Fahrgastbeirat über das Elend mit dem Bummelzug vom Bodensee nach Stuttgart

Fahrgastbeirat im Kreis Konstanz meldet sich zu Wort

Fahrgastbeirat im Kreis Konstanz meldet sich zu WortKonstanz/Stuttgart. Der Fahrgastbeirat des Landkreises Konstanz hat sich erneut mit der Gäubahn befasst. Die Sprecher befürchten, dass die Bahn bei der derzeitigen Fahrplan- und Tarifstruktur der Bus-Konkurrenz nicht gewachsen ist. Seit 1990 gibt es, wie der Fahrgastbeirat anmerkt, keine Direktverbindung mehr von Konstanz nach Stuttgart. Von den Sprechern des Fahrgastbeirats des Landkreises Konstanz Dr. Ralph Gambetta, Hanspeter Hafen, Dr. Eberhard Luik und Henrich Tiessen

Gegenwärtige Situation

Mit dem Fahrplan-Wechsel im Dezember 2012 ist die Gäubahn (von manchen auch als Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn bezeichnet) wieder ins Gespräch gekommen, leider wiederum negativ, und zwar wegen Zugstreichungen im IC-Verkehr Zürich – Stuttgart an den Wochenenden.

Vergleich Schwarzwaldbahn

Während die Schwarzwaldbahn Karlsruhe – Konstanz uzr. seit der Einführung des fast vollständigen Stundentakts mit neuem Wagenmaterial eine deutliche Attraktivitätssteigerung erfahren hat (belegt durch hohe Fahrgastzuwächse), wurde die Attraktivität auf der Gäubahn kontinuierlich abgebaut:

1. Wo früher durchgehende Verbindungen Stuttgart – Tessin – Italien (mit Kurswagen Singen – Konstanz – Rorschach – Chur) angeboten wurden, finden sich heute nur noch Kurzstreckenfernzüge Stuttgart – Zürich uzr., die nunmehr z. T. auf drei Wagen verkürzt wurden und zu bestimmten Zeiten am Wochenende gar nicht mehr verkehren. Die umsteigefreie Verbindung aus Konstanz und Radolfzell in die Landeshauptstadt ist schon seit 1990 weggefallen. Die einwohnerreichste Stadt am Bodensee ist damit seit Jahrzehnten ohne Direktverbindung zur Landeshauptstadt!

2. Seit dem Abzug der ICE-Züge auf der Relation Zürich – Stuttgart und dem Ersatz durch IC-Züge mit längerer Fahrzeit werden in Stuttgart alle Anschlüsse an den Fernverkehr verpasst bzw. in der Gegenrichtung nicht mehr aufgenommen. Fahrgäste, die mit der Gäubahn kommend in Stuttgart umsteigen wollen auf die Linien ICE Stuttgart – Mannheim – Köln/Berlin, IC/EC Stuttgart – Heidelberg – Frankfurt, IC Stuttgart – Nürnberg, IC/EC Stuttgart – München – Salzburg, müssen im Regionalexpress (mit Fernverkehrsfahrschein) nach Stuttgart fahren. Dasselbe gilt für die Gegenrichtung.

3. Die Regionalexpresszüge übernehmen zwischen Horb und Herrenberg die Funktion von Regionalbahnen, halten auf allen Unterwegsbahnhöfen und haben eine dementsprechend lange (unattraktive) Fahrzeit. Eine positive Entwicklung der letzten Zeit ist, dass die RE-Züge Stuttgart – Singen uzr. wieder mit Zugbegleitern besetzt sind und diese Züge auch mit einem zusätzlichen Wagen ausgerüstet wurden, um der Nachfrage zu genügen. Der Reinigungsstand der RE-Züge hat sich ebenfalls gebessert. Es sollte überprüft werden, ob die RE-Züge nicht durch Aufgabe von Halten, die besser durch Regionalbahnen bedient würden, beschleunigt werden könnten.

4. Der Trennung zwischen Nah- und Fernverkehr auf der Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn entspricht eine tarifliche Trennung mit teilweise erheblichen Preisdifferenzen, die die freizügige Zugwahl beeinträchtigt. Auch dies hat im Fernverkehr zu einem Rückgang der Fahrgastzahlen geführt.

Freigabe des Fernbusverkehr

Im Rahmen dieser Situation ist auch die völlige Freigabe des Fernbusverkehrs seit 1.1.2013 zu sehen. Es ist zu befürchten, dass die neue Straßenkonkurrenz vor allem vom Fernverkehr auf der Gäubahn weitere Fahrgäste abzieht, insbesondere durch den Direktbus Konstanz – Stuttgart uzr., der seit Jahresbeginn eingerichtet worden ist. Dadurch könnte dann sogar der Bestand der IC-Linie Stuttgart-Zürich gefährdet sein.

Appell an Verantwortliche

Deshalb sollten sich möglichst bald alle Beteiligten (Landesnahverkehrsgesellschaft, sonstige Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen) mit dem Ziel zusammensetzen, die Attraktivität der Gäubahn in der Relation Stuttgart – Bodensee uzr. zu verbessern. Das ist ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand nicht zu erreichen, der durch zusätzliche Einnahmen durch bessere Verbindungen ausgeglichen werden könnte.

Forderungen zur Attraktivitätssteigerung der Gäubahn

Für eine Qualitätssteigerung auf der Gäubahn muss aus Sicht des Fahrgast-Beirats im Landkreis Konstanz ein völlig neues Betriebskonzept entwickelt werden (eben auch um der Fernbuskonkurrenz zu begegnen). Dazu gehören:

1. Mit Nahverkehrsausweisen nutzbarer Stundentakt schnellfahrender Züge (RE, IRE, ev. auch IC, in dem Nahverkehrsausweise akzeptiert werden) zwischen Stuttgart und Singen, und zwar täglich von 5.00 – 24.00 Uhr.

2. Umsteigefreie Verbindungen vom Raum Konstanz/Radolfzell (und eventuell aus der Ostschweiz) in die Landeshauptstadt, zum Beispiel durch Flügelung der Züge in Singen. (Der Fahrgast-Beirat ist sich dessen bewusst, dass eine Flügelung mit dem derzeitigen Rollmaterial nur schwer zu realisieren ist. Aber bei Anschaffung von neuem Rollmaterial sollte man darauf achten.

3. Alle Züge (insbesondere auch die des Fernverkehrs) brauchen in Stuttgart einen optimalen Anschluss an den Fernverkehr (ICE Stuttgart – Mannheim – Köln/Berlin, IC/EC Stuttgart – Heidelberg – Frankfurt; IC Stuttgart – Nürnberg, IC/EC Stuttgart – München – Salzburg).

4. Alle Züge, auch die Züge des Fernverkehrs, müssen in Böblingen halten (neue S-Bahn S 60 Böblingen – Sindelfingen – Renningen – Leonberg; großer Wirtschaftsraum mit Weltfirmen wie HP, IBM, Daimler).

5. Ein guter Anschluss an den Flughafen bzw. an die Messe Stuttgart, z. B. durch Halt der RE Züge in Stuttgart-Vaihingen, muss hergestellt werden. Ein Halt der RE in Stuttgart-Vaihingen wäre auch deswegen wünschenswert, weil Vaihingen ein sehr bedeutender Nahverkehrsknotenpunkt im Südwesten Stuttgarts ist (Stadtbahn auf die Filder, Stadtbahn in südwestliche Stadtteile Stuttgarts, die von der S-Bahn nicht erschlossen werden).

Der Fahrplanentwurf für 2014 geht für die Relation Rottweil – Singen uzr. leider vom Status quo aus; es ist keinerlei Reaktion auf die durch die Freigabe des Busverkehrs entstandene neue Situation zu erkennen.

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