Feuerwehren im Bodenseekreis im Dauereinsatz

Unwetter im BodenseekreisBodenseekreis. Rund 175 Einsätze nach Unwettern haben die Freiwilligen Feuerwehren im Bodenseekreis bewältigt. Kreisfeuerwehrsprecher Christian Gorber berichtete am Samstagabend von „Feuerwehren im Dauereinsatz“. 

Noch keine Entwarnung im Bodenseekreis

In der Nacht von Freitag auf Samstag und den gesamten Samstag über hielten bislang rund 175 Unwettereinsätze große Teile der Freiwilligen Feuerwehren des Bodenseekreises in Atem. „Aufgrund der anhaltenden Regenfälle kann derzeit noch keine Entwarnung gegeben werden“, so Kreisfeuerwehrsprecher Christian Gorber (Stand Samstag 19.15 Uhr). Insbesondere Bereich der Schussen bei Meckenbeuren aber auch allgemein könne sich die Lage in den nächsten Stunden je nach Witterung nach Einschätzung der Feuerwehr sogar noch verschärfen.

 Mehrere Straßen im Kreis blockiert

Mehrere Straßen des Kreisgebiets wurden durch Hangrutschungen und Überschwemmungen blockiert. Betroffen waren hiervon unter anderem die Landesstraße 207 bei Echbeck, die Kreisstraße 7785 zwischen Frickingen und Leustetten, die Straße zwischen Appenweiler und Brochenzell sowie die Verbindung zwischen Kuftern und Ittenhausen.

Feuerwehren pumpten Keller aus

Im gesamten Kreisgebiet mussten die Einsatzkräfte nach Mitteilung des Kreisfeuerwehrsprechers vollgelaufene Keller auspumpen. Ein über das Ufer getretener Bach lief in Salem-Beuren in den Keller eines Wohnhauses und sorgte für einen größeren Gefahrguteinsatz. Alleine hier mussten rund 30.000 Liter Wasser-/Heizölgemisch abgesaugt werden.

 Camper in Turnhalle in Sicherheit gebracht

Große Sachschäden richtete nach Mitteilung der Feuerwehr ein ebenfalls über die Ufer getretener Bach auf dem Areal eines Campingplatzes in Salem-Neufrach an. Eine größere Anzahl von Campinganhängern, Autos und Wohnmobilen standen bis zu 1,10 Meter hoch unter Wasser. Die mobilen Unterkünfte von rund 20 Campern waren so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass die Betroffen von Kräften der DRK-Schnelleinsatzgruppen Salemertal und Tettnang in der Turnhalle der Neufracher Schule untergebracht und versorgt werden mussten. Der THW-Ortsverband Überlingen unterstützte die Einsatzkräfte der Feuerwehren mit Pumpen sowie bei den Bergungsmaßnahmen.

Brand im Neufracher Gewerbegebiet

Parallel zu den Unwettereinsätzen hatten die Feuerwehren von Salem, Bermatingen, Markdorf und Heiligenberg einen Brand im Neufracher Gewerbegebiet Oberwiesen zu bewältigen, der kurz nach 10 Uhr am Samstagvormittag gemeldet wurde. „Ob auch hier ein Zusammenhang mit dem Unwetter besteht, ist noch ungewiss, allerdings waren die Betreiber eines größeren Verwaltungs- und Betriebsgebäudes mit Fachfirmen gerade mit Prüfungs- und Instandsetzungsarbeiten im Keller des Gebäudes nach einem vorangegangenen Wassereinbruch beschäftigt, als sie plötzlich starke Rauchentwicklung feststellten und daraufhin die Feuerwehr alarmierten“, berichtete Christian Gorber.

Kritisch Lage an der Schussen

Zur Koordinierung der Gesamtlage hat Kreisbrandmeister-Stellvertreter Timo Keirath die Leiter des Führungsstabs des Bodenseekreises einberufen, die im Langezentrum des Landratsamts unter der Leitung von Brandmeister Michael Fischer die Lage zusammengefasst und sich mit Landrat Lothar Wölfle beraten haben. Nach wie vor kritisch wird derzeit insbesondere die Lage entlang der Schussen bei Meckenbeuren eingeschätzt. Dort waren bereits den ganzen Tag über zahlreiche Einsätze infolge voll gelaufener Keller und Einliegerwohnungen zu verzeichnen. Bei einem weiteren Anstieg, mit dem aufgrund der aktuellen Vorhersagen gerechnet werden muss, drohen dort weitere, großflächige Überflutungen von drei Wohngebieten im Bereich der Ortsteile Brochenzell und Kehlen.

Evakuierung nicht ausgeschlossen

Zur Vorbereitung von Evakuierungen, Sicherungsmaßnahmen und möglichen Einsätzen trat in Meckenbeuren unter Leitung von Bürgermeister Andreas Schmid der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ (SaE) zusammen. Die Gemeinde hat die Anwohner entlang der Schussen sowie diverser Bäche aufgefordert, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Insbesondere sollen Fahrzeuge aus den gefährdeten Gebieten zu entfernt und wertvolle Gegenstände aus den Kellern in höhere Stockwerke zu verbringen. Seit 17 Uhr 30 werden bei der „Veeser-Halle“ am Bahnhof Sandsäcke ausgegeben, mit denen die Bewohner betroffener Gebiete Lichtschächte und andere Gefahrenstellen sichern sollen.

Gesperrte Straßen im Bodenseekreis

Das anhaltende Unwetter hat am Samstag nach ergänzender Mitteilung des Landratsamtes zu mehreren Straßensperrungen und zahlreichen Einsätzen von Feuerwehr und THW geführt. Nach Hangrutschen wurden am Vormittag die L 207 bei Echbeck sowie die K 7785 zwischen Frickingen und Leutstetten gesperrt. Wegen Überflutung wurden in Appenweiler bei Meckenbeuren die K 7731 sowie in Kluftern die Holzgasse gesperrt.

Bäche führen Hochwasser

An den Flüssen ist die Lage ebenfalls angespannt. Am Samstagvormittag lag der Schwerpunkt auf der Seefelder Aach, die mit 2,30 Metern nur knapp unter einem fünfzigjährigen Hochwasserereignis lag. An Rotach und Schussen wurden zehnjährige Ereignisse registriert. Die Tendenz insbesondere bei der Schussen war am Nachmittag weiterhin stark ansteigend, so dass Experten auch hier ein fünfzigjähriges Ereignis im Laufe der nächsten Stunden nicht ausschließen. Betroffen hiervon wäre vor allem der Ortsteil Brochenzell in Meckenbeuren. Die Gemeindeverwaltung hat einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse eingerichtet.

Sandsäcke an der Rotach

Auch in Friedrichshafen bereitete das Unwetter Probleme. Wegen der anhaltenden Regenfälle liefen im Stadtgebiet und in Bunkhofen mehrere Keller in der Nacht zum Samstag voll. Für die Feuerwehr bedeutete dies, wie die Stadt am Samstagabend mitteilte, viel Arbeit. Sie rückte zwischen Freitagnacht 22.30 Uhr und Samstag 10 Uhr 14 Mal aus. Im Einsatz waren rund 90 Kräfte der Feuerwehr, der Polizei und des Baubetriebsamtes. In Bunkhofen lief die Rotach an mehreren Stellen über die Ufer. Die Stellen wurden mit Sandsäcken gesichert. Um für weitere Überschwemmungen gerüstet zu sein, wurden nach Angaben der Stadt noch in der Nacht weitere 1.500 Sandsäcke vorbereitet.

Sachschäden, keine Verletzten

Die Einsatzkräfte waren vielerorts, wie der Sprecher des Bodenseekreises, Robert Schwarz, berichtete, seit der Nacht im Dauereinsatz.  Auch das Landratsamt geht aber davon aus, dass es bei Sachschäden bleibt und bei dem Unwetter niemand verletzt worden ist.

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Unwetterbsk1Fotos: Christian Gorber, Kreisfeuerwehrpressesprecher

 

 

 

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