Frottierhandtücher müssen Kneippbader selbst mitbringen

Kneippheilbad Überlingen eröffnet die Kneipp- und Barfuß-Saison

Überlingen (wak) Sommerfrische, Badehäuser, Badehütten, Badestrände, Bodensee-Therme und Kuren sind Begriffe, die Wellnessurlaubern zum Kneippheilbad Überlingen einfallen. Heute hat das seit mehr als 50 Jahren staatlich anerkanntes Kneippheilbad die Saison eröffnet.

Öffentliche Kneippbecken in Überlingen

Mitten im mehr als 130 Jahre alten grünen Stadtgarten findet sich ein öffentlichen Kneippbecken. Ein anderes ist nur wenige Schritte vom Saunagarten der Überlinger Bodensee-Therme entfernt. Das Ritual ist immer dasselbe: Schuhe und Socken ausziehen und barfuß durchs Becken stapfen. Körper, Geist und Seele tun solche kleinen Auszeiten gut. Nur das Frottierhandtuch müssen die Badenden selbst mitbringen.

In der Tradition des Pfarrers Sebastian Kneipp

Die Kneipp-Medizin oder Kneipp-Therapie ist ein nach dem Pfarrer Sebastian Kneipp benanntes Behandlungsverfahren, das Wasseranwendungen, Pflanzenwirkstoffe, Bewegungs- und Ernährungsempfehlungen beinhaltet. Diese können sowohl vorbeugend (präventiv) als auch zur Behandlung bestehender Erkrankungen (kurativ) eingesetzt werden. Wem das Waten durch die Kneippbecken nicht ausreicht, kann in Überlingen in eine der Kliniken oder in ein Hotel einchecken.

Überlinger Mineralquelle versiegte

Die Geschichte der als Heilbad aber begann noch viel früher als die Geschichte des Kneippheilbads. Schon im 15. Jahrhundert kamen Kurgäste in die Bodenseestadt, um mit dem wunderbaren „Sauerbrunnen“ ihre Zipperlein und Leiden zu kurieren. Ärzte schworen auf das Mineralwasser bei Rheumatismus, Nierensteinen und Magenleiden, und in einer Badeordnung von 1505 empfahl der Magistrat einen mindestens 14-tägigen Kuraufenthalt. Die Überlinger Quelle versiegte erst durch den Bau der Eisenbahn im Jahr 1901. Die Badekuren waren vorerst beendet. Der einstige Quellturm existiert noch immer und seit ein paar Jahren ist sogar die Schüttung der alten Quelle wieder größer geworden.

Kneippen und Heilfasten im Trend

Als im 19. Jahrhundert dann Sebastian Kneipp Überlingen besuchte, begann ein neues Kurkapitel. 1892 wurde in Überlingen eine Kneipp’sche Wasserheilanstalt eröffnet und 1894 der Kneippverein gegründet. Der Badebetrieb florierte, bis die Wirtschaftskrise ihm in den 30-er Jahren ein Ende setzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte die Stadt dann wieder an ihre alte Badetradition an. Die Anerkennung als Kneippheilbad 1955 war ein Meilenstein. Der entscheidende Durchbruch kam dann mit dem Bau der Buchinger – Klinik 1954 hoch über dem See. In der Folge erhielt Überlingen das höchste Kurortprädikat „Heilbad“.

Kein „Bad“ auf dem Ortsschild

Berühmt ist Überlingen seither nicht mehr nur als Kneippkurstadt, sondern auch als Ort des Heilfastens. Erst viel später kam das Baden und Saunieren. Die Eröffnung der Bodensee-Therme 2003 war ein großer Schritt in Richtung Gesundheitsstadt. Längst haben die schönen neuen Thermalbäder in Überlingen, Meersburg und Konstanz den älteren in anderen Regionen den Rang abgelaufen. Wellness und Kurzurlaube statt langer Kuren sind heute in Überlingen besonders angesagt. Obwohl Überlingen seit mehr als 50 Jahren das Prädikat Kneippheilbad trägt, hat die Stadt bewusst auf die Bezeichnung „Bad Überlingen“ verzichtet. Ob der Titel „Bad“ das Image der Stadt verbessern und die Bezeichnung „Bad“ Überlingen für Wellnessurlauber noch attraktiver machen oder gar das Gegenteil bewirken würde, ist umstritten.

Foto: S. Hofschlaeger PIXELIO

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