Ein Tüftler und sein Fahrrad-Boot

Internationale Bodenseewoche: Der Radler über den Bodensee

Konstanz (red) Wenn von Donnerstag dieser Woche an im Konstanzer Hafen die „Internationale Bodenseewoche 2010“ stattfindet, dann wird ein Bayer über den Bodensee radeln. Wenzel Drechsler stellt sein „Veloboat“ vor. Die Konstruktion des Bayern ist ein besonderes Gefährt, das sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Lande neue Perspektiven eröffnet. Über Hydrobikes (Foto links) und Veloboote.

Der Traum vom Fliewatüüt

Die Älteren werden sich noch an Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt im Kinderfernsehen erinnern. Tobbi war der Erfinder des Fliewatüüts, eines universalen Fortbewegungsmittels. Das Fliewatüüt konnte fliegen, auf dem Wasser schwimmen und wie ein Auto fahren. Angetrieben wurde das Fliewatüüt mit dem Himbeersaft von Tante Paula, später wurde der Saft durch den Treibstoff Lebertran ersetzt.

Das Hydrobike

Wenzel Drechsler braucht weder Himbeersaft noch Lebertran, sondern nur Muskelkraft und bewegt sich somit ähnlich umweltverträglich fort, wie die Besitzer eines Hydrobikes, das wie das unkonventionelle Gefährt des Bayern übers Wasser fahren kann. Auf dem Hydrobike sitzt der Biker wie auf einem „normalen Fahrrad“ mit Sattel und Lenker und tritt in die Pedale. Die Kraft wird aber beim Hydrobike nicht auf Räder übertragen, sondern auf eine speziell entwickelte Schiffsschraube. Zwei große Schwimmkörper verhindern, dass das Fahrzeug kippen kann – den Elchtest hat das Bike, das auch schon auf der Interboot zu sehen war, mit Bravour bestanden. Straßentauglich ist es aber leider nicht.

Das Fahrrad-Boot

Fliewatüüt, Hydrobike und Fahrrad-Boot können zwar alle drei übers Wasser fahren. Aber das wär’s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Wenzel Drechsler Fahrrad-Boot fährt nur mit Muskelkraft und sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Lande und eröffnet ganz neue Perspektiven. „Von der Idee bin ich schon seit Jahren überzeugt“, sagt der 68-.jährige Wenzel Drechsler. „Mein Traum war immer, ein Gefährt zu erfinden, mit dem man sich auf dem Wasser bewegen kann, das aber auch genau so gut für Fahrradtouren geeignet ist“. Der selbstständige Maschinenbauer und begeisterte Kanusportler machte sich also an die Arbeit und ab kommenden Donnerstag ist sein Veloboat in der Konstanzer Hafenmeile zu bestaunen.

Strampeln mit 14 Gängen

Mit seiner Erfindung will der gestandene Bayer auf den Markt. „Von der Bodenseewoche erhoffe ich mir neue Kontakte. Gerade hier am See ist mein Fahrrad-Boot ja eine echte Alternative“. Es sei beispielsweise überhaupt kein Problem, das Veloboat in Konstanz zu wassern, gemütlich nach Meersburg zu strampeln und auf dem Landweg nach Konstanz zurück zu radeln. „Das Gefährt ist im Wasser absolut stabil und lässt sich auch auf dem Land ohne größere Anstrengung bewegen.“ Eine Nabenschaltung mit 14 Gängen erleichtert die Fortbewegung.

Elektroantrieb wäre möglich

Jahrelang hat Drechsler an seiner Konstruktion gebastelt und sie immer wieder verbessert. Sein Veloboat wird in der Standardausführung per Fußantrieb vorwärts getrieben. Aber auch ein wechselweise mit dem Fußantrieb zu bedienender Handantrieb sowie ein Elektroantrieb ist möglich. Die unterschiedlichen Antriebsarten können miteinander kombiniert werden. Somit ist das Veloboat auch eine sportliche Alternative für Körperbehinderte. Ein hydraulisch höhenverstellbarer Sitz macht das Veloboat für diese Zielgruppe zusätzlich interessant.

Umrüsten in wenigen Minuten

Bevor man mit dem schnuckeligen Gefährt nach einer längeren Radtour eine Fluß- oder Seefahrt antritt, müssen zwei Schaufelräder an die beiden Hinterräder montiert werden. Ein einfacher Vorgang, der in wenigen Minuten abgeschlossen ist. Die Schaufelräder stabilieren das Gefährt im Wasser zusätzlich und Wellengang macht ihm kaum etwas aus. Auch für einen Kindersitz ist Platz, zudem gibt es Stauraum für etwas Reisegepäck.

Wasserdichte Karosse

Mit seinen technischen Merkmalen kann das Veloboat zusätzlich punkten: Die selbsttragende GFK-Karosse, so der Erfinder, „ ist absolut wasserdicht.“ Die Lenkersäule ist hochklappbar und erleichtert den Einstieg. Eine 3-fach verstellbare Rückenlehne mit Liegeposition gehört ebenso dazu, wie eine Feststellbremse für die Vorderachse, ein schaltbarer Rückwärtsgang, hydraulische Scheibenbremsen, vollständige Beleuchtung, Tachometer und Außenspiegel.

Amphibienfahrzeug mit vielen Extras

Auch beim Zubehör hat Drechsler an alles gedacht: Eine unzerbrechliche Windschutzscheibe aus Polycarbonat kann mitgeliefert werden, dazu 5 große Packtaschen im Innenbereich und ein Dachaufbau mit Seitenverkleidung. Drechslers Amphibienfahrzeug stellt also durchaus ein ökologisch ausgerichtetes Fortbewegungsmittel dar, das nicht nur für die Bodenseeregion eine echte Alternative zu sein scheint. Ein Besuch an seinem Stand könnte sich lohnen.

Wer vorab schon mal schauen will, was der Tüftler aus Bayern an den See bringt, kann hier klicken:

http://veloboat.npage.de

Mehr über Vorteile des Hydro-Bikes gibt’s unter

http://www.3sine.net/hydrobikes/index.htm

Holger Reile, Waltraud Kässer

Fotos: Veloboat/Hydrobike

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