Flussseeschwalben brüten nicht auf gestrandeten Flößen

Historischer Tiefststand des Bodensees beeinträchtigt Pflanzen- und Tierarten

Konstanz. Wegen des Niedrigwassers im Bodensee schlagen jetzt Biologen Alarm. Derzeit hat der Bodensee den niedrigsten Pegelwert Mitte Juni seit Beginn der regelmäßigen Messungen 1817. „Dies bleibt nicht ohne Folgen für Fauna und Flora des Bodenseeufers“, so der Biologe Michael Dienst von der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e.V.. Viele Vogelarten können nicht brüten.

Weniger Wasser als Mitte Dezember

Nach Berechnungen von Wolfgang Ostendorp, Biologe am Limnologischen Institut der Universität Konstanz, tritt dieses Niedrigwasserereignis alle 77 Jahre auf. Besonders interessant sei die Tatsache, dass der Wasserstand des Bodensees derzeit niederer ist als Mitte Dezember 2010 – normal sollte er jetzt 1,50 Meter höher sein als im Winter.

See reicht nicht zum Schilf

Viele Wasservögel sind nach Information der Biologen darauf angewiesen, dass das Wasser bis ins Schilf hineinreicht. „Das ist derzeit nicht überall der Fall und viele Taucher und Enten warten bis sie in das Röhricht hinein schwimmen können“, so Michael Dienst. Selbst der seltene Drosselrohrsänger brüte nicht gerne, wenn es zu wenig Wasser habe. Sogar die Flussseeschwalben meiden die bereitgestellten, künstlichen Brutfloße im Wollmatinger Ried, weil diese noch nicht schwimmen und somit für Fraßfeinde erreichbar sind, berichtet der Ornithologe Stefan Werner. Die Vögel gehören zu den Verlierern.

Blüten am weitläufigen Strand

Zu den Profiteuren zählen dagegen einige Pflanzenarten. Das Bodensee-Vergissmeinnicht, das es fast nur am Bodensee gibt, habe jetzt gute Möglichkeiten, sich auszubreiten, berichtet Michael Dient. An mehreren Stellen beobachteten die Biologen Michael Dienst und Irene Strang, dass die Art sich neu angesiedelt hat, was jetzt vergleichsweise spät nochmals für eine zweite Blühphase sorge. Eine andere Besonderheit ist der Strandrasen, der Ufer-Hahnenfuß, er zeige jetzt seine gelbe Blütenpracht und bei dem Niedrigwasser könne er sich über Ausläufer schnell ausbreiten.

Dritter trockener Sommer

Einen so niedrigen Wasserstand wie es ihn nur alle 77 Jahre geben dürfte, beobachten die Wissenschaftler nun schon zum dritten Mal innerhalb von 15 Jahren. Der frühe Sommer 2011 ist der dritte ungewöhnlich trockene Frühsommer mit extrem niedrigen Wasserständen. „Ähnliche Situationen erlebten wir bereits in 1996 und 2003“, heißt es in einer Mitteilung der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e.V.. Der ungewöhnliche Niedrigwasserstand werde in erster Linie durch fehlende Niederschläge und die geringe Schneedecke in den Alpen verursacht. Ob zusätzlich die Energiekonzerne ihre Wasserspeicher im Alpenrhein-Gebiet auffüllten, lasse sich derzeit nicht klären, so Wolfgang Ostendorp, Biologe am Limnologischen Institut der Universität Konstanz. Diese Informationen würden von den Betreibern unter Verschluss gehalten.

Erinnerungen an den Hitzesommer 2003

Noch gut in Erinnerung ist der Hitzesommer von 2003, als von Mai bis September das Bodenseeufer trocken lag. Die Segler saßen auf dem Trockenen. Die Badegäste litten unter Ausschlag, weil sich die „Entenflöhe“ (Badedermatitis-Zerkarien) im warmen Wasser vermehrten. Und zentnerweise tote Äschen und Aale trieben im Untersee und am Ausfluss des Bodensees. Die Fische hatte der Hitzetod ereilt, da zu wenig Sauerstoff im Wasser war.

Fotos: Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e.V.

Hier geht es zu einer ausführlichen Dokumentation mit vielen Fotos Doku Niedrigwasser der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e.V.

 

2 Kommentare to “Flussseeschwalben brüten nicht auf gestrandeten Flößen”

  1. Dennis
    18. Juni 2011 at 15:24 #

    Leichte Entspannung wird erwartet: +20 cm in den nächsten 7-8 Tagen, wenn es wie erwartet regnet.

    Link zu den Karten: http://www.hvz.baden-wuerttemberg.de/cgi/daten.pl?id=0007&btn=1

  2. TB
    19. Juni 2011 at 16:34 #

    Die Biologen brauchen keinen Alarm schlagen. Die panikartig beschworenen „Folgen für Fauna und Flora des Bodenseeufers“ hat die Natur nächstes Jahr schon wieder vergessen. Auch wenn der AGBU in seiner Pressemitteilung nicht ohne das Unwort „Klimawandel“ auskommt. „Wandel“ ist übrigens in der Natur der Normalzustand.

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