Fast & Food: 66 Lieblingsgenüsse rund um den Bodensee

Überlinger Autor Erich Schütz beschreibt kulinarische Lieblingsplätze – Heimatkunde für Genießer am See im Schnelldurchlauf

Überlingen/Konstanz. „66 Lieblingsgenüsse und 11 Winzer“ rund um den Bodensee beschreibt Autor Erich Schütz auf etwas mehr als 180 Seiten plus Orts- und Restaurantverzeichnis. Ein Gault Millau oder Michelin für den Bodensee ist es nicht geworden, eher eine kulinarische Heimatkunde mit vielen schönen Fotos. Fast und Food sozusagen, ein Galopp rund um den kulinarischen Bodensee.

Kenner des kulinarischen Bodensees

Wer, wenn nicht Erich Schütz, wäre berufen gewesen, die Gaumenfreuden des Sees vorzustellen und über kulinarische Spezialitäten zu schreiben – von A wie Apfel-Aquavit bis Z wie Ziegenlende? Außerdem porträtiert der Feinschmecker elf Winzer, die mit ihren Weinen und Bränden für Aufsehen sorgen. Der freie Journalist, der auch Autor von Kriminalromanen ist und Fernsehdokumentationen gedreht hat, gibt auch Restaurantführer und Magazine wie die „Linzgau Köche“ oder die „Konzil Köche“ heraus, die sich ums gute Essen drehen. Das Buch mit den runden Ecken, ist eines, in dem sich Fundstücke aus dem Fundus des Herausgebers und Autors wiederfinden. Von Überlingen aus entdeckt er die kulinarische Region.

Drei Länder und ihre Küchen

Seine „66 Lieblingsgenüsse und 11 Winzer“ finden sich in Vorarlberg, Deutschland und der Schweiz, am Überlinger See genauso wie am Untersee und im Allgäu oder am Pfänder hoch über dem Bodensee. Das Cover ziert ein Foto von der Bülle, jener alten, berühmten roten, nicht scharfen Zwiebelsorte, die typisch für die Höri ist.

Abstecher nach Vorarlberg

Erich Schütz erzählt von der „Wälder Schokolade“, die nicht aus Kakao gemacht ist. Karlheinz Hehle, Herr des Hauses Schönblick auf dem Eichenberg beim Pfänder, ist einer, der sich des Nebenprodukts, das bei der Molkekäseherstellung anfällt, angenommen hat. Der Autor Schütz klärt auch gleich noch über das Label „Ländle Produkte“ auf, das im Bregenzer Wald für regional steht.

Gackernde Schweiz

Das See-Bresse-Huhn, ein Poulet oder Hähnchen, artgerecht gehalten von den Brüdern Gregory, Robin und Pascal Geisser, ist Schütz ebenfalls eine Erwähnung wert. Die Mörschwiler Hühner fressen Ribelmais, wie der traditionelle Rheintalmais heißt. Güggeli oder Poulet gibt es aber nicht nur in Zuzwil, sondern auch, wenn auch ein bisschen anders, in Mammern. Auch hier wachsen Hähnchen glücklich auf Höfen auf, fressen regionales Futter und haben Auslauf, so dass sie hinterher vorzüglich munden.

Schütz und seine Lieblingsköche

Seinen Lieblingsköchen aus der Region widmet Schütz die eine oder andere Seite. Eine Hommage an Hubert Neidhart und dessen Mooser Fischtopf kommt genauso vor wie Peter Vögeles berühmter Ochsenschwanz, den es im Adler in Lippertsreute gibt, oder Isolde Pfaff vom Gasthaus Löwen in Altheim mit ihren Kräutern. Erwähnung finden der Konstanzer Manfred Hölzl von den Konzilgaststätten, der einst bei Bertold Siber das Handwerk lernte und seine Bodensee-Fischfilets in Aspik präsentiert, oder Clemens Baader aus Heiligenberg mit seinen Kalbskutteln.

Apfel-Aquavit und Metzgerle

Frische Fische gibt es bei den Knoblauchs in Unteruhldingen und Ziegenkäse auf dem Höchsten. Schütz huldigt Heiner Renn, den „König der Destillateure“ aus Hagnau mit seinem Bodensee-Grappa, präsentiert den Grünsaft Agrest des Weinguts Aufricht und erzählt von der Fracht des Motorschiffes, das Apfelbrand im Eichenfass mit sich führt. Historisch wird es gar, wenn Schütz die Geschichte vom Dinnele erzählt oder den Konstanzer Museumschef Tobias Engelsing mit dem Konstanzer Metzgerle in Bügelgläsern zu Wort kommen lässt. Die Metzgerei Otto Müller nahm sich der histroischen Pastete mit Trüffeln an.

Tiefgang wäre schön

Manchmal wäre es schön, wenn sich Schütz dem einen oder anderen Thema ein bisschen ausführlicher widmen könnte. Das ist so, wenn Schütz über den Kanton Thurgau schreibt, der volkstümlich auch „Mostindien“ heißt. Der Thurgau ist Apfelanbaugebiet und seine Umrisse auf der Karte ähneln denen von Indien. Die Apfel- und Birnbäume sind die Folge eines Strukturwandels in der Landwirtschaft, aber so tief geht es im Führer nicht. Oder wie war das noch mit den Dinnele? Brachten womöglich italienische Pizzabäcker Ur-Dinnele zu Zeiten des Konzils mit über die Alpen? Hinweise finden sich in der Richentalchronik. Fantasie braucht der Leser, um Schütz vom angeblichen Erfinder der Schwarzwälder Kirschtorte zu Konditor Andreas Popp nach Überlingen zu folgen. Manchmal wäre es auch ein Mehrwert, wenn das eine oder andere Rezept Eingang in den Führer gefunden hätte. Mit Nachkochen ist nichts. Auch als Restaurantführer taugen die Lieblingsgenüsse nur bedingt, eher schon als Büchlein zum Schmökern, das im Sommer mit auf die Reise rund um den Bodensee geht. „66 Lieblingsgenüsse und 11 Winzer“ sind eine schöne Sommer- und Strandlektüre. Wer dann eines Tages tatsächlich zum Beispiel vor Peter Vögeles Fachwerkhaus in Lippertsreute sitzt und in die Speisekarte schaut, wird merken, dass dessen Küche noch viel mehr als Ochsenschwänze zu bieten hat. Ein Poulet gibt es zum Beispiel nicht nur in der Schweiz, sondern auch bei Vögele im Adler.

Info und kaufen

Erich Schütz, Band „Bodensee. 66 Lieblingsgenüsse und 11 Winzer“, Gmeiner Verlag, Paperback, ISBN 978-3-8392-1284-4, EUR 14,90, www.gmeiner-verlag.de,

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