Empfehlenswert! Suchmaschinenoptimiert schreiben

UVK punktet mit Reihe „Praktischer Journalismus“ – Noch ein Handbuch für Journalisten 2.0

Konstanz. Wer mit Print groß geworden ist, ein Blog eröffnet und zum ersten Mal journalistischen Texte online stellt, sieht sich bald mit der Frage konfrontiert, ob die Texte auch den Anforderungen des Web entsprechen. Werden die journalistischen Texte im Netz von Suchmaschinen und Nutzern überhaupt gefunden? Der Journalist Heiko Lenz hat in seinem neu im Konstanzer UVK Verlag erschienenen Buch „Suchmaschinen optimiert schreiben“ eine verblüffende Antwort gegeben: Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, werden auch im Web mit hoher Wahrscheinlichkeit von Suchmaschinen aufgespürt.

Suchmaschinen entscheiden

„,Das Internet ist anders‘, lautet die erste These des von Mario Sixtus initiierten ,Internet-Manifests‘ vom September 2009. Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse, andere Kulturtechniken und stellt damit den klassischen Journalismus gehörig auf den Kopf. Was dort wichtig und was unwichtig ist, bestimmen nicht mehr allein die etablierten Medienmarken, sondern Suchmaschinen. Der Journalismus wird dabei keineswegs ersetzt – nur erweitert.“ So ist es auf er Website des Konstanzer UVK Verlags zu lesen.

Auffindbare Texte schreiben

Weiter heißt es auf der Seite des Verlags, der mit seiner Reihe „Praktischer Journalismus“ gleich eine ganze Reihe nützlicher Bücher veröffentlicht hat: „Nutzerverhalten und Webtechnik erfordern eine andere Herangehensweise als in den Massenmedien. Wer dem User gute und verständliche Texte bieten will, muss zuallererst dafür sorgen, dass die Texte auch gefunden werden.“  Besser oder genauso korrekt wäre es vielleicht zu sagen: Wer dem User auffindbare Texte bieten will, muss zuallererst dafür sorgen, dass die Texte auch gut und verständlich geschrieben sind. Zumindest ist dieser Satz richtig, wenn Heiko Lenz mit seiner sehr guten Übersicht über Suchmaschinen optimiertes Schreiben richtig liegt.

Grundlagen des Web

Das knapp 200 Seiten starke Buch gliedert sich in vier Kapitel. Heiko Lenz stellt die Grundlagen der Web- und Suchmaschinentechnik vor, geht auf den Aufbau der Trefferliste am Beispiel von Google ein, erklärt Ranking und beschreibt wie Texter Textsorten auffindbar machen können. Erfreulich ist, dass das erste Kapitel eine verständliche „technische“ Einführung enthält, in der der Autor zum Beispiel erklärt was eine IP-Adresse und ein Domain-Name-Adresse sind, wie ein HTML-Dokument aufgebaut ist und wie Indexierung funktioniert. Die Passagen sind so geschrieben, dass auch ein „Dau“ (Dümmster Anzunehmender User) sie versteht.

Sprechen über <h1>

Heiko Lenz beschreibt wie Suchmaschinen arbeiten, weshalb es wichtig ist, dass Bilder nicht IMG0515 heißen, sondern einen Namen haben und wie Google versucht, Denkweisen von Menschen nachzuahmen, ihr Verhalten und ihre Erwartungen abzuschätzen. Spannend und ganz nah an der Praxis ist der Autor, wenn er über den Aufbau einer Website spricht und die Hierarchie auf einer Website mit dem Aufbau einer klassischen Nachricht vergleicht. Hier geht es um so Konkretes wie <Title>-Tag und <h1> bis <h6> Überschriften. Das Thema ist die Auffindbarkeit und nicht etwa Screendesign oder selbstverliebtes Schreiben, das sehr schädlich wäre. Heiko Lenz veranschaulicht, was er sagt, mit Beispielen aus der Praxis, mit tatsächlich veröffentlichten Berichten von bild.de, ntv.de und tagesschau.de. Der Autor zeigt, was die Redaktionen richtig und was sie falsch gemacht haben.

Wiederholen von Wörtern

Im Web ist es, so sagt es der Autor, wie bei journalistischen Texten. Nicht die Abwechslung, sondern das Wiederholen von Schlüsselbegriffen und zentralen Aussagen schafft Verständlichkeit – und verbessert das Ranking. „Das Leben ist kurz. Niemand möchte seine Zeit mit schwer verständlichen Nachrichtentexten verplempern“, zitiert Heiko Lenz den Sprachkritiker und Stillehrer Wolf Schneider. Lenz sagt es so: „Verständliches Texten macht sich auch beim Suchmaschinen-Ranking bemerkbar.“ Der Leser erfährt weiter zum Beispiel – was in der Praxis hilfreich sein kann – dass Suchmaschinenoptimierer heute davon ausgehen, dass Google auch auf semantisch verwandte Wörter achtet. Eine Seite zum Thema Rezept werde besser gefunden, wenn dort auch verwandte Begriffe wie Pfanne, Topf oder Zubereitung stehe, so Lenz. Ansonsten gelte besser getrennt als zusammengeschrieben.

Google mag keine „Bleiwüsten“

Einen weiteren Pluspunkt gibt’s laut Heiko Lenz für die Nutzerfreundlichkeit eines Textes. Als Faustregel gelte mindestens zwei Absätze pro Bildschirmseite und Zwischenüberschriften machen. Die typografische Hervorhebung erleichtere die „Scanability“ von Texten. Google erkenne gut strukturierte Texte und bewerte sie höher als „unübersichtliche Bleiwüsten“. Weitere Buchseiten widmet Lenz der Bedeutung von Links und weist – egal in welchem Zusammenhang – immer wieder darauf hin, dass Google Algorithmen immer wieder anpasst. Keine Aussage von Lenz ist also für die Ewigkeit.

Handlungsanweisung für Texter

Eine wahre Goldgrube für Blogger und Journalisten sind die letzten gut 40 Seiten des Buches. Hier beschreibt Heiko Lenz am Beispiel von Nachricht, Reportage. Kommentar und Glosse ausführlich wie Texter unterschiedliche Textsorten auffindbar machen können. Kurz zusammengefasst kommt er in etwa zu folgendem Schluss. Das Wichtigste steht am Anfang. Ein Teaser ist ein Muss. Auch einer Reportage – so beschreibt es Lenz – sollte ein Texter einen solchen ersten Absatz oder Lead voranstellen. Der Teaser muss Schlüsselbergiffe beinhalten, die User auch noch gern googeln.

Persönliches Fazit

Heiko Lenz zu lesen macht Spaß und hilft weiter. Die wichtigsten Erkenntnisse: Erstens machen gut ausgebildete Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, intuitiv vieles richtig und ihre Schreibe gefällt Google. Zweitens würden wir dieses Buch sehr gern unserer Webmistress schenken, weil auch sie bloggt und profitieren könnte. Drittens: „Suchmaschinenoptimiert schreiben“ ist wieder einmal ein sehr gelungenes Werk, das im Konstanzer UVK Verlag in der Reihe „Praktischer Journalismus“ erschienen ist. Der Verlag wurde 1963 – noch vor der Gründung der Universität Konstanz – gegründet. Er verstand sich damals als publizistischer Begleiter der Universität. Seit Juli 2002 ist die UVK Verlagsgesellschaft auch Gesellschafter bei UTB. Ziel ist es nach Angaben des Verlags hier, mit guten Lehrbüchern aus dem Kompetenzbereich von UVK das Programmangebot von UTB zu erweitern und zu stärken. Mit der Praxisliteratur für Journalisten und PR-Fachleute gelingt das UVK sehr gut.

Tipp: Heiko Lenz, Suchmaschinenoptimiert schreiben, 1. Auflage 2011, 198 Seiten, br., Abb.: 60 sw., ISBN 978-3-86764-284-2, Euro (D) 24,90 / Euro (A) 25,60 / SFr 35,90, (Praktischer Journalismus, Band 90), lieferbar

Kürzlich auf dem Blog erschienen sind Rezension von  Anja Ebersbach, Markus Glaser, Richard Heigl, Social Web, 2., überarbeitete Auflage 2011, 316 Seiten, ISBN 978-3-8252-3065-4, Euro (D) 19,90 / Euro (A) 20,50 / SFr 28,90, lieferbar, http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783825230654 und Anton Simons, Journalismus 2.0,  1. Auflage 2011, 236 Seiten, br., Abb.: 15 sw. ,ISBN 978-3-86764-116-6, Euro (D) 29,90 / Euro (A) 30,80 / SFr 41,90, (Praktischer Journalismus, Band 84), lieferbar http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641166

3 Kommentare to “Empfehlenswert! Suchmaschinenoptimiert schreiben”

  1. Franz Sauerstein
    5. August 2011 at 19:44 #

    Irgendwas stimmt mit dem Bild nicht. ^^

  2. wak
    6. August 2011 at 11:21 #

    @Franz Sauerstein Sollte was Originelles sein – hab’s wieder zurück gespiegelt. ;-)

  3. Franz Sauerstein
    6. August 2011 at 16:56 #

    Fällt aber gleich ins Auge, war also marketingtechnisch so gar nicht schlecht :D Schönen Abend noch!

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