Eigenes publizistisches Profil: Konstanz University Press rollt das Feld neu auf

Eine Universität Konstanz und zwei sich gegenseitig beäugende Verlage

Konstanz. Die Konstanzer Uni ist mit ihren knapp 10.000 Studenten eine der kleinen Universitäten im Land. Trotzdem gibt es inzwischen zwei Verlage, die salopp gesagt, den Namen der Konstanzer Universität in ihren Verlagsnamen tragen. Der eine ist die UVK Verlagsgesellschaft, die 1963 als Universitätsverlag Konstanz gegründet wurde. Der andere Verlag ist neu und ein Tochterverlag des Wilhelm Fink Verlags. Er nennt sich Konstanz University Press. Offiziell starten möchte er zur Frankfurter Buchmesse. Die Verlage sind Wettbewerber und ihr Nebeneinander beschäftigte bereits Juristen.

Erster Universitätsverlag 1963 gegründet

Johannes Weyl, der Vater der Gründerin der UVK Verlagsgesellschaft Brigitte Weyl, langjährige Herausgeberin des „Südkuriers“, hatte den Universitätsverlag Konstanz 1963 gegründet. Die Gründung erfolgte, bevor es überhaupt eine Universität auf dem Konstanzer Gießberg gab. Die Universität Konstanz selbst wurde erst 1966 als Reformuniversität gegründet. Der Konstanzer Verlag verstand sich von Anfang an als publizistischer Begleiter der Universität, ohne aber wirtschaftlich oder juristisch mit der Universität verbunden zu sein. Die Erlaubnis, dass Weyl ihren Verlag Universitätsverlag nennen durfte, erteilte ihr das Land. Anfangs prägten Publikationen von Konstanzer Wissenschaftlern das Profil des Verlags. Berühmt sind die Konstanzer Universitätsreden. Heute hat er wissenschaftlich fundierte Literatur aus den Bereichen Sozialwissenschaften, Kommunikationswissenschaft, Geschichte und Kulturwissenschaft im Programm und bietet Fachliteratur für Journalisten und PR-Leute an.

Der neue Imprint startet auf Frankfurter Buchmesse

Konstanz University Press (KUP), ein Imprint des Wilhelm Fink Verlags, stellt das erste Programm im Oktober zur Frankfurter Buchmesse vor. KUP ist – anders als der UVK – eine gemeinsame Gründung der Universität Konstanz und des Münchner Wissenschaftsverlags. Diese neue Kooperation, die sich einer Initiative des Konstanzer Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ verdankt, fußt auf einer langen Tradition. So bildeten die Forschergruppe „Poetik & Hermeneutik“, die maßgeblich von Konstanzer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geprägt war, sowie die Literaturwissenschaften Konstanzer Herkunft schon lange einen Schwerpunkt im Programm des Wilhelm Fink Verlags. In englischsprachigen Ländern sind Wissenschaftsverlage seit vielen Jahren höchst erfolgreich. In Deutschland sprießen sie derzeit wie Pilze aus dem Boden.

Verlegerische Leitung bei ehemaligem Suhrkamp-Mann

Die verlegerische Leitung des Imprints übernehmen an der Universität Konstanz die Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Bernd Stiegler, der viele Jahre bei Suhrkamp für das wissenschaftliche Programm verantwortlich war, und Alexander Schmitz als Lektor. Herstellung und Vertrieb liegen in den Händen des Wilhelm Fink Verlags. Ziel der Verlagsgründung ist es, über die Universität hinaus im Bereich der „Humanities“ Impulse zu geben. Das erklärte Ziel von Konstanz University Press sei es, im Bereich der Kulturwissenschaften Anstösse zu geben, Themenfelder zu erkunden und Diskussionen anzuregen, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Universität. Der neue Verlag werde sich auch auf das Feld der elektronischen Publikationen (E-Book, Open Access) begeben, wo es für die Geistes- und Sozialwissenschaften sinnvoll sei, kündigte Der Fink Verlag an.

Keine Beschränkung auf Publikationen Konstanzer Wissenschaftler

An sich ist die Gründung der Konstanz University Press, kurz KUP, nichts Außergewöhnliches. Etwas Besonderes ist dagegen das Selbstverständnis des Verlags, der nicht etwa nur Texte und Forschungsergebnisse veröffentlichen möchte, die an der Konstanz entstanden sind. Monografien, Textsammlungen, Essay und Übersetzungen kommen ins Verlagsprogramm, unabhängig davon, wo sie entstanden sind, solange sie zur thematischen Ausrichtung „Humanities“ passen. „Humanities meint im weitesten Sinne Wissenschaft, die mit dem Menschen zu tun hat und wäre mit dem Begriff Geisteswissenschaft nur unzureichend beschrieben. Entstanden ist die Idee, der Universität Konstanz ein publizistisches Profil zu geben, im Exzellenzcluster. Lektor Alexander Schmitz sagte, Vorbild seien die amerikanischen und englischen Universitätsverlage, „die Ruhm und Ehre ihrer Häuser mehren, indem sie offen sind für die Welt.“ Eine Regionalisierung lehnt der Verlag ab. Trotzdem ist zum Beispiel der Konstanzer Verwaltungs- und Politikwissenschaftler Wolfgang Seibel mit dem Buch „Macht und Moral“ vertreten. Der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke veröffentlicht die Monografie „Vor der Familie“. Ein anderer Titel „Transit Deutschland“ versammelt 300 Dokumente zum Thema Migration, die zuerst im Amerikanischen publiziert worden sind.

Die Geschäftsführung der UVK Verlagsgesellschaft, Walter Engstle und Brigitte Weyl, waren für eine Stellungnahme leider nicht zu erreichen.

Foto: Universität Konstanz Jochen Staudacher

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