Deutsche in Kreuzlingen schlechter integriert als andere Nationalitäten

Studie der Uni Konstanz gibt Auskunft über das Zusammenleben in Konstanz und Kreuzlingen

Konstanz/Kreuzlingen. Das Verhältnis zwischen Einheimischen und Migranten ist in den Grenzstädten Konstanz und Kreuzlingen laut Studie der Uni Konstanz entspannt. Die Deutschen in Kreuzlingen sind aber schlechter integriert als Kreuzlinger Bürger anderer Nationalität. Viele Deutsche wohnen anscheinend nur in der Schweizer Nachbarstadt und haben ihren Lebensmittelpunkt mutmaßlich weiter in Konstanz. So wenigstens lässt sich ein Ergebnis der Studie der Uni Konstanz zur Integration interpretieren. Insgesamt fühlen sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten in beiden Städten aber dazu gehöriger und weniger diskriminiert als in anderen Städten.

Forschungsinteresse Integration in kleineren Städten

Soziale Integration in multikulturellen Gesellschaften ist ein aktuelles und viel erforschtes Thema. Meistens interessieren sich Wissenschaftler aber für Großstädte. Integration ist eher ein Thema in Neukölln oder Kreuzberg und nicht Konstanz oder Kreuzlingen. Markus Freitag vom Lehrstuhl für Vergleichende Politik und Thomas Hinz vom Lehrstuhl für Empirische Sozialforschung an der Universität Konstanz haben bewusst den Integrationsprozess in kleineren Städten untersucht.

800 Interviews geführt

Zwischen Februar und Juni 2011 haben Interviewer 600 Personen in Konstanz und 200 Personen in Kreuzlingen im Hinblick auf persönliche Netzwerke, soziale und politische Teilhabe, persönliche Wertesysteme sowie Vertrauen ins soziale Umfeld befragt. Jedes Interview dauerte etwa 45 Minuten. Die Befragung erfolgte mit Hilfe Form von standardisierter Fragen. Gefragt wurde so zum Beispiel auch danach, ob sich die Befragten diskriminiert fühlen. Immerhin 37 Prozent der in Kreuzlingen lebenden Deutschen antworteten auf die standardisierte Frage, dass sie sich diskriminiert fühlen. Nicht gefragt haben die Interviewer aber, ob sie sich als Mann, Frau, Deutscher, Dialektsprecher oder aus sonstigen Gründen diskriminiert fühlen. Zum Vergleich: 16 Prozent der Europäer fühlen sich ebenfalls diskriminiert.

Viel Vertrauen in die Menschen

Die befragten Deutschen lebten im Schnitt seit fünf Jahren in Kreuzlingen. Bei andere Migranten sind es dagegen 25 Jahre, die sie in einer fremden Stadt verbringen. Als größtes Problem sehen die Befragten anscheinen Unrat an. Das gegenseitige Vertrauen hingegen ist groß. So erwartet eine hohe Zahl der Befragten sogar, dass sie eine verlorene Geldbörse zurück bekäme. Das Miteinander von Deutschen und Migranten in Konstanz beurteilen beide Seiten als gut. Zumindest beurteilen sie das Zusammenleben viel besser als Einwohner anderer, größerer Städte. In Konstanz fühlen sich immerhin fast 50 Prozent der befragten Migranten vollkommen dazu gehörig – und nur 4 Prozent überhaupt nicht integriert. In Kreuzlingen sind es 30 Prozent, die sich dazu gehörig fühlen.

Migranten schauen deutsches Fernsehen

Die Deutschen in Konstanz sprechen Hochdeutsch, die Kreuzlinger zu 98 Prozent Schweizerdeutsch. In Konstanz schauen auch 75 Prozent der Migranten deutsches Fernsehen und nur 20 Prozent Programme aus ihrem Herkunftsland. Ein Ausreißer sind auch bei der Fernseh-Frage wieder die Deutschen in Kreuzlingen, die hauptsächlich deutsche Fernsehsender anschauen.

Wenig Probleme außer Unrat

Das Fazit der Forscher: Die soziale Integration ist sowohl in Konstanz als auch in Kreuzlingen auf einem guten Niveau. Es gebe, wenn überhaupt, nur wenige Risse. Das zeige die Tatsache, dass der Unrat anscheinend das größte Problem darstelle. Das Verhältnis zwischen Einheimischen und Migranten sei in den Grenzstädten Konstanz und Kreuzlingen gelöst und entspannt. In Kreuzlingen spielten die Deutschen als Migrationsgruppe allerdings eine Sonderrolle. Sie seien weniger integriert als andere. Das dürfte mit an der Nähe der Grenze liegen. Eine Rolle spiele auch, dass die Aufenthaltsdauer sehr kurz sei.

Weiterer Medienberichte über die Pressekonferenz der Konstanzer Wissenschaftler sind erschienen. Welt online titelte Deutsche fühlen sich in der Schweiz diskriminiert

Fotos: wak

3 Kommentare to “Deutsche in Kreuzlingen schlechter integriert als andere Nationalitäten”

  1. dk
    23. Juni 2011 at 17:11 #

    Manchmal sagt eine einzige Frage auch sehr viel aus: mit dem Fahrrad heute vormittag zum Hörnle gefahren und auf dem Rückweg vom Hörnle-Parkplatz an der Kreuzung 2 Security-Leute gesehen, in deren Nähe noch eine Absperrung angedeutet war. Die Zwei haben sich gut unterhalten und hätten auch als Disco-Türsteher einer Metropole bei der Fastnacht auftreten können. Locker beim Heranfahren gefragt „ist hier was los?“ erhielt man die Antwort „nein, aber morgen“. Die Zwei mussten aus Leipzig kommen, wo das Sächsisch etwas milder ist. Wer ist jetzt integrierter von uns dreien?

  2. alma
    24. Juni 2011 at 14:40 #

    so, so , in Konstanz sprechen alle Hochdeutsch, in Kreuzlingen Schweizerdeutsch, und das bei einem Ausländeranteil von über 50 Prozent. Was ist denn das für ein Quatsch, bzw. was ist das für eine „Studie“, die einen solchen Quatsch herausfindet?
    Aber, liebe wak, eina lter Spruch heisst: Wer nicht schreiben kann, sollte es besser lassen.

  3. ted
    30. Juni 2011 at 09:07 #

    Nun, wer in Deutschland einkaufen geht, wer seine Kinder nach Konstanz zur Schule schickt, wer in Konstanz in Vereinen aktiv ist und wer dann noch an allem was in der Schweiz abgeht rumnörgelt und noch sagt, ach wie teuer es doch hier sei, der sollte sich nicht wundern nicht integriert zu sein, bzw diskriminiert zu werden. Alle Deutschen sollten das Buch „Grüzi“ mal lesen und feststellen was Integration bedeutet.
    Ich selber bin Deutscher und fühle mich in der Schweiz sehr willkommen, auch wenn ich keinen Dialekt spreche. Meine Bekanntenkreis ist in der Schweiz mittlerweile gösser als zuvor im Deutschen.

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