Früherer Südkurier-Chefredakteur Werner Schwarzwälder gestorben

Ein Lokalchef, der noch Chronistenpflicht erfüllte – Journalist der alten Schule

Konstanz. Werner Schwarzwälder ist tot. Der frühere Südkurier-Chefredakteur und langjährige Lokalchef des Konstanzer Südkurier verstarb im Alter von nur 67 Jahren. Er war Vorgänger von Thomas Satinsky und Stefan Lutz in der Chefredaktion des Südkurier. Im Lokalen folgten ihm nach zwei Interimslösungen Tobias Engelsing und Jörg-Peter Rau. Schwarzwälder wohnte auf der Insel Reichenau. Aktiv war Schwarzwälder auch in der Konstanzer Fasnacht, wo er beim Jacobiner-Tribunal in Konstanz als Richter auftrat.

Vom Volontär zum Chefredakteur

Nach seiner Schulzeit am Zinzendorf-Gymnasium Königsfeld und der Höheren Handelsschule Villingen absolvierte er eine Lehre als Speditionskaufmann in Villingen. Danach folgte eine Ausbildung zum Offizier bei der Bundeswehr, später war er Major der Reserve. Seine journalistische Laufbahn begann er beim Südkurier. Zuerst wurde er Volontär, später war er Redakteur für Politik und Beilagen. Anschließend leitete er die Lokalredaktionen Villingen-Schwenningen, später die Konstanzer Lokalredaktion. Er war für die Ausbildung der Volontärinnen und Volontäre zuständig, wurde Chef vom Dienst und von 1994 bis 2005 war er Chefredakteur. Später verantwortete er noch verschiedene Sonderprojekte wie das Magazin „LebensArt“. Zu sehen war er in der Öffentlichkeit, schon von der Krankheit gezeichnet, noch einmal bei gesellschaftlichen Anlässen oder auch bei Wahlkampfveranstaltungen im vergangenen Frühjahr. Nach längerer Krankheit und zuletzt einem Klinikaufenthalt in Allensbach ist jetzt am Bodensee verstorben.

Lokalzeitung war das Leitmedium

Werner Schwarzwälder gehörte noch zu einer Redakteursgeneration vergangener Zeiten. Die Redaktionen waren personell und finanziell noch gut ausgestattet. Redakteure hatten die Freiheit, auch einmal mehrere Tage an einer Geschichte zu recherchieren. Die Printzeitung war das Leitmedium. Leserbriefe kamen noch per Post. Kostenlose Informationen im Web auf lokalen Blogs gab es damals noch nicht. Die einzige Gegenöffentlichkeit auf lokaler Ebene in Konstanz war damals das Magazin „Nebelhorn“. An Wahlabenden informierte die Lokalredaktion noch am Telefon ihre Leser über aktuelle Wahlergebnisse – gelegentlich veröffentlichte die Zeitung zu wichtigen Anlässen sogar eine Sonderausgabe, die sie kostenlos in der Stadt verteilte.

Chronistenpflicht und Inhalt vor Form

Beiträge hatten gern mehr als 150 Zeilen. Für Werner Schwarzwälder stand noch außer Frage, dass Journalisten eine Chronistenpflicht zu erfüllen hatten. Selbstverständlich berichtete die Lokalzeitung damals noch über die Kommunalpolitik. Das Layout der Zeitung spielte in der Zeit, als Schwarzwälder Lokalchef in Konstanz war, eine untergeordnete Rolle. Der Inhalt war ihm wichtig – weniger die weichen Themen, viel mehr die verlässliche, seriöse Berichterstattung. Gemeinderatssitzungen und wichtige Ausschusssitzungen wurden damals noch regelmäßig von Redakteuren oder festen freien Mitarbeitern besucht, die oft ausführlich berichteten. Vielen späteren Journalisten, die in der Konstanzer Lokalredaktion ihre ersten Gehversuche machten, gab Werner Schwarzwälder als Lokalchef damals eine Chance. Wer sich bewährte, durfte regelmäßig für die Lokalredaktion schreiben, sammelte neben dem Studium Erfahrungen – und erhielt ein faires Honorar für Texte und Fotos. Schwarzwälder war auch beim Deutschen Journalistenverband (DJV) engagiert.

Erich Gropper einer seiner Weggefährten

Themen, die nicht in Vergessenheit geraten sollten, griff die Redaktion immer wieder auf. Die schwarze Wiedervorlagemappe gehörte zu den wichtigsten Accessoires auf Schwarzwälders Schreibtisch in der alten Lokalredaktion am Fischmarkt, wo er jahrelang Schreibtisch an Schreibtisch Erich Gropper gegenüber saß. Anders als Erich Gropper, der auf seinem Blog dornröschen.nu seit seinem Ausscheiden beim Medienhaus Südkurier im Web Lokalberichterstattung betreibt, zog sich Schwarzwälder aus dem journalistischen Geschäft zurück.

Foto: Lilienberg Unternehmerforum Foundation in Ermatingen/gemeinfrei Wikipedia

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