Eine Nische an der Uni für unterforderte Schüler

Schülerstudium an der Universität Konstanz Ausweg für begabte Gymnasiasten

Konstanz (red) Das Schülerstudium an der Universität Konstanz ermöglicht es, begabten Gymnasiasten, noch vor dem Abitur ein Studium auszuprobieren.

Mathestudent macht in diesem Jahr erst Abi

Felix Hummel wird in diesem Jahr sein Abitur machen. Nichtsdestotrotz studiert der 18-Jährige schon seit drei Semestern Mathematik an der Universität Konstanz. Möglich macht dies das Schülerstudium, ein Bildungsangebot für besonders begabte Schülerinnen und Schüler mit Leistungsreserven: Parallel zum Schulunterricht besuchen sie ausgewählte Vorlesungen oder Seminare an der Universität Konstanz — um vertieft in ein Fach einzusteigen und ein künftiges Studium vorzubereiten oder um einfach in die Universitätsluft hineinzuschnuppern. „Es ist mit Sicherheit eine Möglichkeit ,nur für einige wenige‘, aber für diejenigen ist es offensichtlich genau das Passende. Solche Nischen muss man schaffen“, ist sich Studienberaterin Ulrike Leitner sicher.

Für Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen

Das Schülerstudium richtet sich an besonders begabte Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen, die sich vom Schulunterricht unterfordert fühlen. „Beim Studieren sehe ich deutlich, was ich möchte, und kann dies auch intensiv verwirklichen“, erzählt Felix Hummel. Das Programm bietet die Möglichkeit, in einem Fach ihrer Wahl auf Universitätsniveau zu arbeiten und nebenbei erste Prüfungsleistungen im gewählten Studiengang abzulegen. Alle erworbenen „Scheine“ dürfen für ein künftiges Studium angerechnet werden, etwaige schlechte Prüfungsergebnisse haben jedoch keinerlei Folgen. „Das Gute ist immer: Wenn es irgendwie schief geht, hat es hier keine Konsequenzen. Das sorgt dafür, dass man das Ganze ziemlich entspannt angehen kann“, verdeutlicht Felix Hummel.

Schulnoten dürfen nicht leiden

„Schule geht vor“ lautet das unmissverständliche Motto des Schülerstudiums. Nicht umsonst ist das Programm in die Studienberatung der Universität Konstanz eingebettet und wird von Tutoren begleitet. Zum Schülerstudium wird nur zugelassen, wenn sowohl die Schule als auch die Universität ihr Einverständnis geben. Leiden die Schulnoten der Schüler-Studierenden oder erweist sich die Zeitbelastung als zu hoch, so kann das Studienprogramm unverzüglich abgebrochen werden. In den drei Semestern seines Bestehens kam das nur im absoluten Ausnahmefall vor: „In der Regel sind die Schüler im Unterricht gleich gut geblieben oder sogar besser geworden“, freut sich Ulrike Leitner.

Pro Semester studieren 20 Schüler an der Uni

Im Wintersemester 2008/2009 wurde das Schülerstudium, das von der Deutschen Telekom Stiftung gefördert wird, an der Universität Konstanz eingeführt. Durchschnittlich nehmen pro Semester 20 Schülerinnen und Schüler teil; das große Einzugsgebiet reicht von Konstanz bis nach Villingen-Schwenningen.

Jüngster Schüler-Student war 14 Jahre

„Wir haben bewusst keine Altersgrenze gesetzt“, erklärt Ulrike Leitner. Das Bildungsangebot soll eine Nische für unterforderte Schüler aller Altersstufen sein. Der jüngste Teilnehmer war 14 Jahre alt und erzielte sogleich Bestnoten in der Mathematik.

Ab dem Wintersemester gibt’s auch Jura

„Wir sind ständig bemüht, den Fächerkanon auszuweiten“, versichert Ulrike Leitner. Derzeit dürfen Schüler an der Universität Konstanz die Fächer Informatik, Mathematik, Physik, Chemie, Philosophie, Geschichte, Soziologie und Sprachwissenschaft studieren, ab dem Wintersemester 2010/2011 werden die Wirtschaftswissenschaften und die Rechtswissenschaft hinzukommen.

Bis zum 10. März können Anmeldungen zum Schülerstudium für das Sommersemester 2010 in den Fächern Informatik, Philosophie, Geschichte und Soziologie eingereicht werden. Die Vorlesungen beginnen am 12. April. Weitere Informationen unter http://www.uni-konstanz.de/schuelerstudium.

Foto: Hanns Fahlbusch Universität Konstanz

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