Flugblatt mit kuriosem Inhalt kursiert in Konstanzer Stadtteil

Litzelstetter Ortschaftsräte nehmen Anti-Jugend Flugblatt ernst – Persiflage oder Hetze

Konstanz. „Wir sind gegen Lärmbelästigung durch Jugendliche“. Das steht in dicken schwarzen Lettern auf einem Flugblatt, das in der Konstanzer Wohnschlafstadt Litzelstetten kursiert. „Bürger wehrt euch“, rufen Unbekannte zum Widerstand gegen Jugendliche auf. Unterzeichnet ist das Flugblatt nicht. Was für Außenstehende klar wie eine Persiflage aussieht, nehmen einige Litzelstetter Ortschaftsräte offenbar ernst.

Jugendfreies Litzelstetten

Auf dem Flugblatt outet sich eine angebliche Initiative zur Bekämpfung von Lärmbelästigung durch Jugendliche, kurz IBLJ. Die angebliche Initiative lädt zu einer Mahnwache in Litzelstetten ein. Diese solle am 23. Oktober um 19 Uhr auf dem Parkplatz der Evangelischen Kirche stattfinden. Der Aufruf steckte in vielen Hausbriefkästen im Schlafvorort.  „Mit ihrer Hilfe können wir bald sagen, Litzelstetten-Nord ist Jugend-frei“, heißt es. Manche fühlen sich offenbar an die Aktivitäten der Konstanzer Lärmschutzinitiative und Joachim Bullermann erinnert. Die allerdings agiert nicht anonym.

Ortschaftsräte nehmen Flugblatt ernst

Klaus Frommer von der Litzelstetter Ortsverwaltung hat das Flugblatt mittlerweile auf den Tisch bekommen und es an die Polizei weitergegeben. Ortsvorsteher Rudolf Riedle ist heute nicht zu erreichen. Ein Ortschaftsrat sagte see-online, er persönlich habe das Flugblatt nicht erhalten. Er wisse aber, dass es einige Ortschaftsräte ernst nehmen würden und nicht für einen Fake halten. „Es ist alles spekulativ“, sagte Frommer. Ruhestörungen gab es wohl tatsächlich. In Litzelstetten halten deswegen viele offenbar alles für möglich: Das Flugblatt könnte demnach Ausdruck der verbreiteten Null-Toleranz-Haltung gegenüber Jugendlichen sein, die in Konstanz von Teilen der Bevölkerung nur noch als Ruhestörer wahrgenommen werden. So berichteten zuletzt auch die Nachtwanderer von friedlichen Jugendlichen, die sich im Sommer nachts an der Seestraße oder im Herosépark aufhielten und von der Polizei vertrieben wurden, weil Anwohner Ruhestörungen anzeigten. Möglich wäre es aber auch, dass Jugendliche oder Eltern das Flugblatt selbst verfasst haben, um aufzurütteln und der intoleranten Gesellschaft vor Augen zu führen, wie egoistisch sie sich gegenüber Jugendlichen verhält. Dann wäre das Flugblatt nur eine geistreiche, nachahmende und kritische Verspottung einer intoleranten Geisteshaltung.

Wo können sich Jugendliche aufhalten?

Zuletzt hatte das Junge Theater Konstanz im Stück „Wir sind Musketiere“ auf der Bühne der Spiegelhalle den Stoff Alexandre Dumas neu interpretiert, adaptiert und in die Lebenswelt des 21. Jahrhunderts übersetzt. Es ging um einen Ort, an dem Jugendliche die Freiheit haben, sich aufzuhalten. Entsprechend weit entfernte sich das Junge Theater von der Originalgeschichte Dumas. Thema war ein Treffpunkt für Jugendliche in der Stadt. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder Bodensee-Städten wären rein zufällig, hieß es seitens des Theaters damals.

Foto: Jugendclub Theater Konstanz/Archiv wak

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