Es gibt kein wikileaks.fdp.de aber ein wikileaks.piratenpartei.de

„Leinen los“ beim Dreikönigstreffen der Piratenpartei – Nachgefragt bei Konstanzer Landtagskandidatin Ute Hauth

Karlsruhe/Konstanz. Am gestrigen Dreikönigstag ist die Piratenpartei Baden-Württemberg in Karlsruhe mit einem Dreikönigstreffen in den Wahlkampf für die Landtagswahl 2011 gestartet. Vorstände und Direktkandidaten sehen sich als Kämpfer für eine freiheitliche Bürgerrechtspolitik. Sebastian Nerz, Vorsitzender des Landesverbandes, verglich in Karlsruhe den politischen Kampf mit einem Spiel. „Wir treten nicht an, es zu gewinnen, sondern um die eingefahrenen Regeln zu ändern – hin zu mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung“, so Nerz. „Die Politik der anderen ist von gestern“. André Martens, Politischer Geschäftsführer des Landesverbands, sagte: „Wir Piraten spiegeln Wikileaks. Wo sind die anderen ‚Bürgerrechts‘-Parteien? Ich sehe nur ein wikileaks.piratenpartei.de, aber kein wikileaks.fdp.de oder wikileaks.gruene.de. Glaubwürdige Politik erfordert Mut“. Wir haben bei Ute Hauth, der Landtagskandidatin der Piraten in Konstanz, die in Karlsruhe war, nachgefragt.

See-online: Sie sind gestern zum Dreikönigstreffen der Piratenpartei gefahren. Imitieren die Piraten jetzt die FDP?

Ute Hauth: Wir imitieren die FDP nicht. Wir sind liberaler als die FDP. Wir haben in Karlsruhe unseren Landtagswahlkampf eröffnet.

See-online: Wie viele Piraten waren denn da?

Ute Hauth: Ich habe 80 gezählt, darunter waren auch Gäste aus Bayern und Rheinland-Pfalz. Die Piraten aus Rheinland-Pfalz haben selbst einen Wahlkampf und wollten sehen, wie wir das machen. Wir haben in Baden-Württemberg jetzt schon mehr als 11.000 Unterstützerunterschriften gesammelt – so viele brauchen die Rheinland-Pfälzer nicht, wenn sie am 27. März antreten.

See-online: Wie lautet die wichtigste Botschaft der Piratenpartei, die sich von Karlsruhe aus verbreiten soll?

Ute Hauth: Wir verändern etwas, weil wir anders sind. Wir sind die Bürgerrechtspartei. Wir reden nicht nur, wir machen etwas. André Martens hat es gesagt: Es gibt kein wikileaks.fdp.de oder wikileaks.gruene.de aber ein wikileaks.piratenpartei.de. Mir fallen unzählige Beispiele ein. Wo sind denn die alten Parteien, die in Regierungsverantwortung stehen, wenn es um die Verteidigung der Bürgerrechte geht?

See-online: Sie haben gesagt, die Piratenpartei habe in Karlsruhe den Landtagswahlkampf eröffnet. Was heißt Wahlkampfstart? Wie sollen wir uns den piratigen Wahlkampf vorstellen?

Ute Hauth: Zu viel verraten möchte ich nicht. Unsere finanziellen Mittel sind begrenzt. Aber wir lassen uns etwas einfallen. Wir werden die Wähler überraschen. Als ich gestern nach Karlsruhe gefahren bin, war ich mir nicht sicher, wie viele Piraten kommen würden. Es war aber wichtig, dass ich da war. Aufbruchstimmung war zu spüren und ein Wir-Gefühl. Das Treffen mit anderen Piraten – von Konstanz bis Karlsruhe – war motivierend. Ich habe frisch gedruckte Wahlprogramme mitgebracht. Ein Pirat aus Kehl hatte Kugelschreiber dabei und aus Freiburg sind die Fähnchen gekommen. Und wir haben sogar noch Papierkram erledigt. So wussten wir nicht, dass wir den Wahlvorschlag mit den drei Unterschriften der Vorstände in doppelter Ausfertigung brauchen – wir hatten ihn nur in einfacher.

See-online: Konstanz ist ja eine Piratenhochburg. In der Stadt holten die Piraten bei der letzten Bundestagswahl 3,6 Prozent der Stimmen. Was erwarten Sie bei der Landtagswahl?

Ute Hauth: 8 bis 9 Prozent. Sonst wird es eng bei mit den 5 Prozent landesweit. In den Hochburgen müssen wir die Stimmen holen, die in eher konservativen Wahlkreisen, in denen die Piraten nicht so gut aufgestellt sind, fehlen. Ich glaube, dass wir es in Konstanz schaffen können und auch landesweit.

See-online: Wie viele Frauen haben denn am Dreikönigstreffen der Piraten teilgenommen? Die Piratenpartei wirkt ja eher männlich.

Ute Hauth: Schätzungsweise 10 Prozent Frauen.

See-online: Haben klassische, traditionelle Medienhäuser das Dreikönigstreffen der Piraten beachtet? Heute Morgen gab es bei der Google News Suche noch keinen Treffer.

Ute Hauth: Die regionale Tageszeitung Badische Neueste Nachrichten, die BNN, war da.

See-online: Sind Sie enttäuscht? Ich meine, die FDP liegt bei Umfragen ja derzeit auch bei weniger als 5 Prozent und die klassischen Medien berichteten ausführlich übers Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart.

Ute Hauth: Nein, ich bin nicht enttäuscht. Wir werden von den traditionellen Medien grundsätzlich eher weniger beachtet, egal was wir tun. Wir werden versuchen, in den kommenden Wochen noch verstärkt Kontakte zu knüpfen.

(Die Fragen stellte Waltraud Kässer.)

Foto: wak

5 Kommentare to “Es gibt kein wikileaks.fdp.de aber ein wikileaks.piratenpartei.de”

  1. Slogan?
    7. Januar 2011 at 17:07 #

    Bollenhut sucht Salzwasser-Pirat. DSL-Anschluss mit Blick aufs weite Meer wird bevorzugt.

  2. Kontrolleur
    8. Januar 2011 at 22:34 #

    Moment mal, Frau Oberpiratin!

    Wikileaks hat nicht mit Bürgerrechten, Demokrtaie oder Freiheit zu tun! Wikileaks wird despotisch nach Gutsherrenlaune von einem paranoiden Typen geführt, der das veröffentlicht, was ihm gerade in den Kram passt. Bisher übrigens wenig Neues und kaum Erhellendes. Den Hype haben Mainstream-Journalisten ausgelöst, die damit sich eine ganz dolle Geschicht erhofft haben. Gell, Spiegel? Und wie erwartet folgten Heerscharen uninformierter „Freiheitskämpfer“, die glauben, daßp Wikileaks irgendein ganz dolles Freiheitsding sei. Aufklärung, information und so. Pustekuchen!
    Wer von den Streitern für diese Art der Information hat überhaupt diese selten dämlichen Botschafterberichte gelesen. ist auf Englisch und da müssen schon mal viele passen.

    Da empören sich die interntaffinen Fortschrittsleutchen ganz doll, wenn Google Daten ausspäht oder das eigene Haus fotografiert. Aber wenn vertrauliche Daten einfach mal so massenhaft auf dem diktatorisch betriebenem wikileaks veröffentlicht werden, jubeln alle. Ist ja auch klar: geht ja gegen “die Bösen”. Und wer das ist, bestimmt der erhabene Pirat selber.
    Die Veröffentlichungen auf Wikileaks führen zu noch mehr political correctness, weil niemand mehr die Wahrheit ausspricht aus Angst, irgendwann deswegen mal an den Pranger gestellt zu werden.

    Diese sogenannte “neue Demokratie” führt zur neuen Unfreiheit. Die selbstgerechte Internetblockwartmentalität geht nach hinten los. Das sage ich Euch! Wenn nun die Piratenpartei sowas auch noch klasse findet, muss man sich schon fragen, ob da nicht „Liberale“ mit linksgrünem Sendungsbewusstsein am Werk sind, die im Zweifel die eigenen Ansichten als Maßstab von Gut und böse für wahrhaftig erklären.

  3. Lama
    12. Januar 2011 at 12:07 #

    Lieber Kontrolleur,
    wikileaks kämpft für staatliche Transparenz – genau wie die Piratenpartei.
    Im Bundestag mussten Abgeordnete über die Tollcollect-Verträge abstimmen ohne sie lesen zu dürfen – was nicht nur die PIRATEN stark kritisiert haben, erst wikileaks hat es dann geschafft, diesen Vertrag der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und so zu zeigen, dass die Verhandlungsführer der Regierung den Unternehmen die Profite garantiert haben, aber dem Staat die Risiken aufhäuften.
    Mit Cablegate hat Wikileaks unter anderem gezeigt, dass die deutsche Regierung keine ernsthaften Anstrengungen unternommen hat deutsche Staatsbürger aus Guantanamo zu befreien.
    Dieses Aufzeigen von Missbrauch und Rechtsverstößen durch den Staat ist etwas gänzlich anderes als das zur-Schau-stellen von unschuldigen Bürgern, weshalb die PIRATEN neben staatlicher Transparenz auch stärkeren Schutz privater Daten fordern – was durchaus kein Widerspruch ist!
    Ob Wikileaks zu mehr political correctness führt, darüber kann man streiten, aber wenn es auch nur ein von der Industrie gegen die Bürger geschriebenes Gesetz (siehe Spanien) oder eine Absprache für einen Angriffskrieg (siehe Saudi-Arabien) oder auch nur noch mehr Korruption verhindert, dann ist das den Preis in meinen Augen reichlich wert.

    Gruß

    Martin

  4. jalexander
    12. Januar 2011 at 12:07 #

    Herr Kontrolleur,

    tja wenn man den Sinn von Wikileaks nicht verstanden hat, braucht man nicht weiter über Bürgerrechte, Freiheit und Demokratie sprechen.

    Lesen Sie weiter die Bildzeitung und glauben das, was Sie da lesen – da muss man nämlich nicht groß mitdenken.

    Tschau

  5. Stefan Täge
    12. Januar 2011 at 18:22 #

    Sehr geehrter Herr Mappus……..Tschuldigund Kontrolleur,

    welchen Teil haben Sie von wikileaks nicht verstanden?
    Cablegate enthält Depeschen von amerikanischen Botschaften an das U.S. State Departement, die sind üblicherweise in englisch verfasst und nicht in schwäbisch, alemannisch oder deutsch. Diese Datensätze wurden auch so übernommen, es tut mir ja nun unendlich leid für Sie, das es keine BILDgerechten Erläuterungen gibt. Es steht Ihnen natürlich frei, sich darüber in förmlicher Weise bei der amerikanischen Botschaft in Berlin zu beschweren.
    Und vielleicht hat einer der Botschaftsangehörigen auch eine Portion Humor um Ihre Anregung bei der nächsten Depesche in einer Fußnote zu erwähnen.

    mit überaus freundlichen Grüßen…ein äußerst amüsierter Pirat

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