Entertainer Tobias Bücklein: Das Brot des Künstlers

Sommerbückleinmusiktalkshow im wohltemperierten Quartierszentrum in der ersten Ferienwoche

Konstanz. Ausgerechnet in den Sommerferien, ausgerechnet an einem Mittwoch, aber mit Professor Götz W. Werner, dem Gründer der dm-Drogeriemärkte, und mit Peter Friedrich, SPD-Landesminister in Berlin. Der Entertainer Tobias Bücklein bestellt einen Schwarztee. Es läuft nicht so ganz rund für ihn: die Theaterkasse ist in den Ferien geschlossen und Tickets gibt es deswegen nur noch bei der Tourist Information, wo sie persönlich abgeholt werden müssen, oder online direkt bei Bücklein. Vielleicht versendet er sie dann mit Brieftauben. Der Termin an einem Mittwoch in den Sommerferien, an dem Max Mutzke in der ersten der Sommernächte im Stadtgarten spielt, ist nicht ideal. Aber es gibt neuerdings eine Klimaanlage im Quartierszentrum. Früher sei es unerträglich gewesen im Sommer im Quartierszentrum, sagt Bücklein und grinst. Und Professor Götz W. Werner konnte eben nur in den Ferien.

Bückleins printaffine Zielgruppe

Das Publikum des Entertainers dürfte als „bürgerlich“ durchgehen. Deswegen ärgert sich Bücklein auch, dass der gedruckte SÜDKURIER der Kultur in seiner Printausgabe nicht mehr Platz einräumt.Der Vorverkauf ziehe an, wenn der SÜDKURIER berichtet, sagt er. Wie groß eine kostenlose redaktionelle Vorankündigung ist, scheint heutzutage offenbar Verhandlungssache zu sein. Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut. Bücklein hat ein Problem: Übers Web erreicht er sein Publikum noch nicht so gut wie Künstler, die eine jüngere Zielgruppe haben. Dieses Mal hat er keinen ausführlichen Vorbericht bekommen, sagt er.

Weil sowieso keiner verhungert

Thema sein der Show am 10. August wird das bedingungslose Grundeinkommen sein. Die Bürgerlichen hätten damit weniger Probleme als die SPD, meint Bücklein. Für die SPD sei Arbeit nur etwas wert, wenn es sich um Erwerbsarbeit handle. Oder so ähnlich. „Jeder bekommt so viel, dass er leben kann“, sagt Bücklein. Verhungern müsse sowieso keiner – die ganze Prüferei wäre überflüssig.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Bücklein hätte auch Musiklehrer werden können. Er ist aber Künstler geworden. Manche Leute behaupten von sich, dass sie ihr ganzes Leben lang Dinge tun müssten, die sie nicht tun wollen, sagt Bücklein. Vielleicht wäre das bedingungslose Grundeinkommen auch deswegen eine gute Sache, meint er. Menschen hätten dann womöglich die Freiheit, endlich das zu tun, was ihren Neigungen entspricht und worin sie richtig gut sind. „Vorschieben zählt nicht“, sagt Bücklein.

Wirtschaftlicher Druck in der Manufaktur

Der Fabrikant von Unterhaltung überschlägt: 180 bis 200 Plätze gibt es im Quartierszentrum beim Klinikum. Die teuerste Karte kostet 17 Euro. Bücklein hat gelernt, dass er mit seiner bückleinmusiktalkshow ein Defizit macht, wenn er nicht aufpasst. Es klingt schon ein bisschen absurd – die Kritik feiert den Künstler Bücklein, den Pianisten, den Sänger, den Kabarettisten und den Talker. Weil aber die Karten – anders als Theaterkarten – nicht subventioniert sind, ist das Geld immer knapp. Viel Fantasie braucht es nicht, um zu verstehen. „19 Prozent Mehrwertsteuer gehen ab“, sagt Bücklein. Der Raum kostet, der Flügel, die Ton- und die Musikanlage auch, die Gema hält die Hand auf. Flyer und Plakate kosten Geld.

Bücklein könnte japanisch lernen

Bei seinen ersten Shows ist es Bücklein passiert, dass er bei ausverkauftem Haus ein Minus machte. Jetzt hat er Nycomed als Sponsor gewonnen. Gilbert Rademacher, der Deutschland-Chef, hat sich mindestens eine Show angesehen – sie hat ihm gefallen. Auf Facebook habe er nach der Nycomed Übernahme durch den Pharmakonzern Takeda gefragt, ob er jetzt japanisch lernen müsse. Muss er, der Entertainer der auch schon türkisch gesungen hat, voraussichtlich nicht. Die nächsten drei Shows – im August, Oktober und Januar – sind sicher. Am Ende hätte Bücklein gern eine „schwarze Null“ da stehen, sagt er.

Werbeeinblendung für Bücklein

So ein bisschen sind die Auftritte von Bücklein immer auch Werbung für seine Showmanufaktur, mit der er zum Beispiel zu Firmenfesten kommt.

90 Minuten Programm

Die achte Show, zwei Gäste, ein Thema und Bückleins Spiele und Rituale. Bücklein muss die Balance schaffen zwischen Unterhaltung und Leichtigkeit sowie Ernsthaftigkeit. Vor der Landtagswahl hatte Bücklein vier Gäste eingeladen. Dieses Mal hat er wieder mehr Zeit für jeden einzelnen. Bücklein hat meistens ein Füllhorn von Themen. Abgesprochen mit den Gästen ist nicht sehr viel. In seinen Vorgesprächen will Bücklein vor allem heraus bekommen wie die Menschen ticken, die er auf die Bühne holt. Nach zwei Stunden ist Schluss. Er plant für 90 Minuten – das passt dann schon.

Perlen beruhigen den Entertainer

Der redaktionelle Aufwand ist beträchtlich. Bücklein beschäftigt sich über Wochen mit seiner Show. Sechs bis acht Wochen bereite er seine Show vor, sagt er. Er will, dass alles „super“ wird. Bücklein gesteht: „Ich bin schon nervös.“ Schließlich gibt es auch Überraschendes. Wenn er weiß, dass er sechs oder acht Perlen im Programm hat, beruhigt ihn das. Darauf freut er sich. „Es ist ein permanentes Ideen sammeln“, sagt er.

Bloß niemanden blamieren

Die Gäste sollen immer auch einen künstlerischen Beitrag leisten. Lächerlich machen dürfen sie sich dabei aber nicht – dafür ist Bücklein zuständig. Hauptsächlich möchte er die Menschen zeigen. So sagt es der Entertainer. Auch in der Sommershow mit Peter Friedrich und Götz W. Werner wird es so sein.

Wohltemperierter Show-Room

Apropos Sommer. Bücklein ist ganz glücklich darüber, dass es eine Klimaanlage im Quartierszentrum gibt. Dem Publikum war es in der Sommerschow früher zu heiß. Bücklein musste dann eine Pause machen. Die Klimaanlage ist aber auch nicht ganz unproblematisch. In verschiedenen Luftschichten herrschen unterschiedliche Temperaturen. Schallwellen werden nicht alle gleich transportiert und Klänge könnten da schon einmal verrutschen. So ähnlich hat es der Musiker erklärt. „Wahrscheinlich hat es aber sowieso nur 15 Grad und es regnet“, sagt er.

Ein Mann will ins Fernsehen

Streng genommen treibt Bücklein denselben Aufwand wie ihn auch das Fernsehen betreibt. „Nur, dass ich es nur für 200 Zuschauer mache“, sagt Bücklein. Einen Traum hätte er denn auch: Er möchte ins Fernsehen. Klar könne er das. So sagt er es.

Bückleinmusiktalkshow am 10. August um 20 Uhr mit Gästen Peter Friedrich und Professor Götz W. Werner. Tickets bei der Tourist Information Konstanz oder unter www.bkkts.de.

httpv://www.youtube.com/watch?v=GJNes9ktrHw

Hier geht’s zur Showmanufaktur.

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