Fahrradstadt Konstanz schneidet bei deutschlandweitem Ranking schlecht ab

Konstanz/Friedrichshafen. Konstanz ist keine vorbildliche Fahrradstadt. Bei Städten unter 100.000 Einwohnern landete die Universitätsstadt beim Fahrradklima-Test gerade einmal auf Rang 71 (Gesamtbewertung 3,5). Die zweit größte Stadt am Bodensee, Friedrichshafen, belegt beim Ranking Platz 61 (Gesamtbewertung 3,4). Das Ergebnis des fünften ADFC-Fahrradklima-Tests hat der ADFC auf seiner Website veröffentlicht.

ADFC fragte deutschlandweit

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hatte Fahrradfahrern gefragt, ob ihre Stadt eine Fahrradstadt ist. Abstimmen beim Fahrradklima-Test konnten alle, die die Städte aus dem alltäglichen Praxistest kennen. Die Umfrage lief bis 31. Oktober 2012 und wurde vom Bundesverkehrsministerium gefördert.

Nur Platz 71 für Konstanz

Das Ergebnis des Fahrradstädte-Checks ist für Konstanz blamabel. Platz 71 in den Städten unter 100.000 Einwohnern und noch zehn Plätze hinter Friedrichshafen ist aber keine Überraschung. Die Situation für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer hat sich in den vergangenen Jahre eher verschlechtert als verbessert. Die Fahrradinfrastruktur ist überlastet. Es fehlt an sicheren, ausreichend breiten, direkten Radstrecken durch die Stadt und an Fahrradabstellplätzen in der Innenstadt. Vorrang im Konstanzer Rathaus hatte der Fahrradverkehr zuletzt nicht. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat haben für den Zustand der Fahrradstadt Konstanz nun die entsprechend schlechten Noten bekommen.

Lörrach und Tübingen besser

Auf Platz 1 bei den Städten unter 100.000 Einwohnern kam Bocholt vor Rees und Rhede. Alle drei Städte liegen in Nordrhein-Westfalen. Die Nähe zu den Niederlanden ist hier wohl kein Zufalle. Auf Rang 4 steht als erste baden-württembergische Stadt Filderstadt (Gesamtbewertung 2,5) vor Lörrach (Gesamtbewertung 2,7). Auf Platz 15 hat es Isny im Allgäu (3,0) geschafft. Die Universitätsstadt Tübingen findet sich auf Rang 38 (Gesamtbewertung 3,2). Tettnang kommt auf Platz 169 (Gesamtbewertung 3,9).

Fahrradstadt Münster Spitze

Bei den Städten mit 100.000 Einwohnern bis 200.000 Einwohnern führt Erlangen (Gesamtbewertung 3,1). Bei den Städte über 200.000 Einwohnern ist Münster auf dem Spitzenplatz 1 (Gesamtbewertung 2,6) vor Freiburg (Gesamtbewertung 3,1) und Karlsruhe (3,18). Stuttgart als Landeshauptstadt schafft es auf Platz 30 (Gesamtbewertung 4,2).

Darum ging’s bei Umfrage

Bei der Umfrage ging es um den Stellenwert des Radverkehrs in den Städten. Gefragt wurde, wie viel für den Radverkehr getan wird, ob Ampelschaltungen gut auf Radfahrer eingestellt sind, ob Autos auf Radwegen parken und ob im Winter die Radwege geräumt sind. Die Teilnehmer am Fahrradklima-Test konnten darüber Auskunft geben, ob sie sich als Radfahrerinnen und Radfahrer eher sicher oder gefährdet führen, ob es selten oder häufig Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern oder Autofahrern gibt. Gefragt wurde nach Hindernissen auf Radwegen und Radfahrstreifen. Ein weiteres Punkt war, ob Alte und Junge sicher Rad fahren können.

Fragen nach Sicherheit und Schnelligkeit

Es ging um die Frage, ob Radfahrer und Autos auf der Fahrbahn gemeinsam fahren können, Radfahrer bedrängt werden oder zügig und sicher fahren können. Weitere Fragen waren: Sind Radwege und Radfahrstreifen angenehm breit und erlauben ein problemloses Überholen Œlangsamerer Radfahrer? Findet man überall komfortable und sichere Abstellmöglichkeiten?

Bewertungen insgesamt negativer

Die Durchschnittsbewertung verschlechterte sich laut ADFC im Vergleich zum letzten Fahrradklima-Test 2005. Die Radfahrer bewerteten ihre Kommunen insgesamt schlechter als vor sieben Jahren. Dass sich die Situation für Radfahrer tatsächlich verschlechtert habe, sei allerdings kaum anzunehmen. Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg wird auf der Homepage der ADFC so zitiert: „Wir nehmen an, dass sich in den letzten Jahren ein stärkeres Bewusstsein für die Probleme von Radfahrern gebildet hat.“ Zu enge Radwege oder mangelnde Abstellmöglichkeiten sorgen für schlechtere Bewertungen. „Das Fahrrad steht zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit. Schlechte Bedingungen für den Radverkehr werden nicht mehr als normal und unveränderlich hingenommen. Radfahrer entwickeln ein neues Selbstbewusstsein und fordern ihre Rechte ein“, so Syberg.

Das komplette Testergebnis veröffentlicht der ADFC unter http://www.adfc.de/fahrradklima-test/ergebnisse/adfc-fahrradklimatest-2012—die-ergebnisse

Ein Kommentar to “Fahrradstadt Konstanz schneidet bei deutschlandweitem Ranking schlecht ab”

  1. Wolfgang Becker
    3. Februar 2013 at 14:37 #

    Ein wirklich gelungener Beitrag.

    Dabei möchte ich einiges noch hervorheben:

    – da ist das neue Rad, das Pedelec
    ( E-Rad, bei dem der E-Antrieb nur wirkt, wenn die
    Pedalen bewegt
    werden, also auch Muskelkraft zur Fortbewegung
    eingesetzt wird ),
    welches neu Anforderungen an die Radinfrastruktur stellt,
    denn es ist, gerade beim Anfahren, deutlich schneller als
    ein gewöhnliches Fahrrad.

    Gerade Wiedereinsteiger ( ehemalige nur Pkw-Fahrer )finden
    dadurch wieder Zugang zum Fahrradfahren.
    Ihr Fahrkönnen passt nicht immer zu der gefahrenen
    Geschwindigkeit,
    was schnell zu Pendelbewegung führen kann. Man benötigt
    also mehr Platz.

    – der jeweilige Anspruch an die Fahrradinfrastruktur hat sich
    erhöht.
    Ich behaupte, ein Münsteraner oder Oldenburger hat einen
    höheren Anspruch an die Fahrradinfrastruktur, wir dieser
    ihm doch in seiner Stadt angeboten
    ( Fahrradparkhäuser = Radstationen
    http://www.muenster.de/stadt/radstation/ ).

    – in den Kommunen, wo schon immer viel Rad gefahren wird,
    wird auch sicherer gefahren, ist es doch für Jung und bis
    ins hohe Alter Alt eine normale Fortbewegungsart.

    Ich meine Platz 71 soll Ansporn und nicht Frust in uns Konstanzern auslösen.
    Ansporn doch beim nächsten Ranging unter die ersten 10 zu kommen.

    Lieber Gemeinderat, lieber Oberbürgermeister,
    sogen sie doch für das nötige Geld im Haushalt 2013/14 & folgende und fassen die benötigten Beschlüsse zum Ausbau der Infrastruktur. , nicht Konzepte, Pläne, Worte, nein,
    Taten sind gefragt.

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