenzüberschreitende Maßnahmen würden vom Bund dann mitfinanziert, wenn im Rahmen des Agglomerationsprogramms ein Nutzen für den Schweizer Teil der Agglomeration nachgewiesen wird. Dieser Umstand und die Erkenntnis, dass nur ein koordiniertes Vorgehen die Verkehrsverhältnisse verbessern könne, erkläre das große Interesse sowohl der deutschen als auch der Thurgauer Gemeinden an einer grenzüberschreitend aufeinander abgestimmten Siedlungs- und Verkehrsplanung.

Definition Agglomeration

Eine Agglomeration ist laut Wikipedia nach Definition der UNO von 1998 eine Kernstadt samt ihrem suburbanen Umland oder dem zumindest dicht besiedelten Umlandgebiet, das außerhalb der Stadtgrenzen liegt, aber direkt an sie angrenzt. Eine solche Agglomeration besteht aus einer oder mehreren Städten und ihren Vorstadtgemeinden, die den Agglomerationsgürtel (sogenannter Speckgürtel) bilden. Die Agglomeration entspricht also der „Stadt“ im rein geographischen Sinne, ohne Berücksichtigung von administrativen Grenzen.

Foto: wak

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