Fahrradfahren in Konstanz spaßfrei

Abfahrt von der Fahrradbrücke einen Sommer lang Nadelöhr – Interessen der Radfahrer bleiben auf der Strecke

Konstanz. Konstanz hat einen grünen Oberbürgermeister. Eine Fahrradstadt ist Konstanz deswegen aber noch lange nicht. Fahrradstrecken sind überlastet und monatelang versperren Baustellen Fahrradfahrern den Weg. „Da steht sich an der Ampel immer ein ganzer Pulk von Fahrradfahrern gegenüber. Ein Wunder, dass die aneinander vorbei kommen“, sagte kürzlich ein fahrradfahrender Konstanzer Stadtrat.

Fahrradfahrer haben fertig

Spätestens in diesem Sommer ist vielen fahrradfahrenden Konstanzern klar geworden, dass die Fahrradinfrakstuktur in der Stadt ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat. Zusätzlich haben Baustellen, die monatelang nicht abgeräumt worden sind, Fahrradfahrern das Durchkommen ausgerechnet an Engstellen erschwert. „Ich würde die Stadt fahrradfrei machen“, sagte jüngst eine Konstanzerin, die sich in Konstanz nur zu Fuß oder mit dem Auto bewegt und sich von Fahrradfahrern regelrecht belästigt fühlt. So what, fragen sich da Radfahrer.

Fahrradunfälle mit Ansage

Fakt ist, dass es immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern kommt. Beide Gruppen fühlen sich gleichermaßen an den Rand gedrängt. Im August ist ein siebenjähriges Kind nahe der Abfahrt der Fahrrad- und Fußgängerbrücke beim Herosépark beim Zusammenstoß mit einem Radler verletzt worden. Der Unfall ereignete sich auf der rechtsrheinischen Seite der Brücke. Weil viele Fahrradfahrer über die Brücke fahren, herrschte am Rande des  Herosépark oft dichter Fahrradverkehr. Wegen einer Baustelle mussten zuletzt auch die Fußgänger den Fahrradweg benutzen, was immer wieder zu gefährlichen Situationen geführt hat, weil Fußgänger unvermittelt und achtlos auf die Fahrradspur traten.

Zwei Monate Baustelle am Brückenkopf

Nach Auskunft der Stadt verlegten in diesem Sommer die Stadtwerke nahe der Fahrrad- und Fußgängerbrücke mehr als zwei Monate lang Versorgungsleitungen. Wegen eines beschädigten Kabels auf dem Grate Lakes Areal und einem beschädigtem Rohr unter dem Seerhein sei es immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Die Stadtwerke hatten mit den Arbeiten eine Firma beauftragt, die auch für die Absperrung und das Aufstellen von Hinweisschildern zuständig war. „Immer wieder sind Schilder in den Seerhein geworfen worden“, sagte der städtische Sprecher Walter Rügert. Zu gefährlichen Situationen komme es, wenn sich Fahrradfahrer nicht der Situation entsprechen verhalten.

Noch ein Fahrradunfall

Im Oktoberer hat sich dann erneut ein Fahrradunfall bei der Konstanzer Fahrrad- und Fußgängerbrücke ereignet. Ein 73-jähriger Fahrradfahrer wurde bei dem Zusammenstoß mit einem anderen Radler schwer verletzt. Am Ende der Brücke auf linksrheinischer Seite fuhr der junge Radfahrer nicht, wie durch Verkehrszeichen vorgeschrieben, rechts an der runden Verkehrsinsel, sondern ordnungswidrig links an dieser vorbei in Richtung Schottenstraße. Damals befand sich an der Stelle eine Baustellenabsperrung. Die Lage war unübersichtlich.

Fahrradfahrer ohne Lobby

Aktuell ist es von der Fahrradbrücke kommenden Fahrradfahrern wegen einer weiteren Baustelle nicht möglich, die Spanierstraße an einem Überweg mit Fahrradampel zu queren und auf dem Radweg weiterzufahren. Wenige Meter weiter begegnen sich an einem zweiten Übergang bei jeder Grünphase seither  ganze Pulks von Radfahrern, unter ihnen viele Geisterfahrer,  und Fußgängern, die gerade so aneinander vorbei kommen. Wer von der Stadt auf den Radweg entlang der Bahnlinie fahren möchte, schlängelt sich hier durch. Ein Stadtrat sagte See-Online, in der Verwaltung hätten Fahrradfahrer keine Lobby, was, wenn es stimmt, umso verwunderlicher wäre, da OB Horst Frank selbst mit dem Fahrrad unterwegs ist. Die Fahrradbrücke und die Fahrradstraße in der Schottenstraße sind noch Überbleibsel aus der Zeit, als der Vorvorgänger von Kurt Werner, Ralf-Joachim Fischer, in Konstanz Baubürgermeister war.

Helmpflicht löst Probleme nicht

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer brachte jüngst eine Helmpflicht für Fahrradfahrer ins Gespräch. Konstanz könnte sich aber auch ein Beispiel am Bodenseekreis nehmen. Dort radelten jahrelang einmal im Jahr Bürgermeister, Dezernenten des Landratsamtes, Medienmenschen und Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) einen Nachmittag lang miteinander durch Städte und auf Strecken wie entlang der B 31 alt zwischen Meersburg und Unteruhldingen. Bei einer gemeinsamen Radtour haben sie die Fahrradstrecken miteinander „erfahren“. Die Teilnehmer diskutierten dann – zum Beispiel bei einem gemeinsamen Vesper auf der Haltnau – Verbesserungsvorschläge und blieben im Gespräch. Der ADFC hat sich übrigens entschieden gegen Überlegungen des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer gewandt, zur Verbesserung der Verkehrssicherheit eine Helmpflicht für Radfahrer einzuführen. Eine Helmpflicht wälze die Verantwortung für Unfälle auf die gefährdeten Radfahrer ab, statt die Ursachen zu bekämpfen.

Fotos: wak

2 Kommentare to “Fahrradfahren in Konstanz spaßfrei”

  1. Franz Sauerstein
    21. Oktober 2011 at 14:07 #

    „Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer brachte jüngst eine Helmpflicht für Fahrradfahrer ins Gespräch“

    Jeder Radler sollte für sich entscheiden können, wie stark er seinen Kopf schützen will.

  2. Wolfagng Becker
    22. Oktober 2011 at 06:32 #

    Leider wird der Öffentlichkeit die Situation viel zu selten geschildert und werden die Gründe erläutert.

    Die Presse schreibt ( und informiert somit die Öffentlichkeit )

    – wenn Radfahrerunfälle verschuldet haben
    ( ob nicht der Weg-Zustand, die Wegführung die Ursache war, wird nicht hinterfragt ),

    – sie sich als Roadies outen ( sind nicht ab und an alle Roadies, die auf 2, auf 4 und die auf 5 Rädern? )

    In anderen Städten ist die Unterstützung der Presse durch Beiträge Teil der Fahrradpolitik.
    So fand ich in Konstanz keine Information darüber, dass z.B. das Land Ba-Wü einen Routenplaner online gestellt hat ( http://www.radroutenplaner-bw.de/ar-rrp-nvbw/de/alpregio.jsp#tab=TourplannerTab&tpdt=cycling ), Singen, aber auch Überlingen viel Geld für die Überarbeitung derRadwege, Wegweisungen in die Hand nimmt und auch Mitglieder im AGfK-BW sind )

    Hier kann Konstanz noch viel nachholen.

    Dieser Beitrag ist ein Anfang,

    ist ja schon mal ein erster Stein, der z.B. die Basis für eine Serie sein könnte.
    Auch Häuser haben immer einen ersten Stein, ohne den es nun mal nicht geht.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.