Fortsetzung von Persönlichkeitsbildung mit andern Mitteln am Konstanzer Theater

Junges Theater Konstanz lädt Kinder und Jugendliche in „Clubs“ ein – Spielzeit startet mit „A Clockwork Orange“


Konstanz.
Mit „A Clockwork Orange, einem Stück des Figuren- und Puppentheaters startet das Junge Theater Konstanz am Sonntag, 10. Oktober, in die neue Spielzeit. Angebote macht das Theater Jugendlichen aber nicht nur als Zuschauer. Bei Workshops, in Clubs, bei etwas anderen Schülertheatertagen und dem Jugendpolitischen Nachtcafé macht das Junge Theater konkrete Mitmachangebote. Jedes Jahr erreicht das Theater mit solchen Angeboten mehrere Tausend Schüler.

Technische Intelligenz zu wenig

Wer einen Pädagogen und Autor wie den früheren Leiter der Schule Schloss Salem, Bernhard Bueb, reden hört, den beschleicht ein Gänsehautgefühl. Der frühere Lehrer sagt es so: Im Bildungssystem bleibt die Persönlichkeitsbildung von Schülern auf der Strecke. Begabungen, die junge Menschen haben, würden viel zu wenig gefördert. Im Vordergrund stehe allein das akademische Lernen. Bang fragt sich da der halbwegs humanistisch gebildete Beobachter wie es denn in Zukunft gehen soll, wenn aus den Kindern erwachsene werden, denen es an Herzensbildung mangelt. Technische Intelligenz und Mangertypen können die Gesellschaft nicht zusammen halten.

Persönlichkeitsbildung mit andern Mitteln

Das Junge Theater in Konstanz praktiziert so etwas wie Persönlichkeitsbildung mit andern Mitteln. Wo die Schule versagt, ist die gesellschaftlich wichtige Arbeit des Jungen Theaters gar nicht zu unterschätzen. Seit diesem Herbst hat das Junge Theater drei neue Gesichter. Die Leitung hat Bernd Schlenkrich übernommen. Theaterpädagogik ist Sache von Sarit Streicher und mit dabei ist auch Dramaturgin Kerstin Daiber. Schlenkrich behilft sich mit einem Zitat, wenn er sagen soll, wie es weiter geht. Er sagt: „Weiter so – ändert Euch!“

Bonnie und Clyde trifft Best of Nibelungen

Worum es in den Stücken des Jungen Theaters geht, erzählt dann Kerstin Daiber. Sie sagt: „Gegen Grenzen laufen, an Grenzen gehen und Grenzen überschreiten.“ Das junge Publikum darf sich schon einmal auf Bonnie und Clyde, Michael Kohlhaas, Best of Nibelungen oder 9/11 in einer Inszenierung des bisherigen Jugendtheaterleiters Felix Strasser freuen. Satzfragmente, die nach der Pressekonferenz im Block stehen, sagen mehr als ein ganzer Flyer: „Raus aus der Gesellschaft“, „Nibelungen aus Verlierersicht“, „lustvolles Scheitern“ und was ist nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bei jungen Menschen hängen geblieben ist. Bernd Schlenkrich redet von einer „ganzheitlichen Theatererfahrung“. Sarit Streicher schwärmt vom Jugend- und Kinderclub und vom Tanztheaterclub. Bei den Schülertheatertagen will das Junge Theater den Klassenverband aufbrechen. Und das Theater soll ein Haus der Begegnung auch für junge Leute sein. Ein Schülerabo kostet gerade einmal 48 Euro – dafür gibt es zehn Stücke. Ein Theaterbesuch dürfte somit in etwa in die preisliche Kategorie eines Meals im Fastfoodrestaurant fallen.

Rolle über den Körper entwickeln

Theaterintendant Christoph Nix lässt es sich nicht nehmen, persönlich fürs Junge Theater zu werben. Er redet davon, Haltungen und Rollen zu entwickeln und zu erarbeiten. Passieren könne das über den Kopf aber eben auch über den Körper. „Spannend“, sagt Nix. Auf dem Theater könnten die Jugendlichen Texte und Rollen über das Spiel entwickeln. Die Mitmachangebote sind ein Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung.

Alex Geschichte

Los geht es aber zuerst Mit „A Clockwork Orange“ von Anthony Burgess. Die Produktion des Jungen Theater Konstanz ist in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin entstanden. Inszeniert hat Hans-Jochen Menzel. Hans-Jochen Menzel, einer der bekanntesten und Leiter der Abteilung „Puppenspielkunst“ an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.

Für den minderjährigen Alex und seine „Atzen“ ist alles bloß ein Spiel: Angeheizt von einer ordentlichen Portion Milch „plus“ starten sie in ihre nächtlichen, gewalttätigen Abenteuer, bei denen sie bevorzugt alte Obdachlose zusammenschlagen und Frauen brutal vergewaltigen. Doch eines Tages wird Alex von seinen eigenen Gangmitgliedern verraten. Um der langen Haftzeit frühzeitig zu entkommen, stellt sich Alex einem wissenschaftlchen Experiment zur Verfügung. Dabei wird er so konditioniert, dass ihm schon der Gedanke an Gewalt extremes, körperliches Unwohlsein verursacht. In der Freiheit ist er kaum noch überlebensfähig. Auf der Suche nach seinem Platz in der Welt begegnet er seinen ehemaligen Opfern, die sich brutal an ihm rächen.

Premiere 10.10.2010 – 20.30 Uhr Werkstatt Inselgasse ab 16 Jahren

Kontakt: Telefon 07531/900-199 oder E-Mail DaiberK@stadt.konstanz.de

Fotos: wak/Stadttheater Konstanz

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