Fischer und Kormorane „jagen“ unterschiedliche Fischarten

Fangergebnisse der Berufsfischer im Bodensee unabhängig von Kormoran-Population

Konstanz/Radolfzell (red) Der Fangertrag des Bodenseefischers beim Brotfisch Felchen entwickelte sich in den letzten Jahren unabhängig von der Kormoranpopulation insgesamt positiv. Die Fangmenge stieg trotz abnehmender Bestände im Obersee um 23 Prozent, im von Kormoranen besiedelten Untersee hat sie sich sogar verdoppelt. Darüber freut sich der Landtagsabgeordnete der Grünen, Siegfried Lehmann. Er hatte sich zuletzt für den Kormoran stark gemacht, auch wenn der gefiederte Fischräuber bei der Landtagswahl im kommenden Jahr keine Stimmen hat. Lehmann hatte bei der Landesregierung nachgebohrt.

Abgeordneter verlangt Ende der Hexenjagd

Bessere Fänge gab es, obwohl in den letzten zehn Jahren die Fischbestände im Bodensee aufgrund der stark verbesserten Wasserqualität um 36 Prozent abgenommen haben. Der Kormoran frisst aber hauptsächlich die für Fischer uninteressanten Weißfische sowie Hechte und Barsche. „Endlich gibt die Landesregierung mit den vorgelegten Zahlen zu, dass der Kormoran nicht für die wirtschaftlichen Nöte der Berufsfischer verantwortlich ist. Leider zieht sie aber hieraus nicht die notwendigen Konsequenzen“, so der Konstanzer Abgeordnete. Lehmann fordert daher: „Jetzt muss die Hexenjagd auf den Kormoran ein Ende haben!“

Eindeutiger Zusammenhang zwischen Fischertrag und Phosphorgehalt

Der Zusammenhang zwischen Fischertrag und Phosphorgehalt im Bodensee sei eindeutig und somit hauptverantwortlich für die Abnahme der Fischbestände um 36 Prozent im letzten Jahrzehnt, so die Aussage der Landesregierung. Die jährlichen Schwankungen der Fangmenge seien in erster Linie klimatisch bedingt. Nur bei den Erträgen von Hechten und Barschen sowie von Weißfischen, die für Fischer wenig interessant sind, sei ein besonderer Einfluss des Kormorans festzustellen.

Steigende Erträge bei Brotfisch Felchen

Die Berufsfischer erzielten im Durchschnitt in den letzten Jahren trotz sinkender Fischbestände wieder steigende Gesamtfangerträge, darunter steigende Fangmengen bei ihrem Brotfisch, dem Felchen: Im Vergleich zu 2006 lagen die Erträge im Jahr 2008 um 14 % (Obersee) bzw. um 5 % (Untersee) höher. Für 2009 wird ein Anstieg um 23 % bzw. 101 % geschätzt, die Gesamtfangmenge lag 1999 somit bei 576.187 kg Felchen (Obersee) bzw. 156.865 kg Felchen (Untersee).

Kormorane mögen andere Fischarten

Der erhebliche Anstieg im Untersee sei dabei von besonderer Bedeutung, da sich dort seit einigen Jahren eine Kormorankolonie angesiedelt hat. „Fischer und Kormorane entnehmen in erster Linie unterschiedliche Fischarten – es ist also falsch, den Kormoran als Sündenbock für die wirtschaftlichen Probleme der Fischer darzustellen“, stellt der Konstanzer Abgeordnete Siegfried Lehmann klar. „Die Landesregierung muss endlich Aktionen gegen den Kormoran unterbinden!“

Wie viel Berufsfischer-Patente verträgt der See?

Die Landesregierung schließt offenbar der Meinung des Leiters der Fischereiforschungsstelle in Langenargen an: Aufgrund des sinkenden Fischereiertrags – der sich aufgrund der verbesserten Wasserqualität am Bodensee eingestellt hat — müsse langfristig die Zahl der Berufsfischer-Patente reduziert werden. Lehmann dagegen sieht derzeit aber aufgrund der in den letzten Jahren ansteigenden Fangerträge keinen Anlass für eine behördliche Reduzierung der Berufsfischer-Patente: „Die hohe Wasserqualität, die mittlerweile im Bodensee erreicht wurde, wird nicht mehr wesentlich verbesserbar sein und es scheint sich nun ein Gleichgewicht zwischen Fischbestand und Anzahl der Berufsfischer einzustellen.“

Kritik an Aquakultur-Betrieben und Fischimporten aus Zuchtbetrieben

Die Wirtschaftlichkeit der Fischereibetriebe ist, so Lehmann, vielmehr gefährdet durch die Konkurrenz aus Aquakultur-Betrieben und Fischimporte aus Zuchtbetrieben in Osteuropa, die mit niedrigeren Preisen auf den Markt gehen können. „Diese Entwicklung ist bedauerlich“, beklagt der Landtagsabgeordnete. „Die Berufsfischerei gehört zum Kultur- und Landschaftsbild des Bodensees dazu. Sie muss erhalten werden — auch, um Besuchern echte Bodenseefelchen in den Restaurants anbieten zu können, und nicht nur Fische aus Aquakulturen oder osteuropäischen Zuchtbetrieben“, so Lehmann zur touristischen Bedeutung der Berufsfischerei.

Keine künstliche Erhöhung des Nährstoffgehalts

Die Forderung, Fischbestände durch Düngung des Sees mit Phosphor künstlich zu erhöhen, um mehr Fischer als naturverträglich im Geschäft zu halten, weist der Konstanzer Abgeordnete scharf zurück. Auch die Landesregierung schließt eine künstliche Erhöhung des Nährstoffgehalts des Wassers aus. Diese von vereinzelten Fischern geäußerte Forderung sei nicht zu erfüllen, da die Wasserqualität des Sees nicht verschlechtert werden dürfe und zudem negative Folgen für den Fischlaich zu befürchten seien. Der Landtagsabgeordnete zeigt sich beruhigt: „Es ist gut, dass einzelnen Forderungen nach Düngung des Sees eine Absage erteilt wurde. Alles andere hätte die aufwendigen Wasserschutzmaßnahmen der letzten Jahrzehnte konterkariert.“ Im Übrigen stehe die Mehrzahl der Fischer und deren Verbände hinter den notwendigen Maßnahmen des Gewässerschutzes.

Foto: NABU

2 Kommentare to “Fischer und Kormorane „jagen“ unterschiedliche Fischarten”

  1. Berufsfischer
    3. Januar 2013 at 11:10 #

    Egli, Kretzer und Barschfilet sowie Hecht ist ein uninteressanter Speisefisch für uns Menschen?
    Dieser Bericht dient rein zur Werbung für den Kormoran, wo es mittlerweile 4000 Stück am Bodensee gibt x 700 Gramm Fisch = 1019200 kg wie Sie sehen können schaffen das alle Berufsfischer nicht. Wir hatten am Bodensee einen Phosphatgehalt von 125mg den auch wir Berufsfischer nicht brauchen können. 1980 wurden die letzten Haushalte an die Kanalisation angeschlossen und heut wird der Wert von 1950 angestrebt von 7-10mg und da wir „deutsch“ sind

  2. Berufsfischer
    3. Januar 2013 at 11:19 #

    gibts heute 2,5 mg. Nachzulesen bei den Jahresmittelwerten des Wasseramtes. Die Fänge gingen zurück seit den 80ern, nur seit 10 Jahren ist das Wasser bereits sauber und Schwankungen gibts nunmal in der Fischrei aber es gibt eben auch 4000 Kormorane die Hunger haben und dies zu verharmlosen zu behaupten der Kormoran würde da kein Gewicht haben ist eine Lüge. Gerne bin ich bereit den Beweis dafür anzutreten wie 300 Kormorane in 10 Meter tiefem Wasser jagen – Naturschutz hört an der Wasseroberfläche auf denn unterhalb dieser Oberfläche hat jeder 15 Fisch Kampfspuren (tiefe Risse) vom Kormoran und wir Fischer 1500 Euro Netzschaden – das ist über einen Monatslohn.

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