Erste Bäume in der Konstanzer Laube unter Protest des BUND gefallen

Die Stadt hatte die Bauarbeiten in der Oberen Laube in Konstanz bereits angekündigt und auch erklärt, dass einige alte Bäume fallen werden. Das hat den BUND empört. Antje Boll, neue Geschäftsführerin des BUND, fordert mehr Baumschutz. Die Konstanzer Naturschutzverbände fordern jetzt ersatzweise die Pflanzung neuer Stadtbäume. Das Foto zeigt neben Autos jüngere Bäume in der Europastraße.

Konstanz. Die Stadt hatte die Bauarbeiten in der Oberen Laube in Konstanz bereits angekündigt und auch erklärt, dass einige alte Bäume fallen werden. Das hat den BUND empört. Antje Boll, neue Geschäftsführerin des BUND, fordert mehr Baumschutz. Die Konstanzer Naturschutzverbände fordern jetzt ersatzweise die Pflanzung neuer Stadtbäume. Das Foto zeigt neben Autos jüngere Bäume in der Europastraße.

Baumfällungen an der Oberen Laube

Die Umweltverbände fordern von der Stadt mehr Baumschutz, heißt es in einer Medienmitteilung des BUND.  Bäume in der Stadt seien Ausdruck von Lebensqualität. Sie prägten das Bild der Straßen und Stadtteile. Ebenso wichtig seien ihre ökologische Funktion und ihre Bedeutung für das Stadtklima.

Städte misshandeln ihre Bäume

Im Gegenzug bieten Städte ihren Bäumen miserable Lebensbedingungen, kritisiert Antje Boll. Stadtbäume seien  belastet durch versiegelte und verdichtete Böden, Nährstoffarmut und Wassermangel, Anfahrschäden durch Autoverkehr und Verletzungen bei Baumaßnahmen. All dies senkt ihre Lebenserwartung dramatisch.

Baumfällaktion hat begonnen

In der Medienmitteilung heißt es weiter: „Auch in Konstanz fallen dieser Tage wieder Bäume der Säge zum Opfer. Vorgeschädigt durch den intensiven Verkehr auf der Oberen Laube, müssen die 80 bis 120 Jahre alten Linden und Platanen der Straßenerneuerung weichen. Wie so oft in Konstanz hat der Autoverkehr erste Priorität.“ Am heutigen Montag war es soweit. Die ersten Bäume sind gefallen.

BUND und Nabu fordern Ersatz

Die Naturschutzverbände (NABU und BUND Konstanz) fordern von der Stadt, die entfernten Bäume durch einheimische Gehölze wie  den Feldahorn zu ersetzen und in räumlich nahen Stadtgebieten weitere einheimische Stadtbäume zu pflanzen, um die verloren gegangene Luftreinigungskapazität zu ersetzen. Straßenplanung sollte sich an Bäumen, die das Stadtbild prägen, orientieren, fordert BUND und Nabu. Sie dürften nicht bei jeder Straßenplanung als verfügbare Masse gelten. Die Lebensqualität, die eine 100-jährige, schattenspendende Baumallee biete, lasse sich leider nicht wieder herstellen.

Unterzeichnet haben die Protestnote Dr. Antje Boll, Geschäftsführerin BUND Konstanz, und Martina Wunderle-Götz, 2. Vorsitzende NABU Konstanz.

Keine Kommentare bis jetzt to “Erste Bäume in der Konstanzer Laube unter Protest des BUND gefallen”

  1. Marco Walter
    22. Oktober 2012 at 21:23 #

    Schlimm, dass immer wieder alte Bäume in Konstanz fallen müssen, sei es für neue Gebäude, Straßen oder wieso auch immer. Gut, dass die Umweltverbände darauf hinweisen und einen anderen Umgang mit unseren Bäumen von der Stadt einfordern. Die Stadt sollte die Verbände auch frühzeitiger über solche Maßnahmen informieren und sie in Entscheidungen einbinden. Es kann doch nicht sein, dass die Umweltverbände solche massiven Eingriffe in die städtische Umwelt aus der Zeitung erfahren und nur noch mit Protestnoten reagieren können statt wirklich zu agieren.

  2. Fafnir
    23. Oktober 2012 at 06:00 #

    Aber lieber Herr Walter! „Massive Eingriffe“? Die drei Bäume, die da gefällt werden? Es ist überhaupt nicht „gut“, daß sich NGOs einmischen. Denn die sind demokratisch überhaupt nicht dazu legitmiert. Wir haben übrigens eine der rücksichtsvollsten Umweltgesetzgebung weltweit. Wie kommen Sie dazu, daß jetzt auf einmal der BUND, der NABU und womöglich noch Greenpeace extra informiert werden sollen? Also ich wil nicht, daß plötzlich solche Vereine mitbestimmen. Nur weil manche glauben, das sei moralisch gefälligst gut. Es gibt Gesetze und die Stadt hat sich daran gehalten. Zum Beispiel, daß über Ausgleichsmaßnahmen neue Bäume gepflanzt werden. Eine Baumfällung ist gar kein „Eingriff in die Umwelt“, dafür ist sie viel zu groß, als daß eine Hysterie um ein paar Bäume irgendwas beeinflusst. Das ist Pflege und Schutz. Die Umwelt reißt sich übrigens selber oft genug alte Bäume raus. Bei Sturm zum Beispiel. Oder die Umwelt schickt Borkenkäfer, die mal eben hunderte von Bäumen absterben lassen. „Die Umwelt“ ist nämlich gar nicht so heile, wie sich das ein paar grüne Romantiker vorstellen. Von wegen Blümchenwiese und so. Die Umwelt ist gefährlich und dem Menschen nicht wohlgesonnen. War sie noch nie. Deswegen muss er ab und zu Bäume fällen und dafür sorgen, daß sie sicher wird. Oder wollen Sie, daß Ihnen plötzlich ein morscher Baum auf den Kopf fällt? Übrigens ist in den vergangenen 40 Jahren die Fläche des deutschen Waldes um eine Million Hektar gewachsen. Das sind zehn Prozent.

  3. Dachfrosch
    23. Oktober 2012 at 08:42 #

    Vielleicht sollte die Laube nach Wegfall der Laubbäume umbenannt werden. Mein Vorschlag: „Entlaube“. Oder einfach „Parke“…zu differenzieren in „Obere Parke“ und „Untere Parke“.

  4. Walter Rügert
    23. Oktober 2012 at 15:01 #

    @Marco Walter
    Marco Walter schreibt: „Gut, dass die Umweltverbände darauf hinweisen….. Es kann doch nicht sein, dass die Umweltverbände solche massiven Eingriffe in die städtische Umwelt aus der Zeitung erfahren…“: Die Verwaltung hat sowohl in der öffentlichen Sitzung des Technischen- und Umweltausschusses am 10.05.12 als auch in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats am 28.06.12 über die erforderlichen Baumfällungen informiert. Der Südkurier hat darüber am 11.05.12, am 26.06.12 und am 28.08.12 berichtet. So heißt es z.B. im Bericht vom 10.05.12: „Die Sanierung ist dringend nötig, Anwohner berichten von starken Erschütterungen der Häuser durch den Verkehr, da die Straße in so schlechtem Zustand ist.(…) Wegen der Arbeiten
    müssen aber einige Bäume gefällt und neue nachgepflanzt werden“.

    • wak
      23. Oktober 2012 at 18:06 #

      @Walter Rügert See-Online berichtete am 12. Oktober „Bei der Planung wurde großen Wert darauf gelegt, den vorhandenen Altbaumbestand soweit als möglich zu erhalten. Bedingt durch die Verschiebung des Fahrbahnrandes müssen jedoch alle auf der Ostseite der Straße stehenden Bäume gefällt werden. Durch die Neuanordnung der Stellplätze auf der Westseite sei es zudem nicht zu vermeiden, auch einige der dort stehenden Bäume zu fällen. Das teilte die Stadt mit.“

  5. Fossibär
    23. Oktober 2012 at 17:26 #

    Wie hoch sind die Ersatzbäume? 1 Meter? 10 Meter? Und was wird gepflanzt? Rosskastanien? Platanen? Weibliche Ginkgos?

  6. Marco Walter
    23. Oktober 2012 at 20:31 #

    Liebe Waltraud Kässer, lieber Walter Rügert,

    vielen Dank für die Hinweise bezüglich der verschiedenen Informationen zu der Fällaktion.
    Diese sind mir durchaus bekannt gewesen. Doch gibt es einen Unterschied zwischen informieren und beteiligen.

    Dass ich erst mit Beginn der Baumfällarbeiten in der Sache aktiv wurde, hat den Grund darin, dass ich aufgrund der bisherigen Informationen immer davon ausgegangen bin, dass die Bäume an der Oberen Laube derart geschädigt seien, dass sie ohnehin entfernt werden müssten. Erst nach dem Fall der ersten 100 jährigen Platane wurde mir klar, dass dieser Baum kerngesund war, was mir auch die Baumpfleger vor Ort bestätigten. Auch die anderen Bäume seien zum Teil kerngesund. Und sie müssen nur deshalb weichen, um ein paar Parkplätze im Verhältnis eins zu eins (so die MItteilung vor Ort) zu erhalten. Ein 100 jähriger Baum für einen Parkplatz ist, wie ich finde, ein sehr schlechtes Verhältnis und dazu sollten sich die Bürgerinnen und Bürger auch noch äußern können, wenn sie erst mit beginnenden Fällarbeiten realisieren, welcher Schatz ihnen da genommen wird. Und natürlich lassen sich derart große Bäume nicht einfach mit Neupflanzungen ersetzen. Denn für die gleiche Wirkung auf Luftqualität und Stadtklima benötigt man für einen gefällten alten Baum hunderte von Jungbäumen. Und die passen definitiv nicht auf die Laube. Es ist noch nicht zu spät dazu, die Bäume zu erhalten und dafür ein paar Parkplätze zu opfern, die in der mittelfristigen Planung ohnehin entfallen sollen. Und wenn am Schluss nur ein Baum mehr gerettet werden kann, dann hat sich das Innehalten und die Diskussion zumindest für mich gelohnt.

    Vielen Dank fürs, falls vorhanden, Verständnis

    Marco Walter

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